Alcatel One Touch Fire contra Huawei Ascend Y300

Alcatel One Touch Fire contra Huawei Ascend Y300

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(c) Mozilla Foundation

Android-Smartphones für 99 Euro sind heute keine Ausnahme mehr. Das Alcatel One Touch Fire mit Firefox OS möchte diesen Preis noch unterbieten. Doch was taugt das Gerät im Alltag? Wir vergleichen das Firefox-Handy mit einem der günstigsten Android-Geräte!

Symbian-Handys waren die ersten weitverbreiteten Smartphones. Dann veränderten Apples iPhones die Telekommunikation. Zuletzt machte Googles Android Smartphones erschwinglich. Und mit Mozillas Firefox OS sollen Smartphones nun die ganze Welt erobern! Auch wenn in Deutschland fast nur noch Smartphones über den Ladentisch gehen: Für die meisten Bewohner von Schwellen- und Entwicklungsländern sind selbst die günstigsten Android-Geräte meist noch zu teuer.

Mozilla möchte daher mit Firefox OS und verschiedenen Hardwarepartnern zuerst die Menschen ansprechen, die bisher keinen Zugang zu Smartphones hatten. ZTE etwa vertreibt sein ZTE Open mit Firefox OS erfolgreich in Südamerika, auch Alcatel ist mit dem One Touch Fire dort schon länger vertreten. Nun kann man das Firefox-Handy auch ganz offiziell in Deutschland erstehen, exklusiv bei Congstar gibt es das Gerät ab 89 Euro. Wir vergleichen das Alcatel One Touch Fire mit einem der günstigsten Android-Geräte, dem Huawei Ascend Y300.

Mozillas Firefox OS

"Firefox? Das ist doch ein Webbrowser, oder?" mögen Sie fragen, und natürlich haben Sie Recht. Doch die hinter dem Open-Source-Browser stehende Mozilla Foundation arbeitet seit geraumer Zeit mit Firefox OS auch an einem eigenen Betriebssystem für mobile Geräte. Anders als die geschlossenen Systeme Windows Phone und iOS sowie das trotz seiner Linux-Basis gar nicht so freie Android, ist Firefox OS durch und durch Open Source.

Abbildung 1: Auch bei Firefox OS schützt ein Lockscreen vor ungewollter Bedienung des Handys.
Abbildung 1: Auch bei Firefox OS schützt ein Lockscreen vor ungewollter Bedienung des Handys.

Abbildung 2: Die Dialer-App des Firefox-Handys kann alles, was ein Handy können muss.
Abbildung 2: Die Dialer-App des Firefox-Handys kann alles, was ein Handy können muss.

Abbildung 3: Mails, Kontakte und Termine lassen sich aus den Google-Diensten importieren.
Abbildung 3: Mails, Kontakte und Termine lassen sich aus den Google-Diensten importieren.

Das macht das Handysystem besonders für Fans freier Software und für Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom und Telefónica interessant. Denn damit lassen sich Geräte bauen, die frei von jeglicher Gängelung eines großen Konzerns wie Apple, Microsoft oder Google in eigener Regie vertrieben werden können. Eigene App-Stores sind auch ohne Weiteres möglich, und so bleibt ein größeres Stück vom Kuchen beim Netzbetreiber hängen.

OS oder Browser? Beides!

Doch was hat nun ein Browser mit einem Betriebssystem für Handys zu tun? Kern von Firefox OS ist – wie bei Android – ein abgespeckter Linux-Kernel. Auf diesen setzt Mozilla seine sogenannte Web-API auf, die mit Hilfe der HTML-Rendering-Engine Gecko – genauso wie im Firefox-Browser – die Darstellungen von grafischen Elementen auf dem Bildschirm übernimmt. Apps werden daher wie Webseiten mit HTML5, CSS und JavaScript geschrieben. Die Web-API sorgt dafür, dass sich Apps und Hardware verstehen.

