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Video- und Audioformate für Android erklärt

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Sie haben einen interessanten Podcast aus dem Internet heruntergeladen und möchten ihn nur zu gerne während der Zugfahrt auf seinem Smartphone anhören ? wäre der jedoch nicht so verdammt wählerisch.

Ob Android eine bestimmte Datei abspielt, lässt sich nicht einfach mit einem Ja oder Nein beantworten und hängt obendrein noch vom Hersteller ab. Dieser Artikel vermittelt Ihnen die Grundlagen zu Audio- und Video-Codecs und hilft bei der Fehlerbehebung.

Video- und Tonaufnahmen sind wahre Speicherplatzfresser. Damit sie dennoch bequem in ein kleines Android-Gerät hineinpassen, dampft man sie mit ausgeklügelten mathematischen Verfahren ein. Im Idealfall schrumpft dabei ihr Speicherplatzbedarf um ein Vielfaches, ohne dass die Bild- und Tonqualität darunter leidet. Bekanntestes Kompressionsverfahren im Audiobereich dürfte MP3 sein, bei Videos kommt derzeit besonders gerne MPEG4 zum Einsatz. Kryptisch klingende Begriffe sind übrigens in der Audio- und Videowelt Trumpf – vermutlich um die Verwirrung bei den Konsumenten zu erhöhen.

Containerhafen

Das geschrumpfte Video- und Audiomaterial wandert schließlich noch in Dateien mit so einschlägig bekannten Endungen wie .3gp oder .avi. Diese Dateiformate sind folglich nur Container für die eigentlichen Video- und Audiodaten. Übergibt man dem Mediaplayer eine Videodatei, öffnet er diese, holt die Videodaten heraus, wandelt sie wieder in sichtbare Bilder und zeigt sie auf dem Schirm an. Den Teil der App, der die komprimierten Daten wieder zurück in ein Video beziehungsweise hörbare Töne verwandelt, bezeichnet man übrigens als Codec. Das Akronym steht für COdierer / DEcodierer. Verwirrenderweise hat es sich eingebürgert, auch das Kompressionsverfahren selbst als Codec zu bezeichnen.

Möchte man herausfinden, ob das eigene Smartphone eine heruntergeladene Datei abspielen kann, darf man folglich nicht nur auf die Dateiendung schielen. Man muss auch wissen, mit welchem Verfahren die darin enthaltenen Video- und Audiodateien komprimiert wurden. Ohne weitere Informationen gestaltet sich das mitunter als recht schwierig: .avi-Dateien dürfen beispielsweise Videos in allen möglichen Kompressionsverfahren enthalten. Im Internet tragen sie häufig mit DivX komprimiertes Material – verlassen kann man sich darauf jedoch nicht. Demgegenüber speichern .3gp-Dateien ausschließlich via MPEG4 oder H.263 kleingepresste Videos. Sie beherbergen auf Wunsch aber auch nur Ton – vorausgesetzt er wurde mit AMR oder AAC komprimiert. Es kann also vorkommen, dass in .3gp-Dateien mal ein Video, mal ein Musikstück und dann wieder ein Podcast lauert. Etwas weniger bekannt ist das Matroska-Format, entsprechende Dateien besitzen die Endung .mkv. Es ist ähnlich universell wie .avi, enthält aber meistens mit VP8 komprimierte Videos beziehungsweise mit Ogg Vorbis eingedampfte Töne. Sie sind auch die bevorzugten Inhalte des noch relativ jungen und von Google entwickelten Containerformats WebM. Diese ziemlich verwirrende Formatvielfalt ist vor allem politischen Interessen verschiedener Computerfirmen sowie unterschiedlichen Anforderungen geschuldet: Auf dem PC kann man verschwenderischer mit dem Platz umgehen, als auf einem kleinen Smartphone.

Sympathisant

Ein Android-Gerät schluckt deshalb auch nicht beliebige Dateiformate und Kompressionsverfahren, sondern beschränkt sich auf eine kleine sinnvolle Auswahl. Grundsätzlich kann es Videodateien mit der Endung .3gp, .mp4, .webm und .mkv-Dateien abspielen – vorausgesetzt, die darin liegenden Filme wurden mit H.263, MPEG-4 oder H.264 AVC (im sogenannten Baseline Profil) komprimiert. Ab Android 2.3.3 ist auch VP8 erlaubt. Tabelle 1 fasst noch einmal alle unterstützten Formate und erlaubte Kombinationen übersichtlich zusammen.

Tabelle 1

Von Android unterstützte Videoformate

Dateiformat/-Endung Erlaubte Kompressionsverfahren/Inhalte Anmerkung
.3gp H.263, H.264 AVC, MPEG-4
.mp4 H.263, H.264 AVC
.webm VP8 ab Android 2.3.3
.mkv VP8 ab Android 2.3.3
.ts H.264 AVC mit AAC-Ton ab Android 3.0

Audiodateien frisst Android von Haus aus in den Geschmacksrichtungen .wav, .3gp, .mp4, .ogg, .mkv, und .flac. Die jeweils erlaubten Inhalte verrät Tabelle 2. Zusätzlich kann Android noch MIDI-Dateien mit der Endung .mid wiedergeben. Solche Dateien enthalten keine Töne, sondern MIDI-Daten, also die Noten eines Musikstücks [1]. Das Smartphone spielt diese dann mit einem simulierten beziehungsweise synthetischen Orchester.

Tabelle 2

Von Android unterstützte Audioformate

Dateiformat/-Endung Erlaubte Kompressionsverfahren/Inhalte Anmerkung
.3gp AAC, AMR-WB, AMR-NB
.wav unkomprimierte Daten
.ogg Ogg Vorbis
.mkv Ogg Vorbis ab Android 2.3.3
.mp3 MP3
.mp4 AAC
.aac AAC ab Android 3.1
.ts AAC ab Android 3.1
.flac FLAC ab Android 3.1
.mid MIDI

Auch wenn es auf den ersten Blick anders wirkt, ist dieses Angebot alles andere als reichhaltig. Einige Hersteller bringen ihren Geräten deshalb weitere Codecs und Dateiformate bei. So können beispielsweise die beliebten Smartphones HTC Sensation und HTC Desire neben .wma und .wmv-Dateien mit Windows Media 9 Inhalten auch .avi– und .xvid-Dateien mit MPEG4-Video wiedergeben. Das HTC Wildfire hingegen schluckt zusätzlich nur .wma-Dateien mit in Windows Media 9 komprimiertem Tonmaterial. Es gibt folglich nicht nur zwischen den Herstellern, sondern auch zwischen den einzelnen Modellen große Unterschiede. Welche Formate ein Gerät abspielen kann, verrät meist nur das irgendwo auf der Herstellerseite versteckte Kleingedruckte. Wie bei HTC muss man sich erst zu dem entsprechenden Modell durchhangeln und dann seine Technischen Daten aufrufen. Dort findet man dann wiederum irgendwo die Unterstützten Videoformate. Noch detailliertere Informationen stehen in den Handbüchern, die die meisten Hersteller kostenlos zum Download anbieten. Schweigt sich der Hersteller komplett aus, wie etwa Sony Ericsson, kann man auch einen Online-Shop konsultieren. Diese drucken manchmal die unterstützten Wiedergabeformate in einer Detailansicht ab (Abbildung 1). Allerdings sollte man dabei im Hinterkopf behalten, dass die Angaben dort nicht unbedingt stimmen müssen. Als Faustregel gilt jedoch: Je hochwertiger das Gerät – desto mehr Video- und Audioformate spielt es ab.

Abbildung 1: Wenn der Geräte-Hersteller keine Angaben über Audio- und Videoformate liefert, hilft vielleicht ein Online-Shop wie Atelco weiter.
Abbildung 1: Wenn der Geräte-Hersteller keine Angaben über Audio- und Videoformate liefert, hilft vielleicht ein Online-Shop wie Atelco weiter.

Einen Einblick in das eigene Smartphone gewährt die App CodecList [2]. Sie listen schlicht alle Video- und Audioformate auf, die das eigene Smartphone wiedergeben kann – wenn sie nicht wie auf allen unseren Testgeräten direkt nach dem Start abstürzen würde. Laut den Erfahrungsberichten im Android Market soll sie aber zumindest auf einem Sony Ericsson X8 laufen.

Spielkameraden

Ignoriert das eigene Android-Gerät eine vorliegende Datei, springen entsprechende Player-Apps ein. Sie spielen selbst exotische und seltene Formate ab. Für einige dieser Apps stehen im Market noch verschiedene Codec-Pakete bereit. Ein Beispiel ist der MX Video Player [3]. Normalerweise muss man diese Pakete nicht herunterladen (Abbildung 2). Entgegen ihrem Namen rüsten sie keine neuen Codecs nach, sondern verbessern lediglich die Wiedergabe auf einem ganz bestimmten Gerät – genauer gesagt, ersetzen sie die vom Player mitgebrachten Codecs durch optimierte Varianten. Der Videoplayer entscheidet für gewöhnlich selbst, ob er diese Erweiterungen braucht, und bietet sie bei dann automatisch zur Installation an.

Abbildung 2: Zu einigen Mediaplayern wie dem MX Video Player gibt es mehrere Erweiterungspakete. Installieren muss man jedoch nur die eigentliche App, in diesem Fall also den MX Video Player.
Abbildung 2: Zu einigen Mediaplayern wie dem MX Video Player gibt es mehrere Erweiterungspakete. Installieren muss man jedoch nur die eigentliche App, in diesem Fall also den MX Video Player.

