Start Magazin SoftMaker Office für Android im Test

SoftMaker Office für Android im Test

382
0
Teilen

Voraussichtlich im März veröffentlicht SoftMaker sein Office-Paket für Android. Wir konnten bereits Vorabversionen von Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm einem ersten Test unterziehen. Begleitet war er von Flüchen und staunenden Gesichtern.

Auf PCs und Notebooks steht SoftMaker Office im Schatten des übermächtigen Microsoft Office. Dabei bietet es einen ähnlichen Leistungsumfang, geht wesentlich flinker zu Werke und ist obendrein günstiger [1]. Der deutsche Entwickler versucht deshalb auch zunehmend andere Systeme zu erobern. Nachdem es die Büroanwendungen schon länger für Windows Mobile und Windows CE gibt [2], wagt SoftMaker jetzt den Sprung auf Android-Geräte.

Dreierbande

SoftMaker Office besteht aus der Textverarbeitung TextMaker, der Tabellenkalkulation PlanMaker und dem Präsentationsprogramm SoftMaker Presentations. Alle drei Apps können Microsoft Office Dokumente öffnen und speichern. Auf Wunsch erzeugen sie mit zwei Fingertipps PDF-Dokumente oder exportieren in zahlreiche weitere Formate. Dateien darf man nicht nur auf dem Smartphone speichern, sondern auch im Speicherdienst Dropbox ablegen [3]. Bei der Installation möchten die Apps Schreib- und Lesezugriff auf die Speicherkarte, die E-Mails nebst Anhängen einsehen und uneingeschränkt ins Internet gehen dürfen. Letzteres ermöglicht den Zugriff auf Dropbox und die "Überprüfung der Market-Lizenz".

TextMaker, PlanMaker und SoftMaker Presentations nutzen die auf dem Android-Gerät installierten Schriften. Da unsere Testversionen selbst keine weiteren Schriftarten mitbrachten, fehlten somit insbesondere die üblichen Verdächtigen wie Times New Roman und Arial. Nutzt ein importiertes Dokument eine solche Schrift, ersetzen sie alle Apps gegen irgendeine möglichst ähnliche. Folglich sieht das Dokument auf dem Droiden etwas anders aus, als am PC. Seiten- und Spaltenumbrüche blieben jedoch erstaunlicherweise gut erhalten. Das betrifft wohlgemerkt nur die Anzeige auf dem Smartphone, das Dokument selbst nutzt weiterhin die ursprünglichen Schriftarten. Wer damit dennoch nicht leben kann, muss eigene Schriftarten nachinstallieren. Dazu schiebt man sie einfach auf den Droiden in ein beliebiges Verzeichnis und gibt dann dieses den Apps in ihren Einstellungen bekannt.

Der Start einer SoftMaker-App erfordert etwas Geduld. Etwa fünf Sekunden brauchten unsere Vorabversionen im Schnitt. Diese Zeiten können sich allerdings bis zum Verkaufsstart noch ändern. Während die Windows-Versionen von TextMaker und Co einen großen Bildschirm mit Symbolen und Menüleisten zukleistern können, müssen die Apps unter Android mit kleinen Bildschirmen und ohne Maus auskommen. Mit diesen Limitierungen gehen die drei Apps recht unterschiedlich um.

TextMaker

Nach dem Start der Textverarbeitung sitzt man vor einem weißen Bildschirm, auf dem einsam eine Einfügemarke blinkt (Abbildung 1). Am unteren Rand schlängeln sich ein paar Symbole, über die man schnell alle wichtigen Funktionen erreicht. Welche das sind, müssen Neulinge mangels Beschriftung erst einmal erraten. Alternativ erreicht man sämtliche Aktionen auch über den Menüknopf am Androiden.

Abbildung 1: TextMaker startet mit einer übersichtlichen Benutzeroberfläche.
Abbildung 1: TextMaker startet mit einer übersichtlichen Benutzeroberfläche.

Um Texte einzutippen, holt man über das entsprechende Symbol die Bildschirmtastatur hervor (Abbildungen 2 und 3). Um längere Texte zu tippen, legt man das Gerät normalerweise quer. Dann hat man zwar die vollständige Schreibmaschinentastatur, die weiße Seite war auf unserem Testgerät dann jedoch von ihr komplett verdeckt. Wir mussten folglich unsere Texte blind oder quälend langsam im Hochkant-Modus über die Handy-Tastatur eintippen. Um die Eingabe zu erleichtern, kann TextMaker automatisch einige typische Tippfehler korrigieren, wie etwa ZWei GRoßbuchstaben am Wortanfang zurechtrücken. Grundsätzlich vermisst man aber schon ab zwei Sätzen eine echte Tastatur, Diplomarbeiten möchte man so nicht schreiben. In unserer Testversion konnten wir zudem keinen Zeilenumbruch erzeugen, ein Tipp auf die entsprechende Taste blieb wirkungslos.

Abbildung 2: Während man bei der kleinen Tastatur zumindest noch etwas vom Text lesen kann, ?
Abbildung 2: Während man bei der kleinen Tastatur zumindest noch etwas vom Text lesen kann, ?

Abbildung 3: ? verdeckt die große Tastatur den kompletten Schirm.
Abbildung 3: ? verdeckt die große Tastatur den kompletten Schirm.

Je nachdem welche Funktion man in der Symbolleiste aktiviert hat, klappt direkt darüber eine zweite Leiste mit den eigentlichen Funktionen auf. Wählt man beispielsweise das dritte Symbol von links, erhält man in der neuen Leiste alle Aktionen zum Ausschneiden, Kopieren und Einfügen von Text (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Markieren einer Textpassage funktioniert in allen Apps genau so wie in den anderen Eingabefeldern von Android.
Abbildung 4: Das Markieren einer Textpassage funktioniert in allen Apps genau so wie in den anderen Eingabefeldern von Android.

Dem Text selbst darf man eine andere Schriftart verpassen, ihn einfärben und einen neuen Schriftschnitt wählen. Schriftgrößen gibt es nur in 18 fest vorgegebenen Stufen, spätestens bei 72 Punkt ist Schluss. Um das Ergebnis zu begutachten, wechselt man in eine Seitenansicht. Sie zeigt die Seite so an, wie man es aus der Textverarbeitung an einem großen PC gewohnt ist (Abbildung 5). Auch wenn man mit den bekannten Fingergesten in sie hinein- und herauszoomen kann, eignet sie sich insbesondere auf kleinen Schirmen nur für einen ersten Überblick. Texte dort zu editieren ist ziemlich mühsam und erfordert wahlweise eine Lupe oder häufiges hin- und hergewische. Ansonsten kann die TextMaker-App noch nummerierte und nichtnummerierte Aufzählungen erzeugen, die Textausrichtung ändern (linksbündig, rechtsbündig, Blocksatz), Texte suchen und ersetzen, Einzüge und Tabulatoren festlegen, sowie Kommentare und einfache Tabellen einfügen – viel mehr geht nicht.

Abbildung 5: Die Apps aus SoftMaker Office importieren klaglos auch größere Dokumente mit Bildern. Dann sollte das Smartphone allerdings möglichst leistungsfähig sein.
Abbildung 5: Die Apps aus SoftMaker Office importieren klaglos auch größere Dokumente mit Bildern. Dann sollte das Smartphone allerdings möglichst leistungsfähig sein.

Der Import von Word-Dokumenten funktioniert reibungslos. Selbst komplexe Layouts behält TextMaker bei (Abbildung 5). Erstaunlicherweise leistet die Textverarbeitung sogar Dinge, die sie selbst eigentlich gar nicht beherrscht. So sind jetzt plötzlich auch Fußnoten oder Kopf- und Fußzeilen möglich. Dynamische Elemente, wie etwa ein automatisch generiertes Inhaltsverzeichnis, zeigt TextMaker auf dem Android-Gerät als normalen Text an, im Dokument bleibt es jedoch vollständig erhalten.

PlanMaker

Auch die Tabellenkalkulation PlanMaker gibt sich nach dem Start aufgeräumt (Abbildung 6). Am unteren Rand schlängelt sich wieder eine Leiste mit den wichtigsten Funktionen, den Hauptbereich nimmt die Tabelle ein, während am oberen Rand ein Eingabefeld wartet. Per Wischgeste fährt man über das Rechenblatt. Bei der Eingabe von Werten steht man vor dem gleichen Problem wie in TextMaker: Man sieht die Zellen vor lauter Tastatur nicht. Braucht man nur die Ziffern, reicht immerhin die kleine Handy-Tastatur im Hochkantmodus – auch wenn man dann die Umgebung der aktuellen Zelle schlechter im Blick hat.

Abbildung 6: In der Tabellenkalkulation PlanMaker bleibt die Eingabe trotz der eingeblendeten Tastatur komofortabel und einigermaßen übersichtlich.
Abbildung 6: In der Tabellenkalkulation PlanMaker bleibt die Eingabe trotz der eingeblendeten Tastatur komofortabel und einigermaßen übersichtlich.

Abbildung 7: Über diesen Assistenten bastelt man sich eine Formel zusammen. Dabei gilt die Regel: Je komplexer die Formel, desto fummeliger ihre Erstellung.
Abbildung 7: Über diesen Assistenten bastelt man sich eine Formel zusammen. Dabei gilt die Regel: Je komplexer die Formel, desto fummeliger ihre Erstellung.

Abbildung 8: Das Zahlenformat weist man recht bequem zu, indem man zunächst eine Kategorie auswählt (wie etwa Währung oder Datum) und dann am genauen Aussehen feilt.
Abbildung 8: Das Zahlenformat weist man recht bequem zu, indem man zunächst eine Kategorie auswählt (wie etwa Währung oder Datum) und dann am genauen Aussehen feilt.

