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Motordaten auslesen und Tuning mit Android

In der Werkstatt tritt der Mechaniker nicht mehr mit dem Schraubenschlüssel, sondern mit dem Laptop an Ihren Wagen heran! Sie stehen erwartungsvoll daneben und warten wie der Patient auf die Diagnose des Arztes. Was mag die Fehlermeldung in Ihrem Auto-Display nur diesmal bedeuten?

Der Techniker verbindet in der Regel sein Notebook über ein USB-Kabel mit der Elektronik des Wagens. Auf der Fahrzeugseite steht dafür eine weitgehend genormte Schnittstelle zur Verfügung; die OBD-Buchse (On-Board-Diagnose) die sich zumeist unter den Armaturen oder in der Konsole unter einer Abdeckung versteckt. Doch dieser Anschluss kommuniziert mit einem BT-Adapter (also per Bluetooth) auch problemlos mit Ihrem Smartphone oder Tablet. Die meisten Fahrzeuge ab Baujahr 2000 verfügen über eine solche OBD-Schnittstelle.

Alles, was Sie brauchen, um mit Ihrem Android-Smartphone KFZ-Doktor zu spielen, ist ein passender Adapter und eine passende Android-App. Wir stellen in diesem Artikel den Bluetooth-Adapter ELM 327 und die App Torque Lite vor. Es gibt auch andere Adapter und weitere Apps bei Google Play.

Die Hardware

Beim Kauf eines Adapters müssen Sie unbedingt darauf achten, dass er für Ihr Fahrzeug vorgesehen ist. Ist Ihr Wagen nicht gelistet, kann es trotzdem funktionieren, aber die Wahrscheinlichkeit sinkt natürlich. Passende Bluetooth-Adapter für diesen Zweck gibt es bereits ab ca. 20 Euro.

Natürlich kann der hier vorgestellte Weg nicht mit der fahrzeugspezifischen Profi-Software der Autohersteller mithalten, Sie aber zumeist ja auch nicht mit dem Know-How der Techniker. Aber die Lösung eignet sich hervorragend, um ein ausgemustertes Tablet oder Smartphone zu einer digitalen Anzeige umzufunktionieren, die während der Fahrt live Daten vom Motor meldet. Unter verschiedenen Adapter haben wir uns zu Testzwecken für den Tinxi Bluetooth EOBD OBD2 entschieden, der mit einem ELM 327 kompatiblen Chip mit den meisten PC-Softwareprogrammen, Smartphone-Apps und vielen Fahrzeugen kompatibel ist. Für die Nutzung auf einem Laptop liegt eine CD mit Treibern bei. Den hier vorgestellten finden Sie bei Amazon für 17 Euro (http://amzn.to/1BYrdDU).

Abbildung 1: Der Tinxi Bluetooth-Adapter EOBD2 alias ELM 327 kostet rund 20 Euro.
Abbildung 1: Der Tinxi Bluetooth-Adapter EOBD2 alias ELM 327 kostet rund 20 Euro.

Bluetooth-Verbindung

Die Bluetooth-Verbindung funktioniert zunächst so, wie Sie es wahrscheinlich schon kennen. BT aktivieren und im Menü den erkannten OBD auswählen. Auf unseren Testgeräten Note 1, (4.0.1), Padfone, (4.0.4), Galaxy 7.7 (4.0.4), Note 2, (4.1.1) +, HTC Desire, (4.1.1) meldete sich der Tinxi-Adapter nicht immer als OBD, sondern einfach mit seiner MAC-Zahlenreihe, arbeitete aber zuverlässig. Zur Koppelung mit dem Adapter ist der PIN-Code 1234 einzugeben und das Pairing ist erledigt. Versuchen Sie nun nicht, wie bei Audiogeräten noch eine Verbindung herzustellen; dies ist nicht erforderlich.

