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Acer Liquid E3 Plus E380 im Praxistest

Noch vor wenigen Monaten fielen die meisten Dual-SIM-Smartphones in die Kategorie "praktisch aber hässlich". Nicht so das E3 Plus von Acer: Das Android-Smartphone hebt sich durch das Design positiv von anderen Dual-SIM-Smartphones ab. Unser Test zeigt, ob das Liquid E3 Plus auch in anderen Bereichen zu überzeugen vermag.

Die wichtigste Information für alle, die mit dem Kauf des Acer Liquid E3 Plus liebäugeln (Amazon-Preis aktuell rund 250 Euro), nehmen wir hier gleich vorweg: es gibt zwei Versionen des Smartphones, die sich in puncto RAM und verbautem internern Speicher unterscheiden. Während das Liquid E3 Plus, das wir für diesen Artikel getestet haben, über 16 GByte internen Speicher und 2 GByte RAM verfügt, gibt es auch eine Version ohne "Plus", die bei einigen Onlineshops als E3 Duo und international einfach als E3 angeboten wird. Diese Version verfügt nur über 1 GByte RAM und lediglich 4 GByte internen Speicher. Da der Preisunterschied zwischen den zwei Varianten meistens recht gering ausfällt (20 bis 40 Euro), lohnt es sich für eine langfristige Nutzung auf die Plus-Version mit 2 GByte-RAM und 16 GByte Speicher zu setzen.

Basics und erster Eindruck

Da wir schon die technischen Daten angesprochen haben und sich dazu auf der deutschen Acer-Homepage leider kaum Daten finden, hier noch ein paar Kerndaten: Das Liquid E3 Plus verfügt über eine auf 1,2 GHz getaktete Quad-Core-CPU von MediaTek (MT5689), der ein PowerVR-SGX-544MP-Grafikprozessor zur Seite steht. Die 2 GByte Hauptspeicher und 16 GByte Flash-Speicher (erweiterbar) haben wir bereits erwähnt. Das 4,7 Zoll große IPS-Display löst mit 1280 x 720 Pixeln auf, das entspricht einer Pixeldichte von 320 dpi. Die Hauptkamera des Liquid E3 Plus schießt Fotos in einer maximalen Größe von 13 Megapixeln, die Frontkamera löst mit maximal 2048 x 1152 Bildpunkten auf (2,4 Megapixel). Die Slots für die zwei Micro-SIM-Karten und die MicroSD-Karte befinden sich an der rechten und linken Seite des Gehäuses und lassen sich ohne Spezialwerkzeuge öffnen. Der 2000 mAh große Akku ist hingegen fest verbaut, das Case lässt sich nicht öffnen. Aktuell ist Android 4.2.2 "Jelly Bean" auf dem Smartphone vorinstalliert, Acer hat jedoch bereits angekündigt, dass das Liquid E3 Plus ein Update auf Android 4.4 "KitKat" bekommen soll.

Das Acer Liquid E3 verfügt über zwei Besonderheiten, die nicht jedes Smartphone besitzt (abgesehen vom Dual-SIM-Support):

  • LED-Blitz für die Frontkamera
  • Acer-Rapid-Button auf der Rückseite

Das Handy macht einen sehr guten ersten Eindruck: es sieht schön aus, verfügt über einen angenehmen Formfaktor und präsentiert uns ein sehr flottes Android-4.2-System, das sich in weiten Bereichen kaum von Stock-Android unterscheidet. Das Setup der zwei SIM-Karten klappt auf Anhieb, ein Wechsel des 3G-Modus (nur eine Karte kann jeweils den 3G/HSDPA-Modus benutzen) erfolgt per Software innerhalb weniger Sekunden. Die SIM-Karten zu tauschen ist dazu also nicht notwenig, hingegen sollten Sie den PIN-Code zur Hand haben, um keine böse Überraschung zu erleben. Auf die Dual-SIM-Funktion gehen wir bei diesem Testbericht denn auch nicht weiter ein, weil sie  — wie bei bisher allen getesteten Android-Smarpthones mit zwei SIM-Slots — einfach und auf Anhieb funktioniert. 

Die SIM-Verwaltung ist narrensicher, es kann aber immer nur eine Karte im 3G-Modus sein.
Die SIM-Verwaltung ist narrensicher, es kann aber immer nur eine Karte im 3G-Modus sein.

