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Retro Camera und Roidizer simulieren alte Fotokameras

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Einwegkameras, Billigfilme und schnell arbeitende Entwicklungslabors waren einst Zutaten für unverwechselbare Urlaubsschnappschüsse. Deren einzigartige Optik holen Retro Camera und Roidizer zurück. Sie simulieren analoge Fotokameras und lassen die Bilder auf Wunsch auch noch künstlich altern.

Wer in den 70er und 80er Jahren groß geworden ist, erinnert sich sicherlich noch an die alten Polaroid Kameras. Diese klobigen Kistchen musste man nur auf das Motiv richten, den Auslöser drücken und schon kam vorne das fertige Foto heraus. Zumindest fast. Es dauerte einen Moment bis der Entwickler seine Wirkung entfaltete und der Grauschleier langsam dem eigentlichen Bild wich. Durch die Schnellentwicklung und den breiten weißen Rand waren Polaroid-Bilder sofort als solche auszumachen. Und genau diese Kultoptik möchte Roidizer wiederbeleben.

Abbildung 1: Roidizer imitiert eine Polaroid-Kamera.
Abbildung 1: Roidizer imitiert eine Polaroid-Kamera.

Roidizer

Stilecht meldet sich die App mit einer von braunem Leder umgebenen Vorschau. Die Bedienelemente sind auf das Wesentliche reduziert: Über den Knopf mit dem Blitz schaltet man eben jenen ein- oder aus, ein Tipp auf das Vorschaubild stellt das Motiv scharf und der große goldene Schalter schießt schließlich ein Foto.

Abbildung 2: Roidizer erstellt klassische Polaroid-Fotos, die man auch stilecht mit einem Filzschreiber beschriften darf.
Abbildung 2: Roidizer erstellt klassische Polaroid-Fotos, die man auch stilecht mit einem Filzschreiber beschriften darf.

Ein Tipp auf das fertige Bild öffnet ein Eingabefeld, über das man den unteren, breiteren Rand des virtuellen Fotopapiers beschriften darf. Wem die Schriftart nicht gefällt, kann sich über das Aa-Symbol am linken Seitenrand eine andere aussuchen. Zur Wahl stehen hier allerdings nur magere sechs Stück, die entweder an eine Schreibmaschine oder eine Handschrift erinnern.

Abbildung 3: Roidizer kennt verschiedene Bildeffekte, die man in Form von virtuellen Filmen auswählt.
Abbildung 3: Roidizer kennt verschiedene Bildeffekte, die man in Form von virtuellen Filmen auswählt.

Erscheint das Ergebnis zu stark verfremdet, kann man über das Paketsymbol links unten einen anderen Film in die virtuelle Kamera einlegen. Man gelangt dabei zunächst zu einem Regal mit insgesamt neun Schachteln. Jeder der in ihnen enthaltenen Filme erzeugt später einen anderen Farbeffekt. Eine kleine Vorschau auf das Ergebnis holt man hervor, indem man goldenen Schalter am unteren Rand umlegt. Per Wischgeste wechselt man das Sortiment durch. Hat man sich für einen Film entschieden, tippt man einfach sein Paket an.

Abbildung 4: Roidizer: Der Film der Marke Terry führt zu dem nebenstehenden 70er Jahre-Look.
Abbildung 4: Roidizer: Der Film der Marke Terry führt zu dem nebenstehenden 70er Jahre-Look.

Ist das Motiv unansehnlich, kehrt der gebogene Pfeil links oben wieder zum Sucher zurück. Andernfalls schickt man das Bild über die Pfeile rechts oben an Freunde beziehungsweise veröffentlicht es in Facebook, Picasa und Co. Alternativ wandert es mit einem Tipp auf das Diskettensymbol in die Bildergalerie. Den weißen Rand um die Fotos wird man übrigens nicht los, bei der echten Polaroid-Kamera konnte man immerhin noch zur Schere greifen. Glücklicherweise gibt es noch den Konkurrenten Retro Camera.

Abbildung 5: Retro Camera bietet gleich fünf verschiedene Kameras in einer.
Abbildung 5: Retro Camera bietet gleich fünf verschiedene Kameras in einer.

Retro Camera

Der imitiert gleich fünf verschiedene Kameramodelle. Sie alle orientieren sich an realen Vorbildern, tragen aber fiktive Namen. So spielt etwa die Xolaroid 2000 unübersehbar auf die Polaroid-Kameras an. Weitere Paten waren die Lomo, Diana, Hipstamatic und eine asiatische Spielzeugkamera. Eines dieser Modelle wählt man über den Knopf mit dem Kamerasymbol rechts unten. Per Wischgesten blättert man im Angebot hin- und her, about this camera liefert detailliertere Informationen nebst kleinem Vorschaubild.

