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Google soll die Installation von Apps unbekannter Herkunft verbieten

Android ist das bessere System, weil es offen ist. Aber genau diese Offenheit bereitet Android auch immer wieder mal Probleme, zum Beispiel wenn Apps einfach so raubkopiert werden oder Malware über diverse Quellen vertrieben wird. Hier unser Meinungsbeitrag zum Android User Feedback Friday.

Wer von euch hat schon mal eine App aus eine APK-Datei installiert? Wer sich jetzt fragt was eine APK-Datei ist, kann an dieser Stelle aus dem Artikel aussteigen und die Frage "Soll Google die Installation von Apps unbekannter Herkunft verbieten?" mit "JA" beantworten. Denn der Nutzer verliert dadurch zwar eine Funktion, die ihm einen Funken Android-Freiheit verschafft, würde aber durch ein Verbot eine recht große Portion Sicherheit für Android-System dazugewinnen. Doch worum geht’s?

Android Apps installiert man aus Google Play. Denkste! Sehr viele Nutzer machen einen Bogen um den Google-App-Store, sobald es darum geht, kostenpflichtige Apps zu kaufen. Sei es ein Spiel für 99 Cent oder eine größere App für zehn oder mehr Euro, es gibt fast keine App, die man nicht auch außerhalb von Google Play findet. Meistens handelt es sich dabei um eine spezielle Version einer kostenpflichtigen App, die dann so manipuliert wird, dass man keinen Registrierungsschlüssel mehr benötigt. Die Mentalität, Software zu klauen, anstatt dafür zu bezahlen, ist heute auch unter Android an der Tagesordnung. Seiten, die üblicherweise gecrackte Windows-Anwendungen verbreiten, haben sich nun auf das Geschäft mit gecrackten Android-Apps spezialisiert und der Nutzer findet irgendwann irgendwie zu einem Link, der dann eine APK-Datei verspricht. Oft befinden sich dabei auch kostenpflichtige Angebote fürs Usenet etc. Einmal dort die Monatsgebühr entrichten und dann via Flatrate Software klauen. So wird’s gemacht.

Das ist aber nur eine Kehrseite der Medaille, denn neben den geklauten Apps verbreitet sich auch immer mehr Malware für Android. Hierzulande ist das Problem noch recht marginal, aber da die Warez-Szene und die Malware-Szene sich gegenseitig anziehen, steig die Anzahl an böswilligen Android-Apps kontinuierlich.

Google soll dem Ganzen einen Riegel vorschieben

Microsoft wird oft kritisiert, dass man bei Windows XP und Co. absichtlich sehr lange beide Augen zugedrückt habe, um einfach für eine möglichst schnelle Verbreitung von Windows zu sorgen. Google tut nun — eigentlich — das Gleiche. Denn um die ganzen APK-Raubkopien und Malware-Apps zu stoppen würde genügen, eine einzige Funktion aus dem Android-System zu entfernen: Die Installation von APK-Dateien aus unbekannten Quellen. Fehlt die Möglichkeit, Apps aus unbekannten Quellen zu installieren, dann bringt es nichts mehr, in den Tiefen des Internets nach irgendwelchen APK-Dateien von Angry Birds zu suchen. Denn selbst bei Gratisspielen weichen einige Nutzer zur Suche über das Internet aus. 15 Jahre Windows scheinen hier die User nicht unbedingt in die richtige Richtung gelenkt zu haben… Ohne die Installation aus unbekannten Quellen hätten auch Schad-Apps einen deutlich schwierigeren Stand und man könnte sich wirklich darauf beschränken, das Angebot bei Google Play genau auf Schadecode zu untersuchen. 

Die Installation von Apps unbekannter Herkunft ist ein Sicherheitsrisiko und fördert Raubkopien.
Die Installation von Apps unbekannter Herkunft ist ein Sicherheitsrisiko und fördert Raubkopien.

Und die Nebenwirkungen?

Eine nicht unbedingt kleine Nebenwirkung habe ich bislang unterschlagen: fehlt die Option zur Installation aus unbekannten Quellen, dann fallen natürlich auch sämtliche alternativen Android-Märkte weg. Das würde also das Aus für Amazon, Androidpit, Samsung Apps und viele viele weitere Stores bedeuten. Diese Märkte könnten dann nur noch auf Geräten funktionieren, bei denen der Hersteller den entsprechenden Shop in die Firmware einbaut. Eine nachträgliche Installation wäre hingegen nicht mehr möglich. Doch dieser Wegfall wäre aus meiner Sicht zu verkraften. Wer schaut schon bei Samsung Apps oder bei Amazons App Store vorbei? Es wäre doch viel besser, wenn diese Apps alle bei Google Play wären.

Vom ganzen "Verbot" ausgeschlossen wären natürlich alle, die sich ein Custom-ROM auf Ihr Android-Gerät installieren, also eine inoffizielle Firmware. Das könnte eventuell dazu führen, dass sich mehr Leute Custom-ROMs installieren, was wiederum zu einer zusätzlichen Zersplitterung des Android-Ökosystems führen würde. Doch schaut man sich die aktuellen Zahlen zur Android-Verteilung an, dann setzen vermutlich 90 Prozent aller Nutzer die Software-Version ein, die sie vom Hersteller geliefert bekommen.

Nur noch für Entwickler

Mein Vorschlag deshalb: Google soll die Installation aus unbekannten Quellen für Android 5.0 so ändern, dass die Funktion nur noch für registrierte Android-Entwickler via SDK/Command Line nutzbar ist. Das würde die Software-Piraterie bei Android deutlich reduzieren und den Malware-Herstellern das Handwerk ziemlich erschweren. Zugleich muss Google dann aber im eigenen Laden alias Play Store kräftig aufräumen, um die Sicherheit bei allen Apps zu garantieren. Vielleicht täusche ich mich ja auch und habe etwas Grundlegendes übersehen. Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

1 Kommentar

  1. Die Idee klingt erstmal gut, aber vieles wurde hier übersehen.
    Ich sichere alle meine apk-Dateien. Warum? Weil nicht jedes Update eine App besser macht. Und um diese Sicherungen zu installieren, braucht man diese Funktion.

    Ein weiterer Punkt ist, das Apps nicht ewig verfügbar sind, zB weil die Programmier-Firma inzwischen aufgelöst ist.
    Was aber, wenn man die App bezahlt hat?
    Auch hier hilft nur die gesicherte apk.

    Dann kommt hinzu, das man nicht immer Internet hat. Ausgerechnet jetzt jedoch braucht man diese Werkzeug-Tool-App, die man mal installiert hatte.
    Aber hey, man hat doch noch die Sicherung.

    Ich bin gegen die Beschränkung. Wozu Einschränkungen führen können, hat diese vermaledeite SD-Karten-Einschränkung gezeigt, bei der man nicht mehr auf die externe SD-Karte speichern konnte.
    Eine dämliche Idee, die zum Untergang einiger Apps geworden ist, obwohl es für gerootete Geräte einen entsprechenden Fix gibt.

    Es gibt keinen Schutz, der die Freiheit nicht einschränkt. Das ist genauso wie mit der öffentlichen Sicherheit.

    Mehr Überwachung = mehr Sicherheit.
    Mehr Freiheit = mehr Eigenverantwortung notwendig.

    Mir ist letzteres eindeutig lieber.

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