Start Magazin Drei Dateimanager im Vergleich

Drei Dateimanager im Vergleich

Wer sein Smartphone nicht nur zum Telefonieren, Chatten und Spielen nutzt, kommt früher oder später an einem Dateimanager nicht vorbei. Wir stellen drei besonders gute Apps vor.

Ein vernünftiger Dateimanager ist unerlässlich, um mit Dateien auf einem Android Gerät zu arbeiten. Obgleich manche Hersteller ihre Android Smartphones und Tablets mit vorinstallierten Dateimanagern ausliefern, bieten derlei Apps für gewöhnlich nur grundlegende Funktionen wie das Kopieren, Verschieben und Löschen von Dateien. Für alles, was darüber hinausgeht, braucht man leistungsstärkere Apps. In diesem Artikel nehmen wir drei Apps genauer unter die Lupe, die Ihnen dabei helfen, einfache wie auch erweiterte Aufgaben des Dateimanagements auszuführen.

Ghost Commander


Der Ghost Commander [1] verfügt über einige Eigenschaften, die ihn aus der Masse hervorstechen lassen. Allem voran unterstützt der Dateimanager eine Zwei-Panel-Technik, welche es sehr vereinfacht, Dateien zwischen verschiedenen Orten zu verschieben oder sie zu kopieren. Mögen Sie die Zweispaltige-Oberfläche nicht, können Sie auch in den sogenannten "Overlapped-Modus" wechseln, der ein einzelnes Fenster aufweist. Um von der Zwei-Panel-Oberfläche zum Einfenster-Modus zu wechseln, wählen Sie Menu | Application und drücken auf Change panels mode.

Abbildung 1: Ghost Commander unterstützt eine Zwei-Fenster-Oberfläche.
Abbildung 1: Ghost Commander unterstützt eine Zwei-Fenster-Oberfläche.

Der Ghost Commander bietet zwei Möglichkeiten, das Dateisystem zu steuern. Einerseits kann man sich in der Dateistruktur auf- und abwärts bewegen, indem man auf die Verzeichnisse tippt. Dies ist der einfache und unmittelbare Weg – aber er ist nicht der schnellste. Glücklicherweise bietet der Ghost Commander eine alternative Methode, mit welcher man schnell in ein anderes Verzeichnis wechseln kann. Berühren Sie dazu die Adresszeile des gegenwärtigen Fensters (Panel) länger und geben Sie dann den Pfad zum Zielverzeichnis ein. Betätigen Sie anschließend die Go-Taste und der Ghost Commander wechselt zum gewünschten Ort.

Abbildung 2: Wechseln Sie einfach in ein Verzeichnis, indem Sie seinen Pfad in die Adresszeile eingeben.
Abbildung 2: Wechseln Sie einfach in ein Verzeichnis, indem Sie seinen Pfad in die Adresszeile eingeben.

Das Feature Favorites ist äußerst praktisch, um auf oft genutzte Verzeichnisse zuzugreifen. Um ein bestimmtes Verzeichnis zu speichern, halten Sie es lange gedrückt und wählen Sie den Befehl Add to favorites aus dem Kontextmenü. So können Sie von Ihrem Startbildschirm aus, schnell auf das Verzeichnis zugreifen. Darüber hinaus enthält das Kontextmenü eine Handvoll anderer nützlicher Befehle. Der Info-Befehl, beispielsweise, zeigt wesentliche Informationen über das derzeitig gewählte Verzeichnis wie die Dateianzahl, die Verzeichnisgröße, das letzte Änderungsdatum sowie den freien und belegten Speicherplatz. Mit dem Befehl Create a new ZIP file können Sie aus dem derzeitig gewählten Verzeichnis ein komprimiertes ZIP-Archiv erstellen. Halten Sie eine Datei länger gedrückt, zeigt das Kontextmenü noch einige andere Befehle, darunter auch View und Open with. Der erste der beiden Befehle erstellt eine schnelle Vorschau der Datei, während letzterer es ermöglicht, die Datei mit einer bestimmten App zu öffnen.

Abbildung 3: Das Kontextmenü enthält verschiedene nützliche Funktionen.
Abbildung 3: Das Kontextmenü enthält verschiedene nützliche Funktionen.

Während herkömmliche Aktionen an Dateien und Verzeichnissen über die entsprechenden Befehle im Kontextmenü ausgeführt werden können, ermöglicht der Ghost Commander dies ebenso über die zugehörigen Shortcut-Tasten am unteren Rand des Displays. Das Besondere daran ist, dass verschiedene, oft genutzte Befehle, wie Umbenennen, Ansicht, Kopieren, Verschieben und Löschen, durch das Betätigen der numerischen Tasten auf der Tastatur ausgelöst werden können. Dieses Feature ist vor allem in Verbindung mit einer realen Tastatur sehr nützlich, zum Beispiel beim Transformer von Asus. Die Symbolleiste mit den Shortcuts enthält zudem verschiedene andere Tasten, mit welchen man schnell Dateien und Verzeichnisse nach verschiedenen Kriterien (nach Name, Größe, Dateiendung, Datum) sortieren kann, Orte in beiden Fenstern synchronisieren, zwischen den Fenstern hin- und herschalten und zum Startbildschirm springen kann. Der Ghost Commander unterstützt außerdem einen flexiblen Mechanismus, mit welchem bestimmte Dateien und Verzeichnisse ausgewählt werden können. Drücken Sie auf Menu | List und wählen SieSelect all. Im neuen Dialogkönnen Sie nun eine Auswahlmaske festlegen, um damit konkrete Dateien und Verzeichnisse herauszusuchen. Beispielsweise wählt *.jpg alle JPG-Dateien aus (bzw. alle Dateien mit der Endung .jpg).

Abbildung 4: Mit dem Selektieren-Feature legen Sie eine Auswahlmaske fest.
Abbildung 4: Mit dem Selektieren-Feature legen Sie eine Auswahlmaske fest.

Zugriff auf Windows-Systeme

Zusätzlich zu dem lokalen Dateisystem bietet der Ghost Commander Zugriff auf Dateien, die auf einem FTP-Server gespeichert sind. Hierzu gehen Sie auf den Eintrag FTP site auf dem Startbildschirm, geben die benötigte Verbindungsinformation ein und drücken OK. Sie können die festgelegte Verbindung für spätere Anwendungen speichern, indem Sie sie unter Favoriten hinzufügen. Neben FTP arbeitet der Ghost Commander auch mit Windows-Freigaben, aber dafür benötigt man das SMB-Plugin [2]. Einmal installiert, fügt das Plugin den Eintrag Windows share auf dem Startbildschirm hinzu und Sie können mit dem Ghost Commander auf Dateien zugreifen, die auf einem Windows-Rechner gespeichert sind.

Abbildung 5: Mit dem Ghost Commander kann man auf FTP-Server und Windows-Freigaben zugreifen.
Abbildung 5: Mit dem Ghost Commander kann man auf FTP-Server und Windows-Freigaben zugreifen.

Der Ghost Commander unterstützt darüber hinaus einen sogenannten Root-Modus, mit welchem man Lese- bzw. Schreibzugriff zum Dateisystem auf gerooteten Android Geräten erhält. Es gibt zwei Möglichkeiten zum Root-Modus zu gelangen: Halten Sie die Symbolleiste des Fensters (Panels) gedrückt und geben Sie den Pfad zur gewünschten Position mit einem vorangestellten root:/ ein. Wenn Sie den Root-Zugriff regelmäßig brauchen, dann können Sie Ihrem Startbildschirm auch den Eintrag Root mode hinzufügen. Gehen Sie auf Menu | Application | Settings und aktivieren Sie die Option Show root and mounts. Wenn Sie das Kontrollkästchen Automatic root mode anhaken, wird der Ghost Commander automatisch zum Root-Modus wechseln, sobald Sie sich im Root-Verzeichnis des Geräts befinden.

Abbildung 6: Der Dateimanager verfügt über einen Root-Modus, welcher auf gerooteten Android Geräten sehr nützlich ist.
Abbildung 6: Der Dateimanager verfügt über einen Root-Modus, welcher auf gerooteten Android Geräten sehr nützlich ist.

Letztlich kann der Ghost Commander auch wie ein einfaches Tool genutzt werden, das Apps, die auf Ihrem Gerät installiert sind, verwaltet. Gehen Sie zum Eintrag Applications auf dem Startbildschirm und der Dateimanager zeigt Ihnen eine Liste der installierten Apps. Direkt aus dem Ghost Commander heraus können Sie sich die Apps anzeigen lassen, verwalten oder deinstallieren. Da der Dateimanager Apps in andere Verzeichnisse kopieren kann, lässt sich dieses Feature auch nutzen, um Apps zu sichern.

Abbildung 7: Sie können mit dem Ghost Commander Ihre installierten Apps verwalten.
Abbildung 7: Sie können mit dem Ghost Commander Ihre installierten Apps verwalten.

Der Ghost Commander bietet eine große Zahl an nützlichen Features, die ihn zu einem perfekten Tool für Power User machen. Für Tablets mit richtiger Tastatur ist der Support von Tastenkombinationen ein großartiges Feature, während Besitzer eines gerooteten Android Geräts den Root-Modus schätzen werden. Und die Fähigkeit sich mit FTP-Servern und Windows-Freigaben zu verbinden, macht den Ghost Commander zu einem unverzichtbaren Tool für jeden, der unterwegs auf Dateien zugreifen muss, die auf einem entfernten Rechner gespeichert sind.

