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Android-Smartphones übertakten

Kauft man ein neues Android-Telefon, reagiert es meist sehr schnell auf Eingaben und stellt aktuelle Spiele sehr flüssig dar. Mit der Zeit steigen allerdings die Anforderungen der Apps und man merkt dem Gerät sein Alter immer deutlicher an. Zeit, etwas an der CPU zu schrauben..

Die Geschwindigkeit der CPU wird spätestens dann zu einem Problem, wenn das aktuelle Topspiel, von dem jeder schwärmt, auf dem eigenen Gerät nicht oder nur unbefriedigend ausgeführt werden kann. Hier sorgt in manchen Fällen das Übertakten des Prozessors für den nötigen zusätzlichen Leistungsschub.

Andere möchten aus ihren Geräten möglichst viel Leistung heraus holen, sodass die Benutzeroberfläche zu jedem Zeitpunkt flüssig reagiert und man bei Benchmarks höhere Ergebnisse erreicht. Doch auch in die andere Richtung kann das Schrauben an der CPU hilfreich sein. So lässt sich ein Smartphone durch gezieltes Heruntertakten optimal stromsparend betreiben, um eine längere Akkulaufzeit zu erreichen.

Garantiewarnung!!!

Das Modifizieren der Gerätesoftware birgt einige Gefahren. Davor schützen sich die Gerätehersteller, indem sie die Garantieleistungen bei modifizierten Geräten in der Regel verweigern. Sämtliche hier vorgestellten Vorgänge führen in der Regel zu einem Garantieverlust. Rooten Sie Ihr Handy als nur, wenn Sie genau wissen, was und wozu Sie es tun.

Die Übertaktung birgt zudem einige Gefahren wenn sie fehlerhaft angewandt wird. Die Prozessoren in Telefonen werden nicht aktiv gekühlt, das heißt Sie werden unter Umständen sehr heiß! Übertaktet man zu hoch oder betreibt man ein Gerät über längere Zeit auf einem sehr hohen Takt, können elektronische Bauteile des Gerätes beschädigt werden. Spätestens in diesem Fall erlischt der Anspruch auf Garantieleistungen!

Vorbereitungungen

Um die Leistung der CPU selbst zu bestimmen muss man sein Android-Gerät rooten. Beim Rooten verschafft man sich administrativen Zugriff auf das Gerät und ermöglicht so den Zugriff auf Funktionen, die einem normalen Anwender nicht erlaubt sind. Das Rooten funktioniert über eine Sicherheitslücke im Betriebssystem, wodurch eine Art Tor für einen dauerhaften Administrativen Zugriff aufgestoßen wird.

Abbildung 1: Eine typische Superuser Anfrage von einem Übertaktungsprogramm.
Abbildung 1: Eine typische Superuser Anfrage von einem Übertaktungsprogramm.

Je nach Gerät und Softwareversion muss ein bestimmter Vorgang ausgeführt werden. Aktuelle Anleitungen zum Rooten findet man für die meisten Smartphones im Forum der XDA-Developers [1]. Bei einigen Geräten ist zudem nur ein vorübergehendes Rooten möglich, da für ein dauerhaftes Umgehen der Sicherheitsmaßnahmen ein entsperrter Bootloader benötigt wird. Diesen gibt es jedoch nicht bei allen Geräten. Der Artikel bezieht sich im Folgenden auf das HTC Sensation als Testgerät, wobei wir den eigentlichen Root-Vorgang nicht im Detail beschreiben.

Seit Ende August gibt es beim HTC Sensation die Möglichkeit den Bootloader offizielle zu entsperren und eine angepasste Recovery-Konsole zu installieren. Dabei kann man zwischen der offiziellen Methode von HTC [2] – welche allerdings weiterhin mit dem Verzicht auf Gewährleistungen einhergeht – oder einer von der Community entwickelten Methode [3] wählen. Bei der HTC-Variante muss ebenfalls die angepasste Recovery-Konsole installiert werden.

Über diese Konsole können Sie dann Modifikationen am Gerät durchfühen, die einen Neustart überstehen. Der Nachteil bei dieser Methode ist, dass bei dem Laden des Kernelmoduls das Gerät aufgrund eines Kernelfehlers neu startet und daher mit dieser Methode derzeit kein Übertakten möglich ist. Die einzige Möglichkeit beim HTC Sensation bleibt aktuell ein Custom-ROM mit übertaktungsfähigem Kernel zu installieren.

Kernelmodul laden

Bei einigen Geräten bzw. ROMs muss zunächst ein Kernelmodul geladen werden. Anleitungen hierfür finden sich ebenfalls bei den XDA-Developers [1] Bei vielen Custom-ROMs sind die folgenden Vorbereitungen allerdings nicht nötig. Zunächst einmal muss das Android-SDK auf dem Computer installiert und eingerichtet werden [4], [5] (für Linux-Nutzer).

Nachdem das Gerät gerootet wurde und Sie in den Einstellungen im Menü Anwendungen die USB-Debugging Option aktiviert haben, schließen Sie das Smartphone über USB an den Rechner an. In einem ersten Schritt überprüfen Sie, welcher Kernel auf dem Gerät läuft. Dazu führt man in einer Shell den Befehl adb shell cat /proc/version aus:

adb shell cat /proc/version
Linux version 2.6.35.10-g9cef70d (htc-kernel@and18-2) [...]

