Start Aktuell Moto X von Motorola im Dauertest

Moto X von Motorola im Dauertest

Motorola? Genau, das ist diese Firma, die Google unlängst für viele Milliarden US-Dollar gekauft hat, um sie dann nach wenigen Monaten an Lenovo zu verkaufen. Das Moto X ist das Top-Smartphone von Motorola, das komplett unter der Regie von Google-Motorola entstand, ähnlich wie das deutlich günstigere Moto G aussieht, aber doch einiges mehr zu bieten hat. Hier unser Testbericht.

Lange hat es gedauert, bis Motorola das Moto X endlich nach Deutschland gebracht hat und noch länger, bis Android User endlich den ersten Testbericht dazu veröffentlicht. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn das Moto X ist eine kleine Ausnahmeerscheinung. Dieser Eindruck fängt bereits beim Unboxing und der ersten Inbetriebnahme auf ("Shit, die haben tatsächlich einen Nano-SIM-Slot verbaut") und setzt sich auch über die ganzen Tests hinweg fort ("Wow, ist das praktisch!"). Das Moto X ist aber kein Flaggschiff (mehr), wenn man rein auf die Specs schaut. Für sein 4,7-Zoll-Display mit HD-Auflösung (1280 x 800 Pixel) haben das HTC One und das Samsung Galaxy S5 nur noch ein müdes Lächeln übrig. Auch gehört die CPU nicht zu den allerschnellsten, und überhaupt sieht es auf den ersten Blick fast gleich aus wie das Motorola Moto G. Also wozu über 350 Euro bezahlen, wenn man sich gleich das Moto G holen kann? Unser Testbericht verrät es und vergleicht das Moto X auch mit dem Nexus 5. Auf eine Auflistung der Android-User-Gerätedatenbank.

Das Moto X (in Weiß) sieht praktisch gleich aus wie das Moto G (hier in einem roten Case).
Das Moto X (in Weiß) sieht praktisch gleich aus wie das Moto G (hier in einem roten Case).

Besondere Hardware, besondere Software

Die Spezialitäten des Moto X machen sich erst bei der täglichen Nutzung spürbar und sichtbar. Neben einer topaktuellen Android-Version (4.4.2 "KitKat") überzeugt das Moto X durch das Active Display und die sehr ausgefeilte Sprachsteuerung. Eingehende E-Mails oder Chat-Nachrichten erscheinen auf dem Display und Sie können einen Blick auf den Inhalt werfen, ohne dazu das Handy entsperren zu müssen. Heben Sie das Handy leicht hoch oder bewegen es anderweitig, erscheint auf dem Display die Uhrzeit. Diese Funktionen lassen sich auch über Apps wie Knock v2 realisieren, wirklich sinnvoll sind sie aber nur bei Smartphones und Tablets mit Amoled-Screen, weil hier wirklich nur der Teil des Displays mit Strom versorgt werden muss, der auch tatsächlich leuchtet. Und die Zusammenarbeit der verbauten Sensoren mit den Software-Features machen das Moto X so besonders.

Das Zusammenspiel von Sensoren kommt auch bei der Kamera zum Einsatz. Anstatt das Handy aus dem Standby aufzuwecken und die Kamera-App zu starten, machen Sie zweimal eine Handbewegung, wie wenn Sie schnell eine Zitrone auspressen oder einen Deckel aufschrauben würden und schon ist die Kamera startklar, direkt aus dem Standby, ohne einen Button zu drücken.

Die Aktiv Anzeige versorgt Sie stets mit den wichtigsten Informationen. Natürlich lässt sich die Anzeige auch abschalten.
Die Aktiv Anzeige versorgt Sie stets mit den wichtigsten Informationen. Natürlich lässt sich die Anzeige auch abschalten.

Ein weiteres Paradebeispiel für die Zusammenarbeit von Hard- und Software ist der Autofahr-Assistent von Motorola. Die gleiche App (Motorola Assist) gibt es auch für das Moto G, allerdings finden Moto-G-Nutzer nur zwei Einträge vor, beim Moto X sind es drei. Das Moto X merkt durch bestimmte Bewegungen und über GPS, ob Sie sich in einem Auto befinden. In einem solchen Fall, spricht Ihnen das Moto X eingehende SMS auf Wunsch automatisch vor und teilt Ihnen auch mit, wer gerade anruft.

Die Autofahr-Funktion des Motorola Assistenten gibt es nur beim Moto X, nicht beim Moto G.
Die Autofahr-Funktion des Motorola Assistenten gibt es nur beim Moto X, nicht beim Moto G.

