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Android und das Media Transfer Protocol

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Gegenüber dem iPhone hatte Android bislang immer den Vorteil, dass man das Handy wie einen USB-Stick am Rechner anschießen konnte. Mit Android 3.x und 4.0 sind diese Tage vorbei, wir zeigen Ihnen was sich mit dem Media Transfer Protocol ändert.

Besitzer von Android-Geräten mit Gingerbread oder noch älteren Android-Versionen, sind es beim Anstecken des Handys an den PC gewohnt gefragt zu werden, ob Sie den Speicher des Smartphones als USB-Massenspeicher freigeben zu möchten. Bestätigt man dieses, so reagiert der PC wie beim Anschluss eines USB-Sticks oder einer externen USB-Festplatte und bindet das Handy direkt ein. Technisch unterscheidet sich der Handy-Speicher in dem Moment nicht von einem einfachen USB-Stick.

Die Nutzung des USB-Massenspeichers hat ihre Vor- und Nachteile: Das größte Plus ist mit Sicherheit die Kompatibilität: Egal mit welchem Betriebssystem Sie arbeiten, jedes auch nur annähernd aktuelle System beherrscht den Umgang mit USB-Massenspeichern. Unter Windows, Mac OS X und auch allen gängigen Linuxen stecken Sie Ihr Handy an, aktivieren den Speichermodus und schon haben Sie Zugriff auf Ihre Daten.

USB-Massenspeicher

Nachteilig erweist sich das Prinzip, wenn eigentlich zwei Geräte Zugriff auf den Speicher bräuchten. Für den USB-Massenspeicher braucht das System direkten und exklusiven Zugriff auf den Speicher. Für die auf dem Handy gespeicherten Daten heißt das: Entweder kann das Handy die Daten lesen, oder der Rechner. Um den Speicher für den PC freizugeben, muss das Handy zwangsläufig die Daten aushängen.

Abbildung 1: Beim Anschluss eines Android-2.0-Androiden kann man das Handy als "Festplatte" bereitstellen.
Abbildung 1: Beim Anschluss eines Android-2.0-Androiden kann man das Handy als "Festplatte" bereitstellen.

Da das Handy beim Anschluss an den PC keinen Zugriff mehr auf sämtliche Benutzerdaten hätte, ist der interne Speicher – von oft acht oder 16 GByte – aller Gingerbread-Androiden und früher (also alle Android-Versionen vor 3.0) in zwei Partitionen eingeteilt. Auf der kleineren Partition liegen Apps und die wichtigsten Daten und Einstellungen, auf der Zweiten ist viel Platz für Ihre Bilder, Videos oder Musik.

Zwei Partitionen

Dieser interne Benutzerspeicher ist of sehr beschnitten. Ein HTC Desire besitzt 512 MByte internen Speicher, davon sind aber nur etwa 150 MByte für den Anwender nutzbar. Ein Sony Xperia Play hat nur 380 MByte Platz, sehr wenig für ein auf Spiele ausgelegtes Handy. Das Samsung Galaxy S2 hat immerhin einen GByte internen Speicher. Die Folge: Je kleiner der interne Speicher, desto früher stößt der Besitzer des Handys bei der Installation vom Apps an die Grenzen. Der Play Store meldet "Nicht genügend Speicherplatz verfügbar.

Abbildung 2: Gerade bei älteren Android-Handys ist der interne Speicher schnell ausgeschöpft.
Abbildung 2: Gerade bei älteren Android-Handys ist der interne Speicher schnell ausgeschöpft.

Aus dieser Problematik für nun das Media Transfer Protocol (MTP) bzw. dessen Vorgänger Picture Transfer Protocol (PTP), es ermöglicht die Übertragung von Dateien zwischen Endgeräten und Computern, ohne dass das Handy die Datenpartition freigeben muss. So können PC, wie auch das Smartphone, zur selben Zeit auf die Daten zugreifen. Die Teilung des internen Speichers ist daher bei Geräten mit Android 3.0 oder neuer daher auch Geschichte.

Media Transfer Protocol

Geräte mit Android 3.x oder 4.0 und ohne zusätzliche Speicherkarte verzichten daher gänzlich auf den USB-Massenspeichermodus. Sie können die einzige Datenpartition sowieso nicht aushängen, nur wenn das Gerät über einen Slot für eine zusätzliche Speicherkarte verfügt, bietet Ihnen Android beim Anschluss des Geräts die Option den externen Speicher wie gewohnt als Massenspeicher freizugeben.

Abbildung 3: Microsoft Windows und MTP vertragen sich seit Vista hervorragend. Unter XP brauchen Sie den Media Player 10.
Abbildung 3: Microsoft Windows und MTP vertragen sich seit Vista hervorragend. Unter XP brauchen Sie den Media Player 10.