Die Software


Wir haben uns für die App Torque [1] entscheiden, die mit mehr als einer Millionen Downloads im Playstore die bekannteste und gleichzeitig beliebteste App ist. Sie können sie als Lite-Version kostenlos herunterladen und sich später für die werbefreie Pro-Version mit mehr Funktionen entscheiden. Verschaffen Sie sich einen Einblick in die Nutzung von Torque mit dem Tinxi-Adapter, getestet an einem BMW 330 Xi (Bj. 2003) und einem Renault Megane Grandtour (Bj. 2012) unter Verwendung eines Note 2.

Die meisten Fachbegriffe zeigt die App in Englisch an. Das nachfolgend näher beschriebene englische Torque bedeutet zum Beispiel Drehmoment. Die Sprachhürde ist aber leicht zu nehmen.

Abbildung 2: Die Auswahl der Datenanzeige wird zumeist in deutsch beschrieben, wird aber leider nicht ganz konsequent umgesetzt.
Abbildung 2: Die Auswahl der Datenanzeige wird zumeist in deutsch beschrieben, wird aber leider nicht ganz konsequent umgesetzt.

Im Hauptmenü können Sie die Grundeinstellungen der App – ebenfalls gut erklärt in deutscher Sprache – vornehmen. Rund dreißig dieser Einstellungen lassen schon hier den Umfang der vielen Möglichkeiten dieses Tools erkennen

Abbildung 3: Ein deutschsprachiges Menü erleichtert die Einstellung der rund dreißig Grundeinstellungen in der App. Es sind weitere Aktionen, wie das Auslesen und Löschen des Fehlerspeicher und Kalibrierfunktionen zur Verfügung.
Abbildung 3: Ein deutschsprachiges Menü erleichtert die Einstellung der rund dreißig Grundeinstellungen in der App. Es sind weitere Aktionen, wie das Auslesen und Löschen des Fehlerspeicher und Kalibrierfunktionen zur Verfügung.

Kern der App ist die Dashboard Darstellung in der Sie – vergleichbar den Home-Screens Ihres Phones – sieben Seiten mit Widgets bestücken können. Im ersten wählen Sie unter drei Varianten aus: Dial zum Beispiel führt zur Darstellung in analoger Tachoform, Graph entsprechend zu einer Grafik-Anzeige und Display zu einer digitalen Darstellung. Die Anzeigen lassen sich auf dem Screen mit dem Finger beliebig anordnen, auch überlappend.

Abbildung 4: Die Datenanzeige in verschiedenen Formen und Größen: Höhe, Tageskilometer, Kühlmittel- und Außentemperatur (ohne Anzeige!) und Geschwindigkeit.
Abbildung 4: Die Datenanzeige in verschiedenen Formen und Größen: Höhe, Tageskilometer, Kühlmittel- und Außentemperatur (ohne Anzeige!) und Geschwindigkeit.

Das Layout aller Seiten können Sie abschließend noch optisch verändern, in dem Sie im Menü unter Theme eines der aktuell mehr als dreißig teilweise recht coolen Themes herunterladen. Darin enthalten, sind nicht nur verschiedene Widgets, sondern auch Hintergründe, die Sie wiederum durch eigene ersetzen können.

Abbildung 5: Personalisieren Sie Ihren eigenen Bordcomputer auf dem Smartphone, in dem Sie sich ein Theme herunterladen oder gar eigene Themes entwickeln.
Abbildung 5: Personalisieren Sie Ihren eigenen Bordcomputer auf dem Smartphone, in dem Sie sich ein Theme herunterladen oder gar eigene Themes entwickeln.

Die Geschwindigkeit ermittelt Torque entweder über das GPS-Signal oder aus den KFZ-Daten. Drehzahl, Motorlast, Außen-, Ansaugluft-, und Kühlmitteltemperatur, Saugrohr- und Kraftstoffdruck, Sauerstoff-Sensor-Spannung, Drosselklappenstellung, sowie diverse Verbrauchs- und Kilometeranzeigen stehen je nach Fahrzeugtyp zur Verfügung. Sie können die Beschleunigungssensoren der X,Y und Z-Achse darstellen und mitschreiben lassen und Daten der zwei Bänke zu je 4 Sensoren des Kraftstoffregelsystems auslesen.