Abbildung 6: Die von Retro Camera angebotenen Kameratypen haben real existierende Vorbilder.
Abbildung 6: Die von Retro Camera angebotenen Kameratypen haben real existierende Vorbilder.

Hat man sich für eine Kamera per use this camera entschieden, kehrt man wieder zum Sucher zurück. Sein Aussehen hängt vom gewählten Kameramodell ab. So sitzt er bei der Spielzeugkamera in einem quietschblauen Plastikgehäuse, das mit asiatischen Schriftzeichen übersät ist. Die Anordnung der Knöpfe bleibt bei allen Kameramodellen im Wesentlichen gleich, man muss sich folglich nicht immer umgewöhnen.

Abbildung 7: Dank des stilechten Gehäuses sieht man in Retro Camera immer auf einen Blick, welches Modell gerade zum Einsatz kommt - hier etwa The Bärbel.
Abbildung 7: Dank des stilechten Gehäuses sieht man in Retro Camera immer auf einen Blick, welches Modell gerade zum Einsatz kommt – hier etwa The Bärbel.

Kann das Modell sowohl Bunt-, als auch Schwarz-Weiß-Fotos schießen, schaltet man mit dem Regler zur linken Seite zwischen diesen beiden Optionen um. Ein Tipp auf den fetten Shutter-Knopf rechts oben schießt schließlich ein Foto. Hält man ihn etwas länger gedrückt, aktiviert man einen Selbstauslöser. Aus der erscheinenden Liste muss man nur noch die gewünschte Zeitverzögerung auswählen und sich dann möglichst schnell selbst ins Bild setzen.

Abbildung 8: In den Camera Facts verrät Retro Camera, mit welchen Bildeffekten sie das passende Aussehen erzielt.
Abbildung 8: In den Camera Facts verrät Retro Camera, mit welchen Bildeffekten sie das passende Aussehen erzielt.

Das geschossene Foto wandert umgehend in die Bildergalerie, zu der man über den Knopf ganz links unten gelangt. Sieht man hier die Tür der Dunkelkammer, verpasst die App dem Bild gerade noch den letzten Schliff. Wie lange das dauert hängt vom gewählten Kameramodell und der Rechenleistung des eigenen Androiden ab. Die fertigen Bilder hängt Retro Camera stilecht an einer Wäscheleine auf – so mussten früher auch die Bilder in der Hobbydunkelkammer trocknen. Nach einem Tipp auf eines der Fotos darf man es via share print auf einer virtuellen Postkarte per E-Mail versenden, auf Facebook veröffentlichen oder an Twitter weiterleiten. Bei Nichtgefallen löscht delete print den Schnappschuss.

Abbildung 9: Die fertigen, mitunter künstlich gealterten Fotos baumeln in Retro Camera an einer Wäscheleine, die man mit Wischgesten entlangfährt.
Abbildung 9: Die fertigen, mitunter künstlich gealterten Fotos baumeln in Retro Camera an einer Wäscheleine, die man mit Wischgesten entlangfährt.

Retro Camera gibt es übrigens auch in einer kommerziellen Fassung namens Retro Camera Plus. Gegen einen Unkostenbeitrag von 2,49 Euro blendet sie anstelle des Werbebanners eine Wasserwaage respektive Informationen zum geschossenen Bild ein.

Fazit

Die Benutzeroberflächen der Apps imitieren stimmungsvoll die alten Geräte. Dabei gehen sie jedoch ziemlich verschwenderisch mit dem vorhandenen Platz um. Insbesondere das stark geschrumpfte Vorschaubild der Retro Camera erschwert unnötig das Zielen – allerdings waren die Sucher der realen Kameravorbilder auch nicht viel größer. Die Beschriftungen der Knöpfe sind bei beiden Apps nur lesbar, wenn man das Smartphone quer legt.

Wer sich daran nicht stört, den alten Retro-Charme liebt oder einfach Fotos in einer ungewöhnlichen Optik schießen möchte, sollte sich Roidizer und Retro Camera jedoch unbedingt näher anschauen. Die mit ihnen geschossenen Fotos wirken verblüffend echt, so als wären sie tatsächlich über Jahre gealtert beziehungsweise mit einer analogen Kamera geschossen worden. Das liefert nicht nur künstlerisch interessantes Material, sondern dürfte sicherlich auch viele Erinnerungen wecken.