Last but not least kommt das Zusammenspiel des verbauten Motorola-SoCs bei der Sprachsteuerung voll zur Geltung. Hier müssen Sie Ihr Handy nicht in die Hand nehmen, um zu erfahren, wie die Bayern am Wochenende gespielt haben, sondern Sie sagen einfach: "OK, Google Now: Wie ist das Wetter in London?" oder "OK, Google Now: Wie hat der FC Bayern München gespielt?" Die Antwort erhalten Sie postwendend per Sprachausgabe. Das Handy kann dabei liegenbleiben.

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Die eigentliche Funktionalität kommt von der Google Suche. Sie können die im Video gezeigten Funktionen also mit jedem Android-Gerät nutzen, das eine aktuelle Version der Google Suche installiert hat. Damit das Ganze aber aus dem Standby heraus — also ohne das Display zu entsperren — klappt, benötigen Sie ein Moto X.

Die Sprachsteuerung über OK Google Now funktioniert wirklich hervorragend.
Die Sprachsteuerung über OK Google Now funktioniert wirklich hervorragend.

Abgesehen von diesen Funktionen, die bei der täglichen Nutzung mal mehr und mal weniger praktisch sind, ist das Moto X ein ganz normales Android-Smartphone mit Android 4.4 an Bord. Die Software unterscheidet sich somit nur in Details (Motorola Assist, Motorola Migrieren) von Nexus-Geräten.

Die meisten der Motorola-Apps sind auch auf dem Moto G vorinstalliert.
Die meisten der Motorola-Apps sind auch auf dem Moto G vorinstalliert.

Motorola Connect erlaubt das Schreiben von SMS-Nachrichten in Chrome via Chrome-Addon.
Motorola Connect erlaubt das Schreiben von SMS-Nachrichten in Chrome via Chrome-Addon.

Als letzte Besonderheit gegenüber dem Moto G sei hier noch Motorola Connect erwähnt. Mit dieser App und der zugehörigen Chrome-Extension können Sie in Chrome SMS-Nachrichten über das Handy verschicken und die SMS lesen.

There’s one more thing! 

Werfen Sie unbedingt auch einen Blick in die Widgets. Hier finden Sie den Spotlight-Player, der mit zwei sehr toll gemachten Stories für zusätzliche Unterhaltung auf dem Moto X sorgt!

Knackpunkt Kamera

Wir haben uns bereits beim Testbericht des Nexus 5 stark aus dem Fenster gelehnt, als wir behauptet haben, dass das Nexus 5 eine sehr gute Kamera besitzt. Diese Behauptung wiederholen wir jetzt für das Moto X, wobei die Kamera des Moto X trotz 10 Megapixeln leicht hinter dem Nexus 5 zurückbleibt. Auch bei der Moto-X-Kamera gibt es ein großes ABER: Für Schnappschüsse ist sie denkbar ungeeignet, denn die Optik lässt sich manchmal sehr viel Zeit, um den passenden Fokus zu finden. Aber für Landschaftsaufnahmen, Urlaubsfotos oder andere Fotos mit künstlerischen Ansprüchen ist sie sehr wohl geeignet. Und wenn alles klappt, dann vergehen vom Rütteln am Handgelenk bis zum Drücken des Auslösers tatsächlich weniger als eine Sekunde. Wenn das Bild dann auch noch scharf wurde, dann hat sich die Moto-X-Kamera von ihrer besten Seite gezeigt und muss sich hinter dem Galaxy S4 oder anderen Androiden nicht verstecken.

Erst die dritte Aufnahme dieser Apfelblüten gelang so, wie von uns gewünscht.
Erst die dritte Aufnahme dieser Apfelblüten gelang so, wie von uns gewünscht.

 

Akkulaufzeit und Performance

In puncto Akkulaufzeit steht das Moto X in etwa auf dem Level des Moto G. Sie kommen damit also problemlos über den Tag, wenn Sie das Handy nicht ausschließlich zum Spielen benutzen. Bei drei bis vier Stunden Displayzeit erreichten wir über 24 Stunden Laufzeit. Die Performance des Moto X bietet nicht den geringsten Kritikgrund. Das System arbeitet schnell und ohne Lags, der Wechsel zwischen den Apps verläuft problemlos.

