Start Magazin Digitale Spiegelreflexkameras mit Android fernsteuern

Digitale Spiegelreflