Start Aktuell Kommentar: Warum es sich lohnt, bei T-Mobile, o2 oder Vodafone zu bleiben

Kommentar: Warum es sich lohnt, bei T-Mobile, o2 oder Vodafone zu bleiben

Gleiches Netz = gleiche Qualität. Diesen Trugschluss hat wohl schon manch ein Smartphone-Nutzer gezogen und ist deshalb von einem teuren Mobilfunkprovider zu einem deutlich günstigeren gewechselt, der — auf dem Papier — die gleiche Leistung zu einem niedrigeren Preis bietet. Doch dabei gibt es einen großen Haken.

Ich war jahrelang zufriedener Kunde von o2. Als jemand der recht wenig telefoniert aber oft im Netz unterwegs ist, waren mir dann aber einmal die 300 MByte pro Monat zu wenig, 50 Euro für den nächst größeren Tarif mit mehr Bandbreite wollte ich nicht bezahlen und nachdem mir o2 bereits zum dritten Mal in Folge einen Tarif andrehen wollte, der zwar nur ein bisschen mehr kostet, aber für mich Null Mehrnutzen bietet (weil immer noch nur 300 MByte pro Monat), habe ich mich vor ein paar Monaten dazu entschlossen von o2 zu Tchibo zu wechseln. "So habe ich zwar die gleich schlechten Konditionen," habe ich mir gesagt, "aber dafür bezahle ich dann auch nur noch die Hälfte". Tchibo nutzt das gleiche Netz, also kann ich in etwa mit der gleichen Qualität rechnen…

E-Plus macht eine Ausnahme 

Wie mich einige Leserinnen und Leser darauf hingewiesen haben, gibt es bei E-Plus bzw. bei vielen Anbietern im E-Plus-Netz aktuell LTE-Tarife mit deutlich größerer Bandbreite zu günstigen Preisen. E-Plus scheint damit den aktuellen Ausbau des LTE-Netzes zu bewerben und für alle, die in den entsprechenden Ballungsräumen unterwegs sind, lohnt sich somit definitiv ein Blick auf die entsprechenden Angebote.

Gesagt – getan, und eigentlich klappte der Wechsel auch recht problemlos. Abgesehen vom Umstand, dass eine Rufnummermitnahme von o2 zu Tchibo nicht möglich ist. Tja, dumm gelaufen, stand auch nicht im Kleingedruckten und bei der Online-Bestellung gab es auch keinen entsprechenden Hinweis. Deshalb mein Tipp: Nie einen neuen Vertrag abschließen, ohne vorher schriftlich bestätigt zu haben, dass die Rufnummermitnahme vom Provider X zum Provider Y auch tatsächlich möglich ist.

Die erste Überraschung kam dann beim Ingress-Spielen. Wo ich bisher mit dem Nexus 5 gewohnt war, einzelne Resos recht flink setzen  oder Portale schnell hintereinander hacken zu können, musste ich jetzt stets eine Denkpause einlegen. Zunächst dachte ich, dass das sicher an meinem Nexus 5 hängt, doch auch ein Zurücksetzen auf die Werksteinstellungen brachte nicht den gewünschten Erfolg. Auch schien irgendwie das GPS ganz anders /und langsamer zu funkionieren, wenn ich den Mix aus GPS und Mobilfunkmasten auswählte. Früher war das alles ganz schnell…

Aber ich hab doch LTE? 

LTE ist nicht gleich volle Geschwindigkeit. Auch wenn das Mobilfunknetzsignal oben rechts H+oder LTE anzeigt, bedeutet das nicht gleich automatisch, dass auch die volle Bandbreite zur Verfügung steht. Erkundige dich deshalb beim Vertragswechsel immer ganz genau nach der (minimal garantierten) und maximalen Bandbreite.

Ein Speedtest zeigte dann schnell: bei 7,2 MBit/s ist Schluss. Das kann doch nicht sein, habe ich mir gesagt und im Kleingedruckten dann aber schnell festgestellt, dass die maximale Bandbreite tatsächlich 7,2 MBit/s beträgt. Hört sich im Vergleich zu 14,4 wie die Hälfte an :-) ist aber gefühlt mindestens viermal langsamer als 14,4 MBit oder schneller. Jetzt stand ich also da mit meinem superschnellen Nexus 5 mit LTE und allem drum und dran, und sollte tatsächlich mit 7,2 MBit/s auskommen? Das kann es doch nicht sein, habe ich mir gesagt und mich auf die Suche nach einem anderen Provider aufgemacht. Rufnummer war eh schon futsch, da spielte es dann auch keine Rolle mehr, den Provider noch einmal zu wechseln. Doch siehe da: es gibt (praktisch) keinen Billiganbieter, der für weniger als 20 Euro wenigstens 14,4 MBit Bandbreite anbietet. Die fahren alle die gleiche Schiene. Vermutlich verdient man sich bei Fonic, Congstar Aldi Talk und Co auch so seine Brötchen, indem man bei der Bandbreite spart, denn die ist im Unterschied zu gratis SMS oder gratis Anrufen tatsächlich manchmal ein Flaschenhals.

o2 Netzqualität bedeutet nicht automatisch auch o2 bestmögliche Bandbreite.
o2 Netzqualität bedeutet nicht automatisch auch o2 bestmögliche Bandbreite.

Erst ein Mouseover über dem Infobutton verrät, dass die maximale Bandbreite lediglich 7,2 MBit beträgt.
Erst ein Mouseover über dem Infobutton verrät, dass die maximale Bandbreite lediglich 7,2 MBit beträgt.

Und dazu kommt in den meisten Fällen auch eine Bandbreite von maximal 2,4 MBit für den Upload, das sollte man auch nicht vergessen. Das Ganze zieht auch am Akku, denn wenn man 5 Minuten warten muss, bis ein paar Bilder per Mail verschickt wurden, dann ist das System 5 Minuten aktiv, nicht nur ein paar Sekunden. Ich habe dazu jetzt keine empirischen Testdaten, aber gefühlt ist die Akkulaufzeit des Nexus 5 seit dem Umstieg schlechter geworden.

 

Mein Fazit

Mein Tchibo-Abo für 9,95 Euro läuft noch, aber nur, weil ich mit den Testgeräten manchmal auch schnelle SIM-Karten inklusive LTE-Option bekomme, mit denen das Ingress-Spielen und Webseitenlesen wieder richtig Spaß macht. Es ist wie Tag und Nacht, ob man mit 7,2 MBit/s oder mit 14,4 MBit (oder schneller) surft. Wer also vor dem gleichen Schritt steht, sollte sich gut überlegen, ob die paar Euro sich damit monatlich sparen lassen, das Downgrade wert sind.  Erst bei den Tarifen um 20 Euro beträgt die maximale Bandbreite üblicherweise 14,4 MBit/s, aber auch dort ist das stets eine künstlich heruntergeregelte Bandbreite. Und 14,4 MBit sind für mich die Schmerzensgrenze auf einem Android-Smartphone, um Webseiten zu lesen oder größere E-Mails zu verschicken.  Schaut also unbedingt auch auf diesen Umstand, bevor ihr den Anbieter wechselt. Als Faustregel kann man sich merken, dass die meisten Angebote bis 15 Euro lediglich 7,2 MBit anbieten, ab 19,99 gibt es je nach Provider auch mal 14,4 MBit. Mehr Bandbreite gibt es <update> aktuell bei vielen E-Plus-Tarifen im Angebot </update> aber sonst eigentlich nur direkt von T-Mobile, Vodafone und o2  und/oder mit deutlich teureren Tarifen ab 30 Euro. 

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