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Sieben E-Book-Reader im Vergleich

(c) arrow,123rf.com
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Kann man E-Books auf Smartphones lesen? Wem das Display zu klein ist, der greift halt zum Tablet. An der zum Lesen benötigten App sollte es hingegen nicht scheitern. Wir stellen sieben Kandidaten vor.

Wartezeiten gehören bei vielen Leuten zum Alltag. Sei es unterwegs in Zügen und Bussen, beim Arzt oder bei einem öffentlichen Amt. Wer diese Zeit sinnvoll nutzen möchte, greift in der Regel zu einem Buch. Doch gedrucktes Papier belegt Platz und verursacht zusätzliches Gewicht im Gepäck. Was liegt da näher, als auf einem Tablet oder Smartphone zu lesen, das man eh mit sich herumträgt? Hier bringt die halbe Hausbibliothek kein zusätzliches Gewicht auf die Waage. Vorbei also die Zeiten, wo die Auswahl an Reiselektüre sorgsam abgewogen werden musste. Nur die Frage nach der passenden App zum Lesen bleibt offen – und bei deren Beantwortung hilft dieser Artikel.

Moon+ Reader

Wenn es um Lese-Apps für E-Books geht, ist der Moon+ Reader [1] klarer Favorit des Autors. Er vereint die besten Features der diversen verfügbaren Lese-Apps, und kommt darüber hinaus mit einer vorkonfigurierten, umfangreichen Online-Bibliothek daher – die sich überdies noch mit eigenen Einträgen (etwa der eigenen Calibre-Bibliothek) ergänzen lässt. Hier finden sich bekannte Anbieter wie Feedbooks, Project Gutenberg, und ManyBooks – aber in den Moon+-Reader-Catalogs auch einige spezielle Kandidaten, wie etwa Izzys Bibliothek [2] mit derzeit ca. 4.200 frei verfügbaren deutschen Büchern.

Das Lesen geht mit Moon+ flüssig vonstatten, und die Darstellung lässt sich ganz dem eigenen Geschmack anpassen. So gibt es neben einem Tagmodus (weißer Hintergrund, schwarze Schrift) und Nachtmodus (genau umgekehrt) auch zahlreiche farbenfrohe Layouts. Die Formatierung der Bücher passt die App dabei an, um einen optimalen Lesefluss zu gewährleisten; wem das nicht gefällt, greift alternativ auf das vom E-Book-Ersteller festgelegte Design zu.

Abbildung 1: Der Moon+ Reader zeigt die E-Books auf der SD-Karte an. Unten sehen Sie das Kontextmenü.
Abbildung 1: Der Moon+ Reader zeigt die E-Books auf der SD-Karte an. Unten sehen Sie das Kontextmenü.

Wer häufiger eigene Bücher Korrektur liest, wird sich über die Möglichkeit von Text-Markierungen (Highlighting), Notizen und Lesezeichen freuen – alles Dinge, die auch Studierenden zu Gute kommen. Die derart markierten Stellen lassen sich über ein eigenes Verzeichnis gesammelt oder auch nach Typ (Lesezeichen, Notiz, Markierung) getrennt auflisten, wobei aus dieser Liste natürlich ein direkter Zugriff auf die entsprechende Buchseite möglich ist. Ebenfalls zur Verfügung stehen Nachschlagewerke: Online oder, sofern installiert, auch Offline (Fora, ColorDict).

Viele Dinge wären da noch zu benennen, die den Umfang dieses Artikels allerdings sprengen würden. Soviel sei aber noch gesagt: Der Support ist hervorragend, der Entwickler reagiert schnell, eventuell auftretende Probleme sind daher auch flott behoben. Moon+ Reader gibt es in einer kostenlosen Variante, sowie als Bezahlversion [3], die dann unter anderem auch eine Vorlese-Funktion mitbringt. An Formaten unterstützt die App neben ePub und HTML auch FB2.

[kostenlos/3,50 Euro|deutsch|Version 1.3.12|2,5 MByte] 5 Sterne

Abbildung 2: Die übersichtliche Kapitelanzeige von Moon+ Reader.
Abbildung 2: Die übersichtliche Kapitelanzeige von Moon+ Reader.

Abbildung 3: Via Popup sehen Sie Aktionen für den ausgewählten Text.
Abbildung 3: Via Popup sehen Sie Aktionen für den ausgewählten Text.

FBReader

Der Name impliziert bereits das bevorzugte Format dieser E-Book-App. Der FBReader [4] unterstützt neben dem FictionBook-Format (FB2), aber auch ePub und weitere Formate. Zugriff auf Online-Bibliotheken bietet FBReader ebenfalls – wenn auch nicht so zahlreich vorkonfiguriert wie beim Moon+ Reader. Aber das lässt sich durch das Hinzufügen eigener Kataloge (so man denn welche kennt) einfach und unkompliziert ändern.

Auf Markierungen und Notizen muss allerdings verzichtet werden, lediglich Lesezeichen lassen sich nutzen. An Nachschlagewerken sind auch bei FBReader neben einer Online-Anbindung Fora und ColorDict verwendbar. Mit diversen Plugins lässt sich die App überdies erweitern: Etwa um eine Vorlese-Funktion oder die Möglichkeit, bei LitRes.RU Bücher zu kaufen. Mit Root-Rechten lässt sich gar eine Synchronisierung à la Kindle über ein Plugin [5] realisieren.

FBReader überrascht den Leser bereits beim ersten Start. Die auf der SD-Karte vorhandene E-Books liest die App automatisch ein und präsentiert so den fertigen Katalog. Der Zugriff auf die lokale Bibliothek ist daher bereits über Autor, Titel und Schlagworte (Tags) möglich – das schafft sonst keine der hier vorgestellten Apps. Auch sonst zeigt sich der FBReader im Umgang mit den Büchern sehr flüssig. Neben der Android-Version gibt es FBReader auch für Windows, Linux und Mac OS X.

[kostenlos|deutsch|Version 1.2.0|1 MByte] 4 Sterne

Abbildung 4: Die Buchansicht von FBReader mit geöffnetem Menü.
Abbildung 4: Die Buchansicht von FBReader mit geöffnetem Menü.

Abbildung 5: Die Bibliotheksansicht von FBReader.
Abbildung 5: Die Bibliotheksansicht von FBReader.

Aldiko

Aldiko [6],[7] ist auf vielen Tablets bereits vorinstalliert, und sicher eine der beliebtesten (oder zumindest bekanntesten) E-Book-Apps. An Formaten wird hier ePub und PDF unterstützt, einschließlich mit Adobes DRM versehener E-Books. Tag- und Nacht-Modi lassen sich wählen, Lesezeichen kann man ebenfalls verwenden (aber wieder keine Markierungen oder Notizen). Online-Bibliotheken werden auch unterstützt (einige Shops sind auch bereits vorkonfiguriert), allerdings nur direkt über deren Webseiten: Mit dem OPDS-Katalogformat kann Aldiko nichts anfangen.

Die Oberfläche ist angenehm gestaltet, und intuitiv bedienbar – das Lesen macht also auch mit Aldiko durchaus Spaß. Wie beim FBReader gibt es auch bei Aldiko die Möglichkeit, eine Synchronisation per Plugin nachzurüsten [8] – Root-Rechte auf dem Android-Gerät vorausgesetzt.

Kleine Probleme gab es beim Umschalten zwischen dem Tag- und dem Nachtmodus: Anders als die Mitbewerber blieb Aldiko dabei nicht auf der aktuellen Seite, sondern sprang reproduzierbar zum Buchanfang. Für einen anfänglichen Schreck sorgte auch die Tatsache, dass beim Öffnen eines Buches zunächst die Helligkeit des Displays auf 100% angehoben wurde (armer Akku!). Zwar lässt sich das im Nachhinein mit der vom Moon+ Reader bekannten Wischgeste (am linken Rand von oben nach unten) wieder Dimmen – aber eine Regelung der Helligkeit mit Profil-Apps ist damit ausgehebelt.