Die Ausgabe des Adb-Befehls ist leicht gekürzt, wichtig ist lediglich die Version des Kernels, in diesem Fall 2.6.35.10-g9cef70d.

Entsprechend der Kernelversion muss das richtige Kernelmodul auf das Gerät überspielt und anschließend in den Kernel geladen werden. Das geschieht über folgende zwei Adb-Befehle:

adb push 8x60_oc_g9cef70d.ko  /data/local/tmp/8x60_oc.ko
adb shell insmod /data/local/tmp/8x60_oc.ko

Anschließend arbeitet das Sensation mit einer maximalen Taktrate von 1,5 GHz (statt 1,2 GHz).

Grafische Helfer

Im Android Market finden sich viele Programme, die zum Manipulieren der Taktraten verwendet werden können und gegebenenfalls weitere Funktionalität zum Übertakten mitbringen. Eines der beliebtesten Programme ist SetCPU. Das Programm kann hier [6] kostenlos heruntergeladen werden. Im Android Market steht eine Spenden-Version bereit, mit der man den Autor des Programms unterstützen kann [7].

Abbildung 2: Der Hauptbildschirm von SetCPU.
Abbildung 2: Der Hauptbildschirm von SetCPU.

SetCPU bietet die Möglichkeit, über Profile die Taktrate zu steuern. Diese Profile definieren Sie anhand verschiedener Faktoren selbst. So kann man Beispielsweise bei niedrigem Akkustand die CPU automatisch untertakten lassen, um so die Notabschaltung des Telefons wegen Energiemangel möglichst lange herauszuzögern.

Abbildung 3: Verschiedene Profile, die unter definierten Bedingungen automatisch aktiviert werden.
Abbildung 3: Verschiedene Profile, die unter definierten Bedingungen automatisch aktiviert werden.

Abbildung 4: Ein neues Profil mit einer Bedingung anlegen.
Abbildung 4: Ein neues Profil mit einer Bedingung anlegen.

Auch sehr beliebt ist das Programm Android Overclock [8]. Es hat eine sehr Ansprechendere Oberfläche und schöne Widgets. Allerdings merkt man dem Programm an, dass es automatisch übersetzt wurde und daher einige eigenwillige Begriffe enthält. Dies tut der Bedienbarkeit aber keinen Abbruch und das Programm ist daher eine gute Alternative zu SetCPU.

Abbildung 5: Dieses Programm funktioniert unter dem HTC Sensation mit TempRoot nicht, ist jedoch sehr gut für andere Handys geeignet.
Abbildung 5: Dieses Programm funktioniert unter dem HTC Sensation mit TempRoot nicht, ist jedoch sehr gut für andere Handys geeignet.

Ein weiteres Programm mit ähnlichem Funktionsumfang ist CPU Master [9]. Die Oberfläche wurde ebenfalls aufwändig gestaltet und ist sehr gut bedienbar. Eine Besonderheit bei CPU-Master ist die Verknüpfung mit dem Antutu Benchmark. Ist dieser ebenfalls installiert, kann man über einen Button den Benchmark starten, um so direkt die Leistungsunterschiede mit den veränderten Parametern zu testen.

Abbildung 6: Die schön gestaltete Oberfläche von CPU Master.
Abbildung 6: Die schön gestaltete Oberfläche von CPU Master.

CPUBoostLite [10] bietet eine sehr minimalistische aber funktionelle Oberfläche und die üblichen Funktionen. Besonders ist bei CPUBoost jedoch das Nitro-Widget, welches die CPU auf einen einstellbaren Wert übertaktet bis das Widget wieder berührt wird. Beispielsweise um eine kurze aber CPU-Intensive Aufgabe durchzuführen.

Abbildung 7: CPUBoost zeichnet sich durch eine sehr minimalistische Oberfläche aus.
Abbildung 7: CPUBoost zeichnet sich durch eine sehr minimalistische Oberfläche aus.

Neben diesen generischen Tools gibt es im Market auch eine Reihe von Overclocking-Apps, die nur eine bestimmte Smartphone-Reihe bzw. einen Prozessor-Typ unterstützen. Suchen Sie einfach im Market nach Ihrem Smartphone-Typ und dem Stichwort Overclocking.

Automatisch übertakten

Einen ganz anderen Ansatz gehen einige Custom-ROMs mit einem eingebauten Daemon, welcher sich um die Taktraten kümmert. Zur Einstellung dieser Raten muss eine spezielle Konfigurationsdatei bearbeitet werden, welche von dem Daemon angezogen wird. Wird bei einem solchen ROM ein externes Programm zur Steuerung der Taktraten verwendet, wird der Daemon deaktiviert. Die Custom-ROMs von CyanogenMod ab Version 7 bieten hierfür auch ein eigenes Menü in den Einstellungen an. Über dieses Menü lassen sich die Taktraten und der Governor bestimmen.

Der Governor legt fest, wie das System bei steigender CPU-Beanspruchung verfahren soll. Ob es zum Beispiel möglichst schnell die CPU hochtakten oder möglichst lange im Energiesparmodus verharren soll.

Fazit

Haben Sie Ihr Smartphone oder Tablet erst einmal gerootet, dann stehen Ihnen im Market zahlreiche Tools bereit, um mehr Leistung oder eine längere Akkulaufzeit aus Ihrem Smartphone herauszuholen. Ob Ihnen das bisschen Leistung den Mehraufwand und das Risiko wert ist, müssen Sie selbst entscheiden.

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