Abbildung 4: Der Homescreen von Firefox-Handys ist bis auf die Suchleiste schlicht und leer.
Abbildung 4: Der Homescreen von Firefox-Handys ist bis auf die Suchleiste schlicht und leer.

Abbildung 5: Die Homescreen-Suche zeigt Ihnen passende Webseiten gleich wie Handy-Apps an.
Abbildung 5: Die Homescreen-Suche zeigt Ihnen passende Webseiten gleich wie Handy-Apps an.

Bei Firefox OS sind daher alle auf dem Display sichtbaren Inhalte im Endeffekt nur Webseiten. Doch keine Angst, viele Apps funktionieren auch offline und/oder übertragen nur ihre Daten zwischen Handy und Netz. Viele Firefox-OS-Apps wie Facebook und Twitter sind jedoch nichts anderes als die mit einem Starter versehenen und für mobile Geräte gestalteten Webseiten der Unternehmen. Das macht die Entwicklung von Firefox-OS-Apps sehr schnell und günstig, da das Wichtigste – eine mobile Webseite – meist ohnehin schon existiert.

Abbildung 6: Vom Homescreen ausgehend, gelangen Sie per Wisch nach links in die App-Schublade.
Abbildung 6: Vom Homescreen ausgehend, gelangen Sie per Wisch nach links in die App-Schublade.

Abbildung 7: Für Karten und Navigation greift Firefox auf die HERE-Maps von Nokia zurück.
Abbildung 7: Für Karten und Navigation greift Firefox auf die HERE-Maps von Nokia zurück.

Für die User von Firefox-OS-Handys heißt das, dass sie eigentlich auf nichts verzichten müssen. Es gibt ein Navi auf Basis von Nokias HERE-Maps. Facebook, Twitter, YouTube und Co. finden sich als App direkt in der App-Schublade, und über den Marketplace lassen sich zahlreiche weitere Apps und Spiele nachinstallieren – allzu oft geht der Funktionsumfang dieser Apps jedoch nicht über den der mobilen Webseite hinaus.

Firefox OS vs. Android

Das Alcatel One Touch Fire ist nach dem ZTE Open und dem Geeksphone nicht das erste Firefox-Handy in Deutschland, doch es lässt sich als das erste Firefox-Gerät bezeichnen, das hierzulande ganz offiziell in einer gößeren Stückzahl vertrieben wird. Sie bekommen es derzeit ohne Vertrag für 89 Euro bei Congstar, dem Mobilfunkableger der Deutschen Telekom.

Abbildung 8: Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Firefox-Handy, das in großer Stückzahl in Deutschland vertrieben wird.
Abbildung 8: Das Alcatel One Touch Fire ist das erste Firefox-Handy, das in großer Stückzahl in Deutschland vertrieben wird.

Doch mehr als 100 Euro muss man heutzutage nicht mehr zwingend für ein modernes Android-Smartphone hinblättern. Der gängige Internetpreis eines Huawei Ascend Y300 etwa liegt mit 99 Euro nur 10 Euro über dem des günstigen Alcatel-Geräts. Wir vergleichen deshalb diese beiden Geräte miteinander. Beide Handys sind mit all dem ausgestattet, was ein Smartphone ausmacht, doch was taugen sie im Alltag?

Das Betriebssystem

Firefox OS besitzt gegenüber Android durchaus einige Stärken. So zeichnet sich das System unter anderem durch seine Einfachheit aus. Wer das Alcatel-Handy zum ersten Mal anschaltet, kann praktisch umgehend loslegen. Im Gegensatz zu Android verlangt Firefox OS nicht zwingend einen Account. Diesen benötigen Sie nicht einmal, um Apps aus dem Marketplace zu installieren. Erst, wenn Sie Apps bewerten oder kaufen möchten, müssen Sie sich um einen entsprechenden Account bemühen.

Abbildung 9: Trotz des Suchbegriffs "München" müssen Sie die Stadt in den Apps erneut auswählen.
Abbildung 9: Trotz des Suchbegriffs "München" müssen Sie die Stadt in den Apps erneut auswählen.