[kostenlos / 3 Euro|deutsch|Version 2.0.2|6,1 MByte] 5 Sterne

Abbildung 6: Die Aldiko Startseite ist über das Häuschen-Symbol erreichbar
Abbildung 6: Die Aldiko Startseite ist über das Häuschen-Symbol erreichbar

Abbildung 7: Ein in Aldiko geöffnetes Buch mit dem Kontextmenü.
Abbildung 7: Ein in Aldiko geöffnetes Buch mit dem Kontextmenü.

Die Kindle-App

Den Kindle gibt es nicht nur als Hardware sondern auch als App [9]. Die Software richtet sich natürlich in erster Linie an Amazon-Kunden: Neben dem hauseigenen Kindle-Format lassen sich mit dieser App nur noch MobiPocket-E-Books lesen, weitere Formate unterstützt sie aktuell nicht. Amazon soll aber auch am E-Pub-Support arbeiten und in Kürze ein Format auf HTML5-Basis vorstellen.

Dank Konvertier-Software wie dem freien Calibre [10] kann man die eigene Bibliothek natürlich entsprechend umwandeln. Wie die Hardware-Version unterstützt auch die App Amazons DRM-System, um unerlaubte Kopien zu verhindern. Schön ist, dass die App darüber hinaus auch Markierungen und Notizen unterstützt. Wer mehrere Kindles im Einsatz hat, wird sich auch über die Synchronisation freuen, Dank derer man mit einem Gerät genau dort weiterlesen kann, wo man mit dem anderen aufgehört hatte. Dies funktioniert via Amazon-Login auch über mehrere Geräte hinweg. Lesen Sie also ein Buch auf Ihrem Android-Handy und möchten später auf einem Tablet weiterlesen, dann ist das Buch stets an der richtigen Stelle geöffnet.

Wenn Sie die recht enge Bindung an Amazon nicht stört (ein Amazon-Account ist zwingend notwendig), dann werden Sie deshalb an dieser App viel Freude haben. Last but not least stehen Ihnen über die Kindle-App sämtliche Bücher des Amazon-Stores zum Kauf bereit.

[kostenlos|deutsch|Version 3.2.0.35|3,5 MByte] 3,5 Sterne

Abbildung 8: Eintritt nur mit Mitgliedskarte: Die Kindle-App funktioniert nur mit Amazon-Account, bietet dafür ein umfangreiches Shop-Angebot.
Abbildung 8: Eintritt nur mit Mitgliedskarte: Die Kindle-App funktioniert nur mit Amazon-Account, bietet dafür ein umfangreiches Shop-Angebot.

Cool Reader

Der Cool Reader [11] ist die App mit der wohl umfangreichsten Format-Unterstützung. Sie zeigt eigentlich alles außer PDF-Dokumenten an, egal ob. MobiPocket, ePub, FB2, HTML, RTF, DOC, PDB, CHM und einige weitere. Online-Bibliotheken (eine Auswahl ist bereits vorkonfiguriert) lassen sich ebenso einbinden wie Nachschlagewerke (mein bereits installiertes Fora wurde automatisch erkannt und benutzt). Sogar eigene TrueType-Schriften kann man für die Anzeige konfigurieren. Auch Links innerhalb von E-Books (zum Beispiel für Fußnoten) stellen die App vor keine Herausforderung.

Eine Vorlese-Funktion ist ebenfalls mit dabei. Wie auch die meisten unserer anderen Kandidaten, unterstützt Cool Reader einen Tag- und einen Nachtmodus – entweder ist das Papier vergilbt und die Schrift schwarz, oder das Papier braun und die Schrift weiß; in beiden Fällen scheint das Buch ein Fundstück. Sollte diese Helligkeitsregelung nicht ausreichen: Der Trick mit dem Wischen am linken Rand funktioniert auch hier. Und wer bei der Suche nach E-Books an einem zu umfangreichen Dateibaum auf der SD-Karte verzweifelt: In den Einstellungen lässt sich auch festlegen, dass Verzeichnisse ohne E-Books im Datei-Browser nicht angezeigt werden sollen.