PlanMaker kann mehrere Tabellen in einem Dokument verwalten. Einzelne Zellen lassen sich optisch aufhübschen, indem man ihnen eine Umrandung sowie eine Hintergrundfarbe verpasst. Die Umrandung ist grundsätzlich immer schwarz, die Auswahl an möglichen Hintergrundfarben gibt PlanMaker fest vor. Zeilen und Spalten darf man in ihrer Höhe und Breite anpassen, sowie bei Bedarf verstecken. Komplexere Formeln tippt man komfortabel über einen Assistenten zusammen (Abbildung 7). Die Anzahl der dabei angebotenen Funktionen kann sich mit dem der großen Tabellenkalkulationen auf dem PC messen. Diagramme durften wir in unserer Testversion zwar nicht erzeugen, beim Import einer Excel-Datei blieben diese aber in vollem Umfang erhalten (Abbildung 9).

Abbildung 9: PlanMaker zeigt sogar 3D-Diagramme in importierten Excel-Dokumenten an.
Abbildung 9: PlanMaker zeigt sogar 3D-Diagramme in importierten Excel-Dokumenten an.

SoftMaker Presentations

Das Präsentationsprogramm meldet sich mit der ersten Folie einer neuen Präsentation. Folienmaster kennt Presentations zwar nicht, dafür aber Seitenvorlagen (Layouts), die man einer Folie überstülpt. Man muss dann nur noch die entsprechenden Bereiche antippen und seinen Text hinterlassen. Bei Bedarf verschiebt man Textkästen mit dem Finger an ihre richtige Position oder verändert ihre Größe über kleine Kästchen an ihren Rahmen (Abbildung 11). Was bei richtigen Präsentationsprogrammen auf einem PC mit der Maus flott von der Hand geht, ist hier auf kleinen Bildschirm allerdings extrem fummelig. Selbst mit zarten Händen fühlt es sich bei der Arbeit an, als hätte man überdicke Wurstfinger. Wohl dem, der ein Tablet besitzt. Richtig eng wird es, sobald man die Miniaturübersicht einschaltet. Presentations reiht dann wie in Abbildung 10 in einer Leiste an einem der Bildschirmränder Miniaturansichten aller Folien auf. Glücklicherweise gibt es noch eine separate Folienübersicht sowie die aus PowerPoint und Co bekannten Notiz- und Gliederungsansichten. Überblendungen zwischen den Folien sind nicht möglich. Wenn sie allerdings in importierten (PowerPoint-)Präsentationen enthaltenen sind, spielt sie Presentations kurioserweise doch ab. Viele komplexere Exemplare ersetzt die App dabei aber automatisch durch schlichtere Varianten.

Abbildung 10: Wie hier gut zu sehen, verlangt das Präsentationsprogramm nach einem möglichst großen Bildschirm.
Abbildung 10: Wie hier gut zu sehen, verlangt das Präsentationsprogramm nach einem möglichst großen Bildschirm.

Abbildung 11: Über die Punkte vergrößert und verkleinert man den Kasten - vorausgesetzt man hat möglichst kleine Finger.
Abbildung 11: Über die Punkte vergrößert und verkleinert man den Kasten – vorausgesetzt man hat möglichst kleine Finger.

Fazit

SoftMaker Office zeigt die Grenzen von Smartphones auf. Für ein einigermaßen flüssiges Arbeiten sind größere Bildschirme Pflicht, Spaß macht die Arbeit erst auf Tablets. Auf kleineren Geräten muss man nicht nur die Texte und Zahlen blind eintippen, die Bedienung ist auch äußerst fummelig und nervenzehrend.

Gegenüber ihren Windows-Brüdern besitzen alle Apps einen arg beschnittenen Funktionsumfang. TextMaker bietet beispielsweise kaum mehr als WordPad unter Windows. Begeistern konnte hingegen der Import von Word-, Excel-, und PowerPoint-Dokumenten. Lediglich bei großen Dokumenten gingen die Apps spürbar in die Knie.

Hier liegt denn auch die Stärke des Office-Pakets: Wer unterwegs ein bestehendes Dokument nachbearbeiten oder sichten muss, der findet in TextMaker, PlanMaker und Presentations die richtigen Begleiter. Auch Ideen, kurze Berechnungen und der schnelle Entwurf einer Präsentation sind möglich – ganze Aufsätze, den Monatsgewinn oder eine wichtige Präsentation möchte man mit ihnen – auf dem Smartphone – hingegen nicht erstellen.

Abbildung 12: In unserer Vorabversion kam es insbesondere unter Presentations häufiger zu Darstellungsfehlern und Abstürzen.
Abbildung 12: In unserer Vorabversion kam es insbesondere unter Presentations häufiger zu Darstellungsfehlern und Abstürzen.

Der Preis für eine App soll um die 15 Euro liegen. Wie schon bei SoftMaker Office für Windows Mobile dürfte es zudem günstige Komplettpakete geben. Beispielsweise zahlt man für die Windows-Variante von SoftMaker Office einschließlich der Windows Mobile Anwendungen nur 90 Euro. Bis zum Veröffentlichungstermin im März muss SoftMaker allerdings unbedingt noch die zahlreichen Abstürze beseitigen, die in unserer Vorabversion immer wieder auftraten.

Infos

  1. SoftMaker: http://www.softmaker.de
  2. SoftMaker Office für Windows Mobile: http://www.softmaker.de/ofp.htm
  3. Online-Festplatte Dropbox: http://www.dropbox.com