13. September 2021
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Android als Mehrbenutzersystem

Ein Tablet zum Spielen für zwei Kinder? Ein Smartphone für Business und Privates? SwitchMe ermöglicht es Ihnen mehrere Benutzerkonten auf einem Androiden einzurichten und bequem zwischen den Accounts zu wechseln.

Ein Tablet – eine ganze Familie mit unterschiedlichen Interessen – lässt sich das vereinen? SwitchMe will diesen Spagat meistern und bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Profile auf dem Androidendgerät anzulegen. Vom PC her ist man es schon lange nicht anders gewohnt, das System ist mehrbenutzerfähig, Android leider nach wie vor nicht. Häufig keimt der Wunsch auf, einen Profilwechsel durchführen zu können. So können Sie etwa Ihre Kinder entspannt mit Ihrem Tablet spielen lassen, ohne das eigene Profil in Mitleidenschaft zu ziehen. Oder Sie trennen ihr privates vom beruflich genutzten Profil. Im Folgenden soll auf die unterschiedlichen Anwendungsfälle näher eingegangen und die Möglichkeiten von SwitchMe beleuchtet werden.

SwitchMe [1] lässt sich kostenlos aus dem Market installieren, die kostenlose Variante bietet jedoch nur die Möglichkeit zwei Profile anzulegen. Der kostenpflichtige Schlüssel hebt diese Beschränkung auf, schlägt allerdings mit rund 1,50 Euro zu Buche. Dafür ist man in der Anzahl der Profile nur noch über den verfügbaren Speicher beschränkt und das eigene Profil über ein Passwort geschützt.

Profilchen wechsel dich

Im Privatbereich ist SwitchMe sehr effektiv nutzbar, schnell ist der eigene, aktive Account von dem Konto der Kinder oder des Partners getrennt und unabhängig nutzbar, unterschiedlich App-Installationen und Google-Accounts lassen sich so bequem benutzen. Das funktioniert reibungslos und der Wechsel zum zweiten Profil ist schnell vollzogen – einfach auswählen und "switchen", nach einem Reboot steht das zweite Profil zur Verfügung.

Mehrere Personen können, sofern nicht zu viele Apps installiert sind und der Anwendungsspeicher überfüllt ist, ein Gerät teilen und eigene Benutzerprofile im Einsatz haben. Gerade bei Spielen ist dies von Vorteil, denn jedes Profil speichert eigene Fortschritte, so könne Spiele von mehreren Benutzern gespielt und mit unterschiedlichen Accounts betrieben werden. Im Privatbereich kann man sicherlich über die Absicherung des Profils hinwegsehen und eine fehlende Verschlüsselung verschmerzen, doch im Firmenumfeld kommen schnell weitere Anforderungen auf eine App wie SwitchMe zu.

Abbildung 1: Bestehende Profile kann man klonen und bekommt den Datenverbrauch optisch leicht verständlich dargestellt.
Abbildung 1: Bestehende Profile kann man klonen und bekommt den Datenverbrauch optisch leicht verständlich dargestellt.

Vorerst sollte man jedoch die Funktionsweise von SwitchMe betrachten: Die App erfordert Root-Zugriff. Notwendig um die benutzerspezifischen Daten aus /data/ und /system/ zu sichern und mit einem "vorgegaukelten" Reset des Gerätes – also der Löschung der Daten – eine Neueinrichtung zu erzwingen. So werden unter /data/ und /system/ neue Benutzerkonten verknüpft und Apps angelegt, natürlich zu Lasten des zur Verfügung stehenden Speichers. Weitere Profile können nur solange angelegt werden, wie Speicherplatz im internen Speicher zur Verfügung steht.

Datenverlust droht

Je nach Android-Gerät wird die Luft hier relativ schnell dünn. Bei einem Benutzer-/Profilwechsel, werden die aktuellen Daten gepackt, gelöscht und die Daten des vorherigen Profils entpackt, das Gerät danach neu gestartet und mit diesen Daten weitergearbeitet. Meist funktioniert dies gut, sofern man darauf achtet, das Gerät nicht parallel mit dem PC verbunden und die SD-Karte freigegeben zu haben, denn in diesem Fall schlägt der Wechsel schnell fehl und kann zu irreparablen Schäden im Profil führen.

