Start Im Test Google und Ihr Handy speichern jeden Ihrer Schritte!

Google und Ihr Handy speichern jeden Ihrer Schritte!

Wissen Sie noch, wo Sie vor 14 Tagen waren? Wohin die letzte Urlaubsreise ging? Wann Sie für gewöhnlich aus der Arbeit nach Hause fahren? Google weiß es, ganz genau sogar! Doch die Funktion lässt sich deaktivieren, wir zeigen Ihnen wie.

Kennen Sie den Horror-Schocker "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"? Auch Google weiß ganz genau, was Sie letzten Sommer getan haben und wo Sie den Sommer über waren. Denn wer bei der Einrichtung des Handys nicht aufpasst, erlaubt Google die Standortdaten des Handys auf immer und ewig zu speichern. Wir zeigen Ihnen welche Daten gespeichert werden und wie Sie diese wieder löschen.

Wer die die auf Google Maps basierende Google Location History unter der URL https://maps.google.com/locationhistory [1] öffnet, wird wahrscheinlich erstaunt, fasziniert und vielleicht auch schockiert zugleich sein. Bei auf dem Handy aktivierten Standortbericht und Standortverlauf sichert Google sämtliche Ortsdaten, aller mit Ihrem Google-Konto verknüpften Android-Geräte.

Abbildung 1: Google weiß, wohin die Fahrt am Wochenende führte. Die Daten werden über längere Zeit permanent online gespeichert.
Abbildung 1: Google weiß, wohin die Fahrt am Wochenende führte. Die Daten werden über längere Zeit permanent online gespeichert.

So sehen Sie, wo Sie sich die Woche über aufgehalten habe, wohin Sie am Wochenende pendeln auch auch wo Sie den Sommer über waren. Was Sie an den einzelnen Standorten unternommen haben, weiß Google aus den E-Mail-Bestätigungen Ihrer Hotel- und Reisebuchungen in Ihrem Gmail-Account und den Zielen Ihrer Ausflüge. Bei einem Klick auf den kleinen Play-Button links unten in der Karte können Sie Ihr Bewegungsprofil sogar als Film abspielen lassen.

Abbildung 2: In dieser Woche waren wir mit unserem Testhandy viel in München unterwegs. Alle Fahrten sind fein säuberlich sortiert.
Abbildung 2: In dieser Woche waren wir mit unserem Testhandy viel in München unterwegs. Alle Fahrten sind fein säuberlich sortiert.

Das Google-Dashboard erstellt aus den gesammelten Positionsdaten dann Statistiken. Wie lange waren Sie auf der Arbeit, wie lange zu Hause, wie lange unterwegs. Welche Orte haben Sie regelmäßig besucht, wie oft und wann? Welche Länder besucht, wohin gingen Ihre Reisen generell? Unser Google-Profil enthielt Ortsdaten bis zum Juli 2012.

Abbildung 3: Das Dashboard verrät Ihnen, wo Sie wie lange sind und welche Orte Sie in der Vergangenheit oft besucht haben.
Abbildung 3: Das Dashboard verrät Ihnen, wo Sie wie lange sind und welche Orte Sie in der Vergangenheit oft besucht haben.

Google scheint die Daten aber bislang nur "Live" zu verarbeiten, also immer dann, wenn Sie online sind. Eine Reise in die USA – bei der das Handy nie per WLAN oder Mobilfunk ins Netz gekommen ist – zeichnete Google nicht auf. Ohne populistisch wirken zu wollen: Die NSA und zahlreiche Geheimdienste sind mit Sicherheit sehr interessiert an diesen Daten und filtern eventuell sogar auffällige Reiseziele aus den Aufzeichnungen heraus.

Standortdaten deaktivieren

Ganz ungefragt übermittelt Google diese Daten nicht. Ab Android 4.1 "Jelly Bean" fragt Sie der Assistent bei der ersten Inbetriebnahme eines Android-Geräts, ob Sie den "Standort-Zugriff für Apps von Google" erlauben möchten. Lassen Sie diese Option aktiviert, schleppen Sie von jetzt an immer eine kleine GPS-Wanze mit sich herum. Wer Zugriff auf Ihren Google-Account hat – ob direkt oder über eine Hintertür – weiß, wo Sie sind und wo Sie letzte Woche waren.

Abbildung 4: Ganz genau wird die Standortverfolgung bei der Einrichtung des Handys nicht erklärt.
Abbildung 4: Ganz genau wird die Standortverfolgung bei der Einrichtung des Handys nicht erklärt.

Abstellen lässt sich diese Funktion auf dem Handy jedoch nicht mehr ganz so einfach. Zuerst würde man wohl unter Einstellungen | Standortzugriff nach der entsprechenden Option suchen, doch doch der Punkt WLAN- & Mobilfunknetz-Standort beeinflusst nicht die personalisierte Standortsammelei. Für diese ist nicht das Android-System an sich verantwortlich, sondern Googles persönlicher Assistent Google Now.