Im Gegensatz zu Android bietet der Firefox-Homescreen selber keine Widgets, nur eine Suchleiste. Über diese starten Sie wie beim Browser auf dem PC eine Websuche, die Ihnen jedoch mobile Webseiten wie Apps präsentiert. Tippen Sie auf einen Eintrag, öffnet sich die entsprechende Webseite – oft aber nicht im gewünschten Kontext: In der meinestadt.de-App müssen Sie trotz des Suchbegriffs "München" die gesuchte Stadt noch einmal extra auswählen.

Abbildung 10: Über einen längeren Druck auf den Home-Button wechseln Sie zwischen den aktiven Apps.
Abbildung 10: Über einen längeren Druck auf den Home-Button wechseln Sie zwischen den aktiven Apps.

Ansonsten bedient man das Firefox-Handy ähnlich wie ein iOS- oder Android-Handy. Mit dem Home-Button kommen Sie jederzeit auf den Homescreen zurück oder wechseln, wenn Sie den Knopf etwas länger drücken, zwischen den aktuell aktiven Apps. Aus dieser Ansicht heraus beenden Sie auch laufende Anwendungen, indem Sie diese einfach nach oben aus dem Bild herauswischen. Das Prinzip kennen Sie schon von Android, das dieses Verfahren wiederum von WebOS abgeschaut hat.

Die Handy-Hardware

Vergleicht man die technischen Daten beider Geräte, stellt sich unweigerlich die Frage: Warum soll man sich das Alcatel One Touch Fire kaufen? Die Auflösung des Displays ist von anno dazumal, die Single-Core-CPU langsam, die Speicherausstattung mager, die Kamera eine Katastrophe. Dauernd sucht man beim Arbeiten mit dem Gerät, wo man die Handbremse lösen kann. Ein derartig träges Handy hatten wir schon lange nicht mehr in der Redaktion.

Android- vs. Mozilla-Handy in Zahlen

  Huawei Ascend Y300 Alcatel One Touch Fire
 


Technische Daten
Prozessor 1,0 GHz Dual-Core 1,0 GHz Single-Core
Betriebssystem Android 4.1 + EmUI 1.0 Firefox OS 1.1.0.0
Speicher (intern) 512 MByte RAM, 4 GByte ROM  256 MByte RAM, 512 MByte ROM
Speicher (extern) microSD bis 32 GByte microSD bis 32 GByte
Display 4,0-Zoll, 800 x 480 Pixel 3,5-Zoll, 480 x 320 Pixel
Kamera Hauptkamera 5 MP, Frontkamera 0,3 MP Hauptkamera 3,2 MP
Videoaufnahmen 640 x 480 (0,3 MP) 352 x 288 (0,1 MP)
Akku 1950 mAh 1400 mAh
Abmessungen 124,5 x 63,8 x 11,2 mm 115,0 x 62,3 x 12,2 mm
Gewicht 130 g 108 g
Internetpreis 99 Euro 89 Euro

Fazit

Die 10 Euro Aufpreis für das Ascend Y300 sind gut angelegt. Die Dual-Core-CPU des Android-Geräts bricht zwar keine Rekorde, und das spüren Sie auch, doch im Vergleich zum nur wenig günstigeren Alcatel-Gerät arbeitet das Huawei merklich flüssiger. Dazu ist das Display deutlich schärfer und heller, der MicroSD-Slot noch frei, und die Kamera macht im Rahmen ihrer Möglichkeiten brauchbare Bilder.

Mozilla hat sich keinen Gefallen damit getan, Firefox OS in Deutschland erstmals auf einem Low-Budget-Handy zu präsentieren. Entweder müsste das Alcatel One Touch Fire wirklich billig sein und mit 30 Euro jedes andere Smartphone deutlich im Preis schlagen oder zumindest technisch ebenbürtig sein. Beides ist jedoch nicht der Fall. Das One Touch Fire ist eindeutig schlechter als Ascend Y300 und trotzdem fast genauso teuer. Damit eignet sich das Gerät nicht einmal als Zweithandy.


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