Noch ist SwitchMe nicht mit allen Geräten kompatibel, im Test klappte der Wechsel auf einem Samsung Galaxy Note nicht einwandfrei, auf einem Sony Ericsson Xperia Arc und PLAY, sowie einem HTC Desire mit CyanogenMod konnten wir hingegen keinerlei Probleme feststellen. Konzentrieren wir uns an dieser Stelle auf den Einsatz im Firmenumfeld, hier steht die klare Trennung der Profile und die Absicherung der hinterlegten Daten stark im Vordergrund.

Kein App-Management

Leider bietet hier SwitchMe wenig um diesen Anforderungen gerecht zu werden: Profile können entweder geklont oder neu erstellt werden. Im ersten Fall wird also der Speicherverbrauch verdoppelt, gerade bei mehreren Benutzern ist hier schnell der Speicher des Smartphones erschöpft. Im zweiten Fall wird ein leeres Profil erstellt und der Anwender hat freien Spielraum, was gerade im Unternehmensumfeld häufig nicht gewünscht. Hier soll der Anwender nicht beliebig über das Gerät bestimmen dürfen und etwa jede App installieren können.

Abbildung 2: Ein zweites Profil kann als leeres Profil angelegt werden und erlaubt einen einfachen Wechsel durch den "Switch"-Knopf.
Abbildung 2: Ein zweites Profil kann als leeres Profil angelegt werden und erlaubt einen einfachen Wechsel durch den "Switch"-Knopf.

Eine zentral verwaltete Lösung ist SwitchMe daher noch lange nicht. Im Unternehmenseinsatz wünscht man sich Lösungen, die von einem Administrator gepflegt werden, der die Installation von Apps verwaltet und die eigenmächtige Installation von Anwendungen unterbindet. Parallel dazu sollen die Daten getrennt vorgehalten und verschlüsselt abgelegt werden. SwitchMe bietet auch in der Bezahlversion bisher nur einen Passwortschutz für das Archiv.

Im Unternehmenseinsatz

Stellen wir uns einen Kunden im Gesundheitswesen vor, entweder zur Nutzung von Tablets im Stationseinsatz, oder von Smartphones für mobile Pflegedienste. Beide Gruppen halten eine bestimmte Anzahl an Geräten für die Anwender vor und hoffen auf einen einfachen Benutzerwechsel. Die Mehrzahl der Anwendungen ist nicht an einen bestimmten Benutzer gebunden, der Zugriff auf Patienten- und Abrechnungsdaten ist allen Nutzern der Endgeräte gestattet, unabhängig der Benutzerkonten. Der kleinste Teil der Anwendungen setzt eigene Benutzeraccounts voraus, in unserem Beispiel wären das zum Beispiel Exchange-Mailkonten.

Für einen solchen Firmeneinsatz steht eine definierte Anzahl an Geräten im jeweiligen Haus zur Verfügung, die frisch geladen auf ihren Anwender warten. Ein Stationsarzt nimmt sich etwa zu Dienstbeginn ein Gerät und schaltet auf sein Profil um. Nach einem Neustart des Tablets stehen ihm seine personalisierten Apps zur Verfügung – E-Mail, Qualitätsicherung und Abrechnungssysteme – allerdings auch allgemeine Patientendaten, die allen behandelnden Stationen offen stehen.

Für diesen Fall müsste man entweder ein Profil in SwitchMe klonen und die personalisierten Anwendungen für jeden Benutzer einzeln einrichten oder mit leeren Profile arbeiten, in denen man alle Anwendungen nachinstalliert, die wiederrum alle Benutzer benötigen. Was bei fünf Anwendern noch machbar ist, verliert bei mehr als 20 Nutzern schnell den Sinn und scheitert meist am verfügbaren Anwendungsspeicher.

