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Franco Kernel auf dem Nexus 4 testen

Es gibt viele gute Gründe einen alternativen Kernel auf seinem Smartphone zu nutzen: Verbesserte Akkulaufzeit, mehr Funktionen und eine gewisse Personalisierbarkeit sind nur einige davon. Zu den besten Custom-Kerneln für Nexus-Geräte gehört der Franco-Kernel.

Um einen Kernelwechsel durchzuführen, sind oft tief ins System eingreifende Maßnahmen wie Root oder ein Custom Recovery nötig. Das hält viele Nutzer davon ab, einen alternativen Kernel zu installieren. Dabei bewirkt ein frischer Kernel manchmal Wunder bei der Akkulaufzeit und in vielen weiteren Punkten.

Dieser Artikel beschreibt, wie Sie auf dem Nexus 4 einen alternativen Kernel testen – und zwar ohne Root und ohne Custom-ROM. Der Kernel bleibt so lange aktiv, bis Sie das Nexus 4 neu starten. So bleibt Ihnen genügend Zeit, die Vor- oder Nachteile ausgiebig zu testen. Nach einem Neustart des Geräts ist wieder der ursprüngliche, von Google gelieferte Kernel auf dem Gerät.

Der Franco Kernel

Als alternativen Kernel haben wir uns für den Franco-Kernel entschieden. Dieser dürfte so manchem Leser schon aus Zeiten eines Galaxy Nexus, Galaxy S3 oder Nexus 7 bekannt sein. Besondere Kennzeichen des Kernels sind in der speziellen Version für das Nexus 4 seine Stabilität und die Integration der neuesten Patches von Qualcomm (zur Verbesserung der Batterielaufzeit sind die msm_hsic_host-Wakelocks eliminiert) und von Google. Für Poweruser gibt es zudem noch eine App für weitere Anpassungen und einfache Updates des Kernels, doch dazu später mehr.

Um die hier beschriebenen Schritte am Smartphone nachzuvollziehen, benötigen Sie das Nexus 4 Toolkit [1]. Es ersetzt langwierige Konsolenbefehle durch einfache und nachvollziehbare Menünavigation. Das Toolkit läuft unter Windows und bringt alles mit was benötigt wird. Zudem gibt es hilfreiche Hinweise und Anweisungen. Unter Linux und Mac OS X müssen Sie über die Kommandozeile arbeiten.

Abbildung 1: Übersicht über das Toolkit. Die Zeile unter Fastboot Mode zeigt die Kennung eines angeschlossenen Nexus 4 an.
Abbildung 1: Übersicht über das Toolkit. Die Zeile unter Fastboot Mode zeigt die Kennung eines angeschlossenen Nexus 4 an.

Nexus 4 Toolkit einrichten

Zunächst müssen Sie auf dem PC das Toolkit und die Treiber für das Nexus 4 installieren. Dazu einfach den Installationsanweisungen folgen. Ist das Programm installiert, fragt es nach dem ersten Start nach der Android-Version. Diese lässt sich unter Einstellungen | Über das Telefon als viertletzter Punkt auf dem Nexus 4 finden (Abbildung 4). Nach der Auswahl am Toolkit müssen Sie im ersten Schritt die Treiber für das Nexus 4 unter Windows installieren. Dazu trennen Sie das Nexus vom PC und wählen den Menüpunkt 1 im Toolkit aus (eine 1 eintippen und die Enter-Taste drücken). Es folgt die Auswahl des genutzten Betriebssystems und dann Install Drivers to your PC.

Ist das erledigt kann es auch schon richtig losgehen: Der Bootloader muss geöffnet werden. Aber Achtung: Dabei wird das Nexus 4 auf Werkseinstellungen zurückgesetzt! Es empfiehlt sich also, vorher sämtliche Daten zu sichern. Um den Bootloader zu entsperren ldsen Sie das Nexus 4 auf mindestens 80 % auf und schalten es dann aus. Wenn es ausgeschaltet ist, zunächst die [Leiser]-Taste drücken, gedrückt halten und gleichzeitig die [Power]-Taste drücken. Es erscheint ein grün eingerahmter Start-Schriftzug auf dem Nexus 4. Das Handy befindet sich nun im sogenannten Fastboot-Modus (Abbildung 2) und ist bereit, von einem Windows-, Mac- oder Linux-Rechner aus Befehle entgegenzunehmen.

Abbildung 2: Nexus 4 im Fastboot-Modus. Jetzt kann es per USB mit dem PC verbunden werden.
Abbildung 2: Nexus 4 im Fastboot-Modus. Jetzt kann es per USB mit dem PC verbunden werden.