Der Praxistest

Wir haben das Acer Liquid E3 in den vergangenen acht Tagen ausgiebig getestet. Dabei sind uns leider recht viele negative Aspekte, aber auch ein paar positive Aspekte aufgefallen, die wir hier nicht verheimlichen möchten. Im Vergleich zu anderen Smartphones mit praktisch identischer MediaTek-CPU fällt die Akkulaufzeit des Acer-Smartphones etwas weniger gut aus. Sie kommen mit dem Handy problemlos über den Arbeitstag, wenn Sie nicht andauernd bei Facebook oder Google+ herumhängen, aber für zwei Tage dürfte es in den wenigsten Fällen reichen. Die Laufzeit des E3 Plus kommt selbst im Standby-Modus nicht stark über drei Tage hinaus. Hier hätten wir fünf bis sieben Tage erwartet. Sehr enttäuscht waren wir zunächst vom GPS-Modul. Um die Akkulaufzeit unter hoher Belastung zu testen, spielen wir üblicherweise rund eine Stunde Ingress. Dabei hat sich das Liquid E3 Plus sehr schwer getan, unsere Position richtig zu ermitteln. Während zum Beispiel das Moto G aus einem Kaltstart heraus maximal 1-2 Minuten benötigt, um die exakte Position via GPS zu ermitteln, benötigte das Acer Liquid E3 bis zu zehn Minuten. Wie sich aber recht schnell herausstellte, liegt das daran, dass Acer von Haus aus die Assistenzfunktionen A-GPS und EPO-Assistenz deaktiviert hat. Schalten Sie diese zwei Dienste ein (siehe Kasten), dann erfolgt die Standortermittlung innerhalb weniger Sekunden. Die für die Positionierung via A-GPS erforderlichen Daten lädt sich das Handy dazu aus dem Internet herunter. Beachten Sie diesem Umstand im Urlaub bei Roaming.

Kein GPS? 

Falls auf Ihrem Acer Liquid E3 Plus das GPS nicht richtig zu funktionieren scheint bzw. sehr lange braucht, um Ihren Standort zu ermitteln, dann müssen Sie lediglich in den Einstellungen unter Standortzugriff auf den Eintrag GPS-Satelliten tippen (auf den Text, nicht auf den Slider), und anschließend bei A-GPS die Checkbox setzen. Noch schneller erfolgt die Ortung, wenn auch die Checkbox GPS EPO-Assistenz aktiviert ist.

Damit das GPS brauchbar wird, müssen Sie in den Standorteinstellungen mindestens A-GPS aktivieren.
Damit das GPS brauchbar wird, müssen Sie in den Standorteinstellungen mindestens A-GPS aktivieren.

Ebenfalls beim Ingress-Spielen zeigte sich, dass das Display durchaus etwas mehr Helligkeit vertragen könnte. Kombiniert mit ein paar Fingerabdrücken oder Schlieren auf dem Touchscreen verringert sich die Sichtbarkeit bei Sonnenlicht sonst recht rapide. Dabei drüfte es sich aber um ein Problem bei unserem Testgerät handeln: Andere Nutzer berichten von einem sehr schönen und sehr hellen Display. 

Das Acer Liquid E3 Plus ist ein Handschmeichler und liegt sehr gut in der Hand. Es neigt aber auch — wie das HTC One — stark dazu aus der Hand zu rutschen. Zudem zieht die Rückseite Fingerabdrücke magisch an. Gönnen Sie dem Handy deshalb nach Möglichkeit ein Case. Last but not least hat sich bei unserem Testgerät der Frontlautsprecher als Staubfresser entpuppt. Die rund 2 mm breite Aussparung in schönstem Rot gibt dem Handy zwar einen ganz besonderen Touch, füllt sich aber nach kurzer Zeit bereits mit allen möglichen Dingen. 

Nun zu den positiven Aspekten. Dazu zählt neben dem sehr schönen Design und der guten Verarbeitung des Smartphones das Android-System. Es lehnt sich stark an Stock-Android 4.2 an, Acer hat aber eine Handvoll sehr nützliche Zusätze eingebaut und etwas Farbe in die Einstellungen gebracht. So lassen sich zum Beispiel Benachrichtigungen aus der Notification Bar heraus stummschalten. Das ist besonders dann praktisch, wenn die App selbst ein solches Feature nicht bietet und erspart bei Apps, die das von Haus aus können, den Gang in die Einstellungen. Einfach die Benachrichtigungsleiste herunterziehen, auf das durchgestrichene Glockensymbol tippen und auswählen, ob die Benachrichtigungen für 1 Stunde, 1 Tag oder immer ausgeschaltet werden sollen.

Jede einzelne Benachrichtigung lässt sich für 1 Stunde, 24 Stunden oder permanent ausschalten.
Jede einzelne Benachrichtigung lässt sich für 1 Stunde, 24 Stunden oder permanent ausschalten.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat uns die Multitasking-Ansicht. Hier finden Sie nicht nur eine Übersicht aller gestarteten Apps, sondern am unteren Rand eine zusätzliche Toolbar, um schnell eine Notiz zu erstellen oder den Taschenrechner zu starten. Diese kleine Leiste (Float-Schaltfläche) lässt sich auch permanent am Displayrand anpinnen. Nutzer, die viele Apps installieren, dürften sich über die Möglichkeit freuen, die MicroSD-Karte als Standardspeicher einzurichten. Dann lädt das System Apps automatisch auf die SD-Karte herunter. Ebenfalls über die Einstellungen legen Sie fest, wie das System den Button auf der Geräterückseite einsetzen soll. In der Grundeinstellung startet bei einem kurzen Antippen Google Play Music, halten Sie den Button länger gedrückt, öffnet sich die Kamera-App. Hier lässt sich der Button wiederum als Auslöser nutzen, was allerdings nur bei Selfies wirklich sinnvoll ist, weil Sie sonst mit ziemlicher Sicherheit Teile des Objektivs verdecken. Für Selfies ist der Acer Rapid Button aber Gold wert.

Das für uns genialste Feature ist Acer Quick Touch. Damit lässt sich das Handy bei ausgeschaltetem Display über Gesten steuern. Zeichnen Sie zum Beispiel ein "Z", dann startet der Musikplayer und Sie können per Wischgeste nach rechts und nach links zum nächsten Lied bzw. zurück springen. Einzig die Pausefunktion haben wir vermisst. Kombiniert mit dem "I" als Geste für das Entsperren des Displays, lässt sich das Handy so recht gut bedienen, ohne es in die Hand nehmen zu müssen.

Die Rückseite des Acer Liquid E3 Plus mit dem AcerRAPID-Button rechts der Kamera.
Die Rückseite des Acer Liquid E3 Plus mit dem AcerRAPID-Button rechts der Kamera.

Acer hat dem Liquid E3 Plus ein knappes Dutzend Apps spendiert, die sich zwar deaktivieren, aber nicht deinstallieren lassen. Bei 16 GByte internem Speicher lässt sich das verschmerzen, bei der 4-GByte-Version schon weniger. Mit den vorinstallierten Acer-Apps lassen sich viele Google-Funktionen ersetzen. Zum Beispiel sichert Acer Foto Ihre Bilder auf Wunsch automatisch in der Acer-Cloud und Acer Print bietet sich als Cloud-Printing-Lösung an, findet aber auch Drucker im eigenen WLAN ohne Cloud-Anbindung. Als Tastatur-App ist Swype vorinstalliert, Sie können aber auch zur klassischen Android-Tastatur wechseln.

Eine ganz spezielle App bietet das E3 Plus mit Acer SnapNote: damit lassen sich Bilder zu PDF-Dokumenten oder PowerPoint-Präsentationen konvertieren inklusive Bearbeitungsmöglichkeit und Beamerfunktion. So können Sie zum Beispiel eine gedruckte Präsentation abfotografieren und im Nu daraus wieder eine PPS-Datei erstellen oder aus den Urlaubsfotos eine Diashow zaubern. Wer zwei Acer-Geräte besitzt, wird sich auch über die App LiveScreen freuen. Damit lassen sich Bildschirminhalte bzw. Notizen live auf ein anderes Acer-Gerät übertragen – auch via 3G. Diese App dient also nicht nur dazu, um zum Beispiel Fotos auf einen größeren Monitor zu beamen, sondern lässt sich auch dazu nutzen, um dem Opa dabei zu helfen, die Einstellungen wieder zurückzusetzen.

Mit Acer SnapNote stellen Sie Fotos zu PDF-Dokumenten oder PowerPoint-Präsentationen zusammen.
Mit Acer SnapNote stellen Sie Fotos zu PDF-Dokumenten oder PowerPoint-Präsentationen zusammen.

A propos Opa: Acer bietet neben dem klassischen Android-Modus gleich fünf weitere Nutzermodi an, angefangen beim Kinder- und Seniorenmodus über einen speziellen Anrufmodus mit permanentem Nummerblock bis hin zum Kachelmodus im Windows-Phone-Stil.

Einer von fünf vereinfachten Modi von Acer für Android. Dieser Modus ist für Nutzer gedacht, die das Handy mehr als Featurephone einsetzen.
Einer von fünf vereinfachten Modi von Acer für Android. Dieser Modus ist für Nutzer gedacht, die das Handy mehr als Featurephone einsetzen.

Multimedia

Acer hat dem Liquid E3 Plus einen Frontlautsprecher spendiert. Dieser sorgt für einen recht guten Klang, vor allem wenn auch Dolby Digital aktiviert ist. Über den Kopfhörerausgang waren wir mit dem Sound ohne DTS-Support zufrieden, mit aktiviertem DTS Studio Sound ist uns die Musik viel zu basslastig.

Der Frontlautsprecher sieht zwar klasse aus, die Vertiefung zieht aber auch Staub und Krümel magisch an.
Der Frontlautsprecher sieht zwar klasse aus, die Vertiefung zieht aber auch Staub und Krümel magisch an.

Die 13-Megapixel-Kamera des Acer Liquid E3 Plus macht gute, aber keine überragende Fotos. Der Autofokus arbeitet recht schnell, bei 100-prozentiger Vergrößerung zeigt sich aber selbst bei relativ guten Lichtverhältnissen bereits ein Bildrauschen. Das Objektiv steht knapp 2 mm heraus (das Smartphone liegt auf dem Objektiv), was bei der Nutzung ohne Schutzhülle dazu führen kann, dass die Linse etwas verkratzt. Dafür ist es einfacher, die Öffnung zu reinigen. Die Frontkamera besitzt ebenfalls nur Mittelmaß, schlägt sich dank Blitz aber besser als die Konkurrenz, wenn es um Aufnahmen mit wenig Licht geht. Einen gute Eindruck hinterließ das Acer Liquid E3 bei unseren Spieletests. Die Grafik weiß zu gefallen.

Die Akkuleistung reicht auch unter Last problemlos für einen Arbeitstag aus, zwei komplette Tage liegen aber nicht drin.
Die Akkuleistung reicht auch unter Last problemlos für einen Arbeitstag aus, zwei komplette Tage liegen aber nicht drin.

Fazit

In der Kategorie Dual-SIM-Smartphone mit 4,7-Zoll-Display für 250 Euro muss sich das Acer Liquid E3 Plus mit einigen deutlich günstigeren Handys von Wiko und ein paar teureren von Huawei messen. Zum Preis von 250 Euro bekommen Sie aber in keinem Fall ein besseres Dual-SIM-Smartphone, das über 2 GByte RAM und 16 GByte Flash-Speicher verfügt. Wenn Sie also in erster Linie ein Smartphone zum arbeiten und telefonieren und nicht ein Kamerahandy oder ein Dual-SIM-Smartphone mit besonders langer Akkulaufzeit suchen, dann ist das Liquid E3 Plus von Acer genau das richtige Smartphone für Sie. Denn mit 2 GByte RAM und 16 GByte Speicher bleibt die Performance des Handys auch nach Monaten noch so gut wie aktuell bei unserem Testgerät. Und wenn das Liquid E3 wie angekündigt ein Update auf Android 4.4 "KitKat" bekommt, dann werden Sie am Gerät lange Freude haben. Unser Tipp aufgrund der Schwankungen bei der Display-Qualität: suchen Sie sich das Handy im stationären Handel aus und vergleichen Sie dort die Displays mit anderen Geräten bzw. untereinander und kaufen Sie das Acer Liquid E3 Plus mit dem besten Display. 

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