In manchen Fällen nützlich

SwitchMe ist daher für den Unternehmenseinsatz nur bedingt geeignet. Eine Trennung zwischen Unternehmensdaten und privater Nutzung eines Android-Gerätes durch den Mitarbeiter ist noch leicht umsetzbar. Eine "Poolnutzung" von Geräten, die mit SwitchMe ausgestattet sind, ist jedoch nahezu unmöglich realisierbar. Eine Nutzung von Google Apps relativiert das Bild leicht, denn hier stehen weitere Funktionen zur Verfügung, die Geräte mit Sicherheitsrichtlinien – abseits von Android und vor allem SwitchMe – an die Unternehmensvorgaben anzupassen.

Abbildung 3: Zusätzliche Profile lassen sich jederzeit über die +/-Schaltfläche hinzufügen, sofern man nicht die auf zwei Profile beschränkte Lite-Version im Einsatz hat.
Abbildung 3: Zusätzliche Profile lassen sich jederzeit über die +/-Schaltfläche hinzufügen, sofern man nicht die auf zwei Profile beschränkte Lite-Version im Einsatz hat.

Ein rein berufliches Profil, in dem der Zugriff auf das Unternehmensnetz, inklusive VPN-Verbindungen und Apps, die vom Arbeitgeber freigegeben sind, sowie ein privates Profil, welches mit dem eigenen Google-Account betrieben wird und Anwendungen beinhaltet, die man nach den eigenen Vorlieben installiert, ist schnell und einfach realisierbar. Ebenso werden sich Appentwickler freuen, denn diese können jeweils leere Profile erstellen und ihre Anwendungen, ohne Einfluss von parallel installierten Apps, auf ihre Funktion testen, alles ohne virtuelle Maschine oder ein dediziertes Entwicklungsgerät.

Funktionen fehlen

Diese einfach gelagerten Fälle meistert SwitchMe bereits heute ohne größere Probleme, natürlich unter der Voraussetzung, dass das entsprechende Gerät unterstützt wird! Gerade in der aktuellen Anfangsphase empfiehlt sich jedoch eine ausreichende Sicherung des laufenden Systems, vorzugsweise mittels Nandroid Backup. Leider kommt es hin und wieder vor, dass das genutzte System nicht sauber unterstützt wird und der Wechsel fehlschlägt, oder man nicht mehr zurück in das ehemals aktive Profil wechseln kann. Wird das eigene Gerät allerdings von SwitchMe unterstützt, dann klappt der Wechsel reibungslos und man fragt sich, wie man zuvor mit einem System arbeiten konnte, das nicht mehrbenutzerfähig ist.

Für den Einsatz im Unternehmensumfeld muss aktuell allerdings noch abgeraten werden, hier fehlen einige essenzielle Funktionen, die unserer Meinung äußert wichtig sind: Fehlender Anwendungsspeicher für die große Anzahl an Benutzern von "Poolgeräten", eine Verschlüsselung der Daten, Möglichkeiten zur Administration über einen Admin, Einschränkung der Benutzer (Installation von Apps verbieten) und eine Option nur bestimmte Systemdaten/Apps zu "switchen" wären hier von zentraler Bedeutung.

Fazit

Gerade der letzte Punkt ist einer der großen Stolpersteine, die Hand in Hand mit der Funktionsstruktur von SwitchMe gehen. Eine Variante nur Teilbereiche zu wechseln, im oben genannten Beispiel eventuell den Google Account und die E-Mail/Exchange Einrichtung, alle anderen installierten Apps aber unberührt zu lassen, ohne sie zu klonen und in ein zweites Profil zu duplizieren, wäre für die Nutzung im Firmenumfeld unerlässlich.

Wenn Sie mit diesen Einschränkungen leben können, oder falls Sie SwitchMe im privaten Umfeld betreiben möchten und haben ein gerootetes Android-Gerät mit mindestens Android 2.1, dann ist SwitchMe eindeutig einen Blick wert. Die Anwendung bietet viele Vorteile und eröffnet Möglichkeiten, die man häufig erst als aktiven Nutzer der App entdeckt.

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