Die Akkulaufzeit lässt sich durchaus sehen. Bei diesem Screenshot ist allerdings zu beachten, dass zwar eine Nano-SIM eingelegt war, aber das Moto X keine Verbindung zum Provider aufbauen konnte. Deshalb der relativ hohe Stromverbrauch beim Mobilfunk.
Die Akkulaufzeit lässt sich durchaus sehen. Bei diesem Screenshot ist allerdings zu beachten, dass zwar eine Nano-SIM eingelegt war, aber das Moto X keine Verbindung zum Provider aufbauen konnte. Deshalb der relativ hohe Stromverbrauch beim Mobilfunk.

Kritikpunkte

Wenig Speicher und nicht erweiterbar sowie der fest verbaute Akku sind die Hauptkritikpunkte an den meisten neuen Google-Geräten. Sie treffen auch auf das Moto X zu. Ganz besonders schmerzt dabei, dass es hierzulande das Moto X nur mit 16 GByte Speicher gibt, aber nicht in der in anderen Ländern verfügbaren 32-GByte-Version. Dafür erhalten auch Moto-X-Käufer gratis 50 GByte Speicher in der Google Cloud für 24 Monate geschenkt.

Die Soundqualität des verbauten Speakers ist nicht allzu toll. Das Moto X liegt hier auf dem gleichen Level wie das Moto G. Über Kopfhörer stimmt die Qualität aber und bei der Sprachqualität gehört das Moto X ebenfalls zur ersten Klasse.

Der Formfaktor ist natürlich Geschmackssache, aber wir finden das Moto X einen Tick zu klein. 4,7 Zoll sind keine schlechte Größe und das Moto X passt wirklich gut in jede Tasche, aber im direkten Vergleich mit dem Nexus 5, dem Galaxy S5 oder dem HTC One wirkt das Moto X einfach klein. 

Last but not least ist das Moto X hierzulande nur ein Handy von der Stange, Made in China wie alle anderen auch. Auf den Moto Maker, mit dem sich das Moto X farbig dem eigenen Geschmack anpassen lässt, müssen wir hier in Europa verzichten. Die Rückabdeckung lässt sich auch nicht wie beim Moto G einfach austauschen.

Auf coole Rückseiten müssen wir hierzulande verzichten. Der Moto Maker ist nur in den USA erhältlich.
Auf coole Rückseiten müssen wir hierzulande verzichten. Der Moto Maker ist nur in den USA erhältlich.

Moto X, Moto G oder Nexus 5?

Wenn Sie bei den oben geschilderten Special-Features wie Sprachsteuerung, Aktives Display und langsame aber sonst recht gute Kamera nicht ins Schwärmen geraten sind, können Sie sich die 350+ Euro sparen und gleich zur 16-GByte-Version des Moto G greifen. Bei der Performance gibt es kaum Unterschiede, die Software ist bis auf wenige Kleinigkeiten identisch. Sind Ihnen 16 GByte Speicher zu wenig und darf es etwas mehr Display sein, dann ist das Nexus 5 in der 32-GByte-Version für 399 Euro die bessere Wahl. Beim Nexus 5 können Sie zudem auch ganz sicher sein, dass es noch die nächste und vermutlich auch die übernächste Android-Version spendiert bekommt. Wie es mit dem Moto X nach dem Verkauf von Motorola an Lenovo weitergehen wird, steht aktuell nicht fest. Es kann gut sein, dass auch Lenovo das Handy noch mit Updates versorgt, muss aber nicht.

Der Spotlight Player ist eine coole Spielerei, die es aktuell nur für das Moto X gibt.
Der Spotlight Player ist eine coole Spielerei, die es aktuell nur für das Moto X gibt.

 

Fazit

Gefallen Ihnen die speziellen Funktionen des Moto X und sind Ihnen pure Spezifikationen und das etwas altbackene Display egal, dann holen Sie sich das Moto X, auch wenn es nicht ganz billig ist. Sie werden vom Handy nicht enttäuscht sein. Es liegt sehr gut in der Hand und ist zudem wie das Moto G mit P2i gegen Spritzwasser geschützt. Der Amazon-Preis für das Moto X liegt aktuell bei 349 Euro für die weiße Version, für die Variante in Schwarz müssen Sie hingegen 388 Euro hinblättern. Vergessen Sie nicht, beim Kauf auch gleich bei Ihrem Provider vorbeizugehen, um sich eine Nano-SIM zu reservieren. Es wäre doch zu schade, wenn Sie ihr neues Moto X mangels einer passenden SIM-Karte nicht gleich nutzen könnten!

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