Abbildung 6: Sie können sich barometrischen Druck, Durchfluss des Luftmassenmeters (MAF) Kühlmittel- und Außentemperatur, sowie die Motorlast anzeigen lassen. Höchstwerte werden auch grafisch markiert.
Abbildung 6: Sie können sich barometrischen Druck, Durchfluss des Luftmassenmeters (MAF) Kühlmittel- und Außentemperatur, sowie die Motorlast anzeigen lassen. Höchstwerte werden auch grafisch markiert.

Wer nur einige Grunddaten in einer Ansicht sehen möchte, kann sich diese in einem separaten All Data Widget anzeigen lassen. Diese Echtzeitanzeige der aktuellen Fahrdaten eignet sich wegen der kleinen Schrift aber allenfalls für den Beifahrer.

Abbildung 7: Das All Data Widget zeigt in Echtzeit aber sehr kleiner Schrift u.a. Geschwindigkeit, Höhe, Beschleunigung, Drehzahl, Motorlast, Drosselklappe und Verbrauch an. Letzteres aber nur in dem Format Miles Per Gallon.
Abbildung 7: Das All Data Widget zeigt in Echtzeit aber sehr kleiner Schrift u.a. Geschwindigkeit, Höhe, Beschleunigung, Drehzahl, Motorlast, Drosselklappe und Verbrauch an. Letzteres aber nur in dem Format Miles Per Gallon.

Neben der Anzeige diverser Motordaten Feature ist das Auslesen und Löschen von Fehlercodes eine interessante Funktion. Wir haben den Fehlerspeicher des neuen Renault ausgelesen, dessen Besitzerin schon auf den ersten 4000 km ständig Motorausfälle beklagte und mehrfach ergebnislos beim Verkäufer reklamiert hatte. Torque zeigte uns sechs Fehlercodes an. Die Bedeutung der einzelnen Codes beschreibt die App per Klick auf einen der Einträge stichwortartig, im Internet finden sich dann detaillierte Erklärungen (auch auf Deutsch). Die Screenshots wird die Käuferin dem Rechtsanwalt nun zu Beweiszwecken übergeben.

Abbildung 8: Das Auslesen der Fehlercodes klappte in unseren Tests problemlos. Das hängt jedoch stark vom eigenen Auto ab.
Abbildung 8: Das Auslesen der Fehlercodes klappte in unseren Tests problemlos. Das hängt jedoch stark vom eigenen Auto ab.

Die App zeigt schon in der kostenlosen Lite-Version zahlreiche Daten des Motormanagements in vielen Anzeigemodi an. Die Proversion bietet für 3,55 Euro zusätzliche Plugins und Widgets für den Home-Screen Ihres Handys oder Tablets. Außerdem ist die Anzeige und das Speichern weiterer Leistungsdaten möglich, sowie die Verbindung mit einer Google-Maps-Karte, was im Zusammenspiel mit My Tracks (siehe Artikel in dieser Fokus-Strecke) eine sehr interessante Option darstellt.

Fazit

Torque ist ein praktisches Werkzeug für Anwender, die erfahren wollen, was unter der Motorhaube los ist und die in ihrem Fahrzeug einen Bordcomputer vermissen oder den ergänzen wollen. Leider erfasst die App im Wesentlichen nur Motordaten. Viele weitere fahrzeugspezifische Sensoren lässt Torque außer Acht. Dass alle gespeicherten Fehlercodes sicher erkannt und ausgelesen oder sogar gelöscht werden können, ist nicht garantiert. Für Fachleute stellt die App somit keinen Ersatz einer professionellen Ausstattung dar, die natürlich kostenmäßig auch in einer anderen Liga arbeitet. Aber für Auto- und Android-Freaks eignet sich die Lösung mit Torque und dem Bluetooth-Adapter ideal.

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