Root Explorer


Wie der Name schon sagt, wurde der Root Explorer [3] für den Gebrauch auf gerooteten Android Geräten konzipiert. Aber diese App lässt sich ebenso als normaler Dateimanager auf ungerooteten Geräten nutzen. Der Root Explorer hat eine traditionellere Oberfläche mit nur einem Fenster, welche schnellen Zugang zu allen wichtigen Tools bietet. Er ist nicht überladen, besitzt aber trotzdem alle notwendigen Funktionen. Man kann Dateien und Verzeichnisse verschieben, kopieren, umbenennen und löschen sowie Dateien mittels Androids Sharing-Funktionen freigeben. Mit dem Dateimanager kann man oft genutzte Verzeichnisse für einen schnelleren Zugriff als Lesezeichen speichern. Um ein Verzeichnis zu speichern, halten Sie es lange gedrückt und wählen Add Bookmark. Über Menu | Bookmarks greifen Sie dann auf die Lesezeichen zu.

Abbildung 8: Der Root Explorer ist ideal für den Gebrauch auf gerooteten Android-Geräten.
Abbildung 8: Der Root Explorer ist ideal für den Gebrauch auf gerooteten Android-Geräten.

Ein einfaches Search-Tool ermöglicht die Suche nach bestimmten Dateien im derzeitigen Verzeichnis, während man mit dem Tool zur Mehrfachauswahl mehrere Dateien und Ordner auswählen kann. Letzteres ist nicht so flexibel wie die Möglichkeiten der Dateiauswahl beim Ghost Commander, aber es erfüllt seinen Zweck. Ähnlich wie beim Ghost Commander kann man mit dem Root Explorer ein Archiv aus dem derzeitig geöffneten Verzeichnis erstellen. Aber zusätzlich zum ZIP-Format unterstützt die App auch TAR-Archive.

Der Root Explorer weist außerdem einen eingebauten Text-Viewer und Editor auf, mit welchem man Textdateien direkt im Dateimanager vorab ansehen und bearbeiten kann. Zudem verfügt die App über einen eingebauten SQL Database Viewer. Da viele Android Apps Daten in SQL-Datenbanken speichern, kann der Viewer behilflich sein, die gespeicherten Daten anzuzeigen und zu analysieren.

Der Root Explorer ist keine kostenlose App und wenn Sie nicht gerade über ein gerootetes Android Gerät verfügen, dann wird dieser Dateimanager wahrscheinlich Ihren Ansprüchen nicht gerecht, da Google Play auch zahlreiche andere Dateimanager bereithält, die nichts kosten.

ES File Explorer


Ähnlich wie der Ghost Commander bietet der ES File Explorer [4] eine Fülle an nützlichen Features und Tools. Tatsächlich kann der Dateimanager verschiedenste Apps ersetzen, die auf Daten und Apps zugreifen und sie verwalten. Zum Beispiel verfügt der ES File Explorer über einen eingebauten Media Player. Sie können also direkt aus dem Tool heraus Musik abspielen. Um dieses Feature zu nutzen, halten Sie das Verzeichnis mit den Musikdateien lange gedrückt und wählen Music aus dem Kontextmenü. Dann drücken Sie Play, um die Tracks abzuspielen. Anschließend können Sie die gegenwärtige Songliste als Playlist für spätere Anwendungen speichern.

Der Dateimanager besitzt außerdem ein leistungsstarkes App Management Tool, mit dessen Hilfe man die installierten Apps kontrollieren kann. Um zur App-Management-Oberfläche zu wechseln, klicken Sie auf AppMgr in der Hauptsymbolleiste. Sie können dann die verfügbaren Tools in der Menu-Leiste nutzen, um die installierten Apps zu verwalten, löschen und zu sichern. Einzelne Apps sichern Sie, indem Sie sie antippen und Backup aus dem Kontextmenü auswählen. Mit der Mehrfachauswahl-Funktion des ES File Explorer sichern Sie mehrere Apps in einem Schritt. Betätigen Sie die Taste Select in der Hauptsymbolleiste, wählen Sie die Apps aus, die Sie sichern möchten, und drücken Sie Menu | Backup. Die Datensicherung speichert APK-Dateien im vorgegebenen Sicherungsverzeichnis sdcard/backups/apps, Sie können in den Einstellungen des Dateimanagers aber auch einen anderen Ort festlegen.

Abbildung 9: Der ES File Explorer besitzt einen eingebauten Music Player.
Abbildung 9: Der ES File Explorer besitzt einen eingebauten Music Player.

Abbildung 10: Mit dem ES File Explorer kann man Apps verwalten und sichern.
Abbildung 10: Mit dem ES File Explorer kann man Apps verwalten und sichern.