Allerdings kann nicht jedes Betriebssystem mit MTP umgehen. Microsoft Windows unterstützt MTP ab Vista (außer N-Versionen) nativ. Hier merken Sie keinen großen Unterschied zur vorhergehenden Technik. Sobald Sie Ihren Androiden an den USB-Port Ihres Rechners hängen, erscheint dieses als Gerät im Dateimanager. Windows XP unterstützt ebenfalls MTP, allerdings nur dann, wenn Sie Windows Media Player 10 installiert haben. Ältere Windowsversionen haben keinerlei MTP-Unterstützung.

Mac OS X

Besitzer eines Apple-Computer müssen wir an dieser Stelle leider ein wenig enttäuschen. Mac OS X bringt bis heute keinerlei offizielle native Unterstützung von MTP mit, auch das Umstellen eines Gerätes mit Android 4.0 auf PTP bringt keine Besserung, beim Anschluss des Handys an den Apple-Computer passiert? nichts.

Abbildung 4: Unter Apples Mac OS X hilft Ihnen das kostenlose Tool Android File Transfer weiter.
Abbildung 4: Unter Apples Mac OS X hilft Ihnen das kostenlose Tool Android File Transfer weiter.

Allerdings muss man als Apple-User nicht darauf verzichten Daten vom bzw. auf das Handy zu laden. Google selber bietet mit Android File Transfer [1] eine kleine Anwendung an, mit der Sie Zugriff auf Ihren Androiden erhalten. Alternativ gibt es mit XNJB [2] noch ein quelloffenes Tool, das noch mehr Funktionen beinhaltet.

Linux

Unter Linux haben Sie leider mit dem selben Problem zu kämpfen. Während der USB-Massenspeichermodus ohne Probleme nutzbar war, muss man mit MTP, doch einige Klippen umschiffen. Der einfachste Weg besteht darin das Handy anstatt das aktuelle Media Transfer Protocol, das ältere Picture Transfer Protocol verwenden zu lassen. Dieses wird von allen gängigen Linux-Distributionen und den großen Desktopumgebungen gut unterstützt.

Abbildung 5: Seit Android 4.0 lässt sich Android auf PTP umstellen. Die Einstellungen sind jedoch arg versteckt.
Abbildung 5: Seit Android 4.0 lässt sich Android auf PTP umstellen. Die Einstellungen sind jedoch arg versteckt.

Abbildung 6: Mit PTP wird Ihr Handy als Kamera erkannt, allerdings haben Sie dann nur Zugriff auf Ihre Bilder.
Abbildung 6: Mit PTP wird Ihr Handy als Kamera erkannt, allerdings haben Sie dann nur Zugriff auf Ihre Bilder.

Öffnen Sie dazu in Ihrem Androiden die Einstellungen und aktivieren Sie unter Speicher | Menü | USB-Verbindung-PC die Option Kamera (PTP). Ihr Handy wird sich nun nun an als Kamera melden und Ihr Linux den PTP-Modus benutzen lassen. Allerdings – und das wird ein KO-Kriterium für diese Lösung sein – haben Sie dann nur Zugriff auf Ihre Bilder.

Alternativ können libmtp und MTPFs [3] Ihren Androiden direkt über MTP ansprechen, doch in zahlreichen Distributionen erweist sich diese Methode als nicht sonderlich zuverlässig. Teils wird einfach nur ein Verzeichnis mit den Playlisten angezeigt, teils hängt sich die Verbindung auf, oder die Dateiübertragung bricht ab. Auf einem aktuellen Ubuntu 12.04 lies sich jedoch mit MTPFs gut arbeiten, allerdings ließen sich maximal 500 KByte/s übertragen, für den Upload größerer Musiksammlungen sicherlich deutlich zu langsam.

Abbildung 7: SSHDroid installiert Ihnen einen SSH-Server unter Android. Gerade Linuxer haben über ihn viele Möglichkeiten.
Abbildung 7: SSHDroid installiert Ihnen einen SSH-Server unter Android. Gerade Linuxer haben über ihn viele Möglichkeiten.

Die vielleicht simpelste Lösung ist am Ende das Einrichten eines SSH-Servers wie etwa SSHDroid [4] oder SSHDroid Pro [5] auf dem Handy. Ohne Kabel und Gebastel haben Sie direkt mit dem Dateimanager Ihrer Desktopumgebung Zugriff auf alle Ihre Daten, nicht nur Bilder und Videos wie bei der Umstellung auf PTP. Je nach WLAN, Empfangsqualität und Prozessorleistung des Handys, ergeben sich Datenraten von etwas 700 KByte/s bis etwa 1 MByte/s.