Cool Reader ist freie Software. Für kleine Spenden ist der Entwickler jedoch dankbar: Direkt über den Market, mit der Bronze (0,75 Euro), Silber (ca. 2 Euro) oder Gold (ca. 7 Euro) Donation.

[kostenlos/Donation bis ca. 7 Euro|englisch|Version 3.0.51-22|1,9 MByte] 5 Sterne

Abbildung 9: Ein im Cool Reader geöffnetes Buch mit dem Kontextmenü der App.
Abbildung 9: Ein im Cool Reader geöffnetes Buch mit dem Kontextmenü der App.

StarBooks

StarBooks [12] ist die einzige App im Test, die auch mit dem Textfluss um Bilder korrekt umgehen kann (Abbildung 10). Je nach Schriftgröße sieht das aber nicht immer besonders toll aus. Die App unterstützt lediglich das ePub-Format und Sie müssen auf Markierungen und Notizen verzichten. Immerhin lassen sich Lesezeichen setzen und Online-Bibliotheken problemlos einbinden, einige sind auch hier bereits vorkonfiguriert. Ein weiterer Wermutstropfen von StarBook: auf integrierte Nachschlagewerke müssen Sie verzichten.

[kostenlos|englisch|Version 1.12|1 MBytes] 4 Sterne

Abbildung 10: Als einzige App im Test beherrscht StarBooks den Textfluss um Grafiken.
Abbildung 10: Als einzige App im Test beherrscht StarBooks den Textfluss um Grafiken.

Kobo E-Books [9]

Wie Amazon bietet auch Kobo seinen eigenen Reader [13], der durchaus vergleichbar ist. Auch hier möchte der Anbieter, dass der Leser seine Bücher über das eigene Portal bezieht (andere Quellen lassen sich nicht einbinden). Und auch diese App verfügt über die Möglichkeit, mehrere "Reader" zu synchronisieren. Bei den Formaten zeigt sich dann aber ein großer Unterschied: Kobo setzt auf das E-Pub-Format und PDF ("offene Standards sind für alle das Beste", lässt sich auf der Website lesen) – entsprechend fehlt auch die Unterstützung für DRM). Lesezeichen finden sich in der App ebenso wie Markierungen und Notizen.

[kostenlos|deutsch|Version 3.1.1211|5,1 MByte] 4 Sterne

Abbildung 11: Das Bücherregal von Kobo ist nach dem ersten Start noch recht leer.
Abbildung 11: Das Bücherregal von Kobo ist nach dem ersten Start noch recht leer.

Fazit

Der Android-Market bietet eine große Auswahl an E-Book-Reader-Anwendungen. Je nachdem, ob Sie lieber neue Bücher kaufen oder ein bestehendes Angebot an (freien) E-Büchern nutzen möchten, eignen sich für das Lesen Amazon und Kobo besser oder FBReader und der Moon+ Reader. Können Sie sich nicht entscheiden, installieren Sie einfach mehrere Apps.

E-Book-Reader im Überblick

  Moon+ Reader FBReader Aldiko Kindle Cool Reader StarBooks Kobo E-Books
 





 

Preis Gratis / 3,50 Euro Gratis Gratis / 2,99 Euro Gratis Gratis (Donation) Gratis Gratis
Integrierter Dateimanager Ja Ja Ja Nein Ja Ja Nein
Seite merken Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Lesezeichen Ja Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Markieren Ja Nein Nein Ja Nein Nein Ja
Kommentare erstellen Ja Nein Nein Ja Nein Nein Ja
DRM Unterstützung Nein Nein Ja Ja Nein Nein Nein
Online-Bibliotheken Ja Ja Ja Amazon Ja Ja Kobo
Unterstützte Formate epub,html,fb2 epub,fb2 epub,pdf kindle,mobi epub,mobi,html,fb2,rtf,doc,pdb,? epub epub,pdf
Rating 5 Sterne 4 Sterne 5 Sterne 3,5 Sterne 5 Sterne 4 Sterne 4 Sterne

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