Das Nexus 4 liegt also erwartungsvoll im Fastboot-Modus und wird nun mit dem PC über USB verbunden. Schließen Sie das Nexus 4 zum ersten Mal im Fastboot-Modus an einen Windows-Rechner an, dann müssen Sie warten, bis Windows die passenden Treiber installiert hat. Im Nexus-4-Toolkit sehen Sie dann in der 6. Textzeile von oben unter Fastboot-Mode eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben: Das ist die Kennung des Nexus 4 und der Beweis dafür, dass es richtig erkannt wurde (Abbildung 1). Sollte das nicht der Fall sein, müssen Sie das Toolkit neu starten. Bringt auch das keine Besserung, kann es hilfreich sein, die Treiber erneut zu installieren, einen anderen USB-Port zu verwenden oder ein anderes Kabel auszuprobieren. Android User empfiehlt, stets das USB-Kabel des Herstellers zu benutzen, das es damit erfahrungsgemäß keine Probleme gibt.

Nun den Menüpunkt 3 des Toolkits wählen (Unlock or Re-Lock your Bootloader), dann den Menüpunkt 1 eingeben und durch Eingabe von yes bestätigen.

WARNUNG

Beim Entsperren des Bootloaders wird das Nexus 4 auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt und alle Daten gelöscht!

Franco Kernel installieren

Ist der Bootloader geöffnet, laden Sie den Kernel als .img-Datei herunter. Dazu rufen Sie die Seite des Entwicklers auf [2] und laden die aktuellste Version in den Ordner put_img_files_to_flash_here des Nexus 4 Toolkits herunter. Dieser Ordner ist – wenn bei der Installation des Toolkits kein anderes Verzeichnis gewählt wurde – unter C:Google Nexus 4 ToolKit zu finden. Wir verlinken hier absichtlich keine spezifische Kerneldatei, weil ziemlich sicher zwischen Redaktionsschluss und dem Erscheinen des Artikels das Update für Android 4.2.2 ausgeliefert wird, was natürlich auch einen neuen Franco-Kernel mit sich zieht. Aktuell (Mitte Februar) ist die Version boot-r72.img die neueste.

Das Nexus 4 wird nun wieder in den Fastboot-Modus versetzt und das Toolkit gestartet. Nach Auswahl der Android-Version wählen Sie dieses Mal Punkt 11 Boot or Flash .img Files to Device. Im folgenden Menü sollte der Name der in den Ordner put_img_files_to_flash_here gelegten Datei zu finden sein, also zum Beispiel boot-r72.img. Tippen Sie den Dateinamen ein und bestätigen Sie mit [Enter]. Dann wählen Sie den Menüpunkt 1 Boot und bestätigen in der nun erscheinenden Sicherheitsfrage mit yes – fertig! Das Nexus 4 startet nun mit dem Franco Kernel neu.

Abbildung 3: Hier wählen Sie den als .img-Datei vorliegenden Kernel zum Booten aus.
Abbildung 3: Hier wählen Sie den als .img-Datei vorliegenden Kernel zum Booten aus.

Ob alles geklappt hat lässt sich wieder unter Einstellungen | Über das Telefon überprüfen: Unter Kernel-Version sollte nun der Schriftzug franco.kernel zu lesen sein.

Abbildung 4: Auf dem Nexus 4 ist jetzt der Franco-Kernel gebootet - bis zum nächsten Reboot.
Abbildung 4: Auf dem Nexus 4 ist jetzt der Franco-Kernel gebootet – bis zum nächsten Reboot.

Dieser Kernel ist jetzt gebootet, nicht geflasht. Das was hier nach James Bond klingt bedeutet im Klartext dass der nun laufende Franco-Kernel nur so lange seinen Dienst verrichtet, wie das Nexus 4 angeschaltet bleibt. Nach einem Neustart geht er vergessen, lässt sich aber jederzeit wieder neu booten oder permanent flashen.

Lust auf mehr?

Auch wenn der Franco Kernel alleine schon Verbesserungen bringen kann, lohnt es sich in den meisten Fällen, das Nexus 4 für eine feste Installation zu rooten. Auch das Rooten erledigen sie bequem aus dem Nexus-4-Toolkit heraus. Anschließend holen Sie sich bei Google Play die App Franco.Kernel Updater [3]. Sie installiert automatisch den neuesten stabilen Kernel und erlaubt individuelle Anpassungen an der Vibrationsstärke, den Displayfarben oder CPU-Taktfrequenz. Im Übrigen funktioniert der Franco-Kernel auch mit dem CyanogenMOD 10.1.

Mit der beschriebenen Methode können Sie auch in ein als .img-Datei vorliegendes Custom-Recovery booten und auf diese Art Custom ROMs installieren, ohne die Recovery-Partition des Nexus 4 dauerhaft zu verändern.

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