Rufen Sie diesen durch einen längeren Tipper auf den Home-Button oder über einen Wisch ausgehend von diesem nach oben auf, und öffnen die Einstellungen. Je nach Handy machen Sie dies über den Menü-Button Ihres Geräts oder das Kontext-Menü, das erscheint, wenn Sie in Google Now ganz ans Ende scrollen. Über Datenschutz & Konten | Google-Standorteinstellungen gelangen Sie dann zu den relevanten Einstellungen. Alternativ öffnen Sie die App Google-Einstellungen und wählen hier den Punkt Standort aus, um zu den relevanten Menüpunkten zu gelangen.

Abbildung 5: Der Standortbericht lässt sich in den Google-Now-Einstellungen de-/aktivieren.
Abbildung 5: Der Standortbericht lässt sich in den Google-Now-Einstellungen de-/aktivieren.

Hier müssen Sie nun zwischen Standortbericht und Standortverlauf unterscheiden. Der Standortbericht weist das System an, Ihre Position regelmäßig unter Ihrem Google-Konto online zu speichern. Außerdem ermittelt die Funktion, ob Sie zu Fuß, per Rad oder Auto unterwegs sind, diese Daten werden ebenfalls übermittelt und dienen dazu, Ihnen per Google Now passende Empfehlungen zu machen. Die Einstellung lässt sich für jedes Gerät einzeln festlegen, Sie können also die Funktion auf dem Handy aktivieren und auf dem Tablet deaktivieren, so wird nur ein Bewegungsprofil des Handys erstellt.

Der Standortverlauf fügt die einzelnen Standortberichte zu einem großen Bild zusammen. Eben dem, das Sie auf der Google Location History einsehen können. Die Daten werden dann etwa von Google Maps dazu benutzt, um Suchergebnisse auf von Ihnen besuchte Orte auszurichten oder um Google Now Ihnen Mitteilen zu lassen, dass Sie auf dem Weg zur Arbeit vermutlich Stau haben werden. Diese Einstellung gilt für alle Android-Geräte, die mit dem entsprechenden Google-Konto verknüpft sind.

Abbildung 6: Der Standortbericht übermittelt die Position des Handys an Google.
Abbildung 6: Der Standortbericht übermittelt die Position des Handys an Google.

Abbildung 7: Die komplette Standort-Historie lässt sich auch vom Handy aus löschen.
Abbildung 7: Die komplette Standort-Historie lässt sich auch vom Handy aus löschen.

Zum Deaktivieren der Standort-Funktion tippen Sie oben in der Kopfzeile der Dialoge jeweils auf den An-/Aus-Schalter. Optional können Sie hier auch den bisher gesammelten Standortverlauf komplett von den Google-Servern löschen. Google Now muss dann wieder von Null anfangen und weiß nicht mehr, wo Sie wohnen, wo Ihre Arbeit ist und wohin Sie regelmäßig fahren. Nutzen Sie Google Now nicht, bringt das Löschen keine Nebenwirkungen.

Alternativ können Sie den Standortverlauf auch direkt über das Web-Frontend löschen. Dort haben Sie mit den Punkten Verlauf für diesen Tag löschen, Verlauf für diesen Zeitraum löschen oder auch Kompletten Verlauf löschen die Möglichkeit einzelne Tage, ganze Zeitspannen oder auch die komplette Historie zu löschen. Auch einzelne Punkte lassen sich entfernen. Wer die gesammelten Daten selber weiterverarbeiten möchte, kann diese über den Eintrag IN KML exportieren auch lokal speichern.

Android Apps&Tipps meint?

Auch wenn Google Now eine praktische Funktion von Android ist, dürfte den wenigsten Android-Usern klar sein, in welchen Umfang sie mit dem Setzen dieser zwei Schalter bei der Einrichtung des Handys Google erlauben, Daten zu sammeln. Google sollte die Funktion als Opt-In anbieten und nicht als Opt-Out. Denn die meisten Nutzer werden den Dialog bei der Ersteinrichtung des Handys abnicken, ohne über die Konsequenzen im Klaren zu sein.

Natürlich gibt es für die Datensammelei auch zahlreiche nützliche Anwendungen. Zum Beispiel können Sie damit eine Wanderung aufzeichnen und den Verlauf dann auf einer Karte anzeigen, um die Wanderung mit Freunden zu teilen. Oder Sie benutzen das Handy als Fahrtenschreiber, der alle Ausflüge genau speichert. Und natürlich für den Dienst Google Now, mit dem Zusammen Google die Funktion auch eingeführt hat.

In den falschen Händen sind die gesammelten Google-Daten jedoch eine mächtige Waffe. Behörden müssen nicht mal mehr die Daten von Mobilfunkmasten auswerten und die Besitzer der eingeloggten Geräte ermitteln – was bei Prepaid-Karten oft gar nicht möglich ist. Google könnte einer Behörde ganz einfach sagen, welche Google-Accounts sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Gebiet einer Demonstration aufgehalten haben.


Infos

  1. Google Location history: https://maps.google.com/locationhistory

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