Der ES File Explorer unterstützt alle grundlegenden Operationen wie Verschieben, Kopieren, Umbenennen und Löschen. Zusätzlich zu den Lesezeichen bietet der Dateimanager die Möglichkeit, Tastenkürzel zu bestimmten Verzeichnissen zu erstellen. Auf diesem Weg kann man einfach zu dem Verzeichnis springen, indem man auf das entsprechende Verknüpfungssymbol auf dem Android Desktop klickt.

Der ES File Explorer brilliert regelrecht, wenn es darum geht, auf Dateien zuzugreifen, die auf entfernten Rechnern gespeichert sind. Die App weist vier Tabs auf (Sie können diese unterMenu | Show Tabs aktivieren), welche entfernte Ziele nach Typ gruppieren, und Sie leicht mehrere Verbindungsprofile verwalten lässt. Bei der Tablet-Version sind die Tabs von Haus aus sichtbar, nutzen Sie den ES File Explorer auf einem Smartphone, gelangen Sie per Wisch-Geste zum nächsten Reiter.

Unter dem Abschnitt LAN können Sie Windows-Freigaben hinzufügen und auf diese zugreifen. Mit der New-Taste in der Hauptsymbolleiste können Sie ein Verbindungsprofil manuell hinzufügen oder einen Scan durchführen, um Server im Netzwerk zu ermitteln. Unter dem Eintrag FTP konfigurieren Sie die FTP-Verbindungen, während Sie mit dem Tab Net Verbindungsprofile für Speicherdienste wie Box.net, SugarSync, SkyDrive und Google Drive hinzufügen können. Dank der eingebauten FTP-Fähigkeiten kann der ES File Explorer auch als ein FTP-Server agieren. Dies erlaubt es Ihnen, sich über einen normalen FTP-Client mit Ihrem Android Gerät zu verbinden und auf Daten zuzugreifen, die darauf gespeichert sind. Um den Server zu aktivieren, wählen Sie Menu | Settings, wechseln zum Eintrag Remote Settings und aktivieren die Remote Manage-Option. Nun können Sie sich mit Ihrem Android Gerät mittels der URL, die von der App generiert wurde, verbinden.

Ähnlich wie der Ghost Commander bietet auch der ES File Explorer Root-Zugriff auf gerootete Android Geräte. Sie aktivieren dieses Feature, indem Sie das Kontrollkästchen Root Explorer in den Einstellungen anhaken.

Abbildung 11: Der Dateimanager unterstützt verschiedene, gängige Speicherdienste.
Abbildung 11: Der Dateimanager unterstützt verschiedene, gängige Speicherdienste.

Schließlich zeichnet sich der Dateimanager durch ein intelligentes SD Card Analyst Tool aus. Tippen Sie auf die Taste AppMgr, wählen Sie SD Card Analyst aus und der ES File Explorer erfasst sinnvolle Statistiken über die Verwendung des Festplattenspeichers. Dazu gehören der gesamte, belegte und freie Speicherplatz, die Größe des derzeitigen Verzeichnisses und die Daten nach Typ geordnet. Die Angaben bereitet der Dateimanager grafisch hübsch auf.

Abbildung 12: Das SD Card Analyst Tool liefert nützliche Informationen über die Verwendung des Festplattenspeichers.
Abbildung 12: Das SD Card Analyst Tool liefert nützliche Informationen über die Verwendung des Festplattenspeichers.

Der ES File Explorer ist ein vielseitiger Dateimanager, der über genügend Tools und Features verfügt, um sogar die anspruchsvollsten Nutzer zufriedenzustellen. Die Fähigkeit sich mit gängigen Speicherdiensten wie Box.net oder Google Drive zu verbinden, macht ihn zum unverzichtbaren Mittel der Wahl. Besser noch: Der ES File Explorer ist kostenlos im Google Play Store erhältlich, daher sollte man ihn einfach ausprobieren.

Fazit

Natürlich sind der Ghost Commander und der ES File Explorer nicht die einzigen verfügbaren Dateimanager für die Android Plattform. Aber man kann mit keinem von beiden etwas falsch machen. Der Ghost Commander wird wahrscheinlich diejenigen Nutzer ansprechen, die die Zwei-Fenster-Technik mögen, während der ES File Explorer perfekt geeignet ist, um auf Daten zuzugreifen, die sich auf entfernten Rechnern oder Speicherdiensten befinden. Das Beste an beiden ist, dass sie kostenlos sind. Nicht zu vergessen, der Root Explorer: Es mangelt im vielleicht an einigen erweiterten Funktionen, aber wenn Sie Spaß daran haben, am System zu basteln, dann ist er genau das richtige Tool dafür.

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here