Einige Kompressionsverfahren sind so komplex, dass sie beim Abspielen dem kleinen Smartphone oder Tablet-PC eine Menge Rechenleistung abverlangen. Ist das Gerät zu langsam, kommt es zu störenden Rucklern oder Tonaussetzern. Einige Hersteller integrieren in ihre Geräte deshalb spezielle Chips, die sich nur um das Abspielen bestimmter Video- und Audioformate kümmern. Diese Hilfe sorgt nicht nur für flüssige Bilder, sondern schont im Idealfall auch noch den Akku – schließlich kann sich derweil der Rest des Smartphones schlafen legen. Läuft ein Video über einen solchen Chip, spricht man vom Hardware-Decoding, häufig abgekürzt mit H/W-Decoding. Muss hingegen Android selbst aus den Inhalten einer Videodatei das Bild rekonstruieren, spricht man vom Software-Decoding (S/W Decoding). In einigen Mediaplayern, wie dem bereits angesprochenen MX Video Player, kann man die Methode selbst vorgeben (Abbildung 3). Das ist besonders dann nützlich, wenn die Hardware-Decodierung merkwürdige Ergebnisse produziert oder umgekehrt die Software-Decodierung zu langsam abläuft.

Abbildung 3: In den Einstellungen einige Mediaplayer, wie hier dem MX Video Player, kann man zwischen Hardware- und Softwaredekodierung umschalten.
Abbildung 3: In den Einstellungen einige Mediaplayer, wie hier dem MX Video Player, kann man zwischen Hardware- und Softwaredekodierung umschalten.

Abbildung 4: Mit einem Tipp auf das HW- beziehungsweise SW-Symbol rechts oben in der Ecke, lässt sich im MX Video Player schnell zwischen Software- und Hardware-Decoder umschalten.
Abbildung 4: Mit einem Tipp auf das HW- beziehungsweise SW-Symbol rechts oben in der Ecke, lässt sich im MX Video Player schnell zwischen Software- und Hardware-Decoder umschalten.

Mangelware

Möchte man ein selbstgedrehtes Urlaubsvideo an seine Bekannten verschicken, sollte es natürlich auf möglichst allen Geräten laufen. Sofern man das Video nicht mit seinem eigenen Androiden gedreht hat, sollte man es daher vor dem Versand mit einem entsprechenden (Windows-)Programm aufbereiten. Die meisten modernen Videoschnittprogramme und Videokonverter bieten genau für diesen Zweck vorgefertigte Profile beziehungsweise Assistenten. Wer das beliebte Brennprogramm NERO auf der Platte hat, kann beispielsweise auf das mitgelieferte NERO Recode zurückgreifen. Bei der Ausgabe des fertigen Films muss man nur noch als Ziel 3GPP, Android oder im Fall von NERO Recode 11 Mobile devices wählen (Abbildung 5). Gibt es keine solchen Vorgaben beziehungsweise verlangt das Videoschnittprogramm umfangreichere Einstellungen, sollte man sich an den Empfehlungen von Google orientieren [4]. Die Einstellungen für ein Video in niedriger und Standardauflösung verrät Tabelle 3. Eine niedrige Qualität sollte man immer dann wählen, wenn man das Video über das Mobiltelefon versenden will oder besonders sparsam mit dem Speicherplatz umgehen muss – beispielsweise wenn die Oma nur ein einfaches Smartphone besitzt. Verpacken sollte man das Ergebnis für bestmögliche Kompatibilität in eine .3gp-Datei (beieinigen Videoschnittprogrammen als 3GPP geführt).

Abbildung 5: Konverter wie hier NERO Recode 11 bringen beliebige Videos in ein für Android passendes Format.
Abbildung 5: Konverter wie hier NERO Recode 11 bringen beliebige Videos in ein für Android passendes Format.

Tabelle 3

Ausgabeeinstellungen

  Standardqualität Niedrige Qualität
Video-Codec H.264 (Baseline Profil) H.264 (Baseline Profil)
Auflösung 480 mal 360 Bildpunkte (Pixel) 176 mal 144 Punkte
Framerate 30 FPS 12 FPS
Videobitrate 500 Kbps 56 Kbps
Audio-Codec AAC-LC AAC-LC
Kanäle Stereo Mono
Audiobitrate 128 Kbps 24 Kbps
Dateiformat .3gp .3gp

Fazit

Im Dschungel aus Codecs und Dateiformaten den Überblick zu behalten fällt selbst Experten schwer. Als Faustregel für den Alltag gilt: Dateien mit der Endung .3gp und .mp3 spielen praktisch alle Android-Geräte ab. Viele schlucken auch .wma und für Smartphones aufbereitete .wmv-Dateien. Für alle anderen Formate benötigen Sie einen zusätzlichen Player. Wir stellen die besten auf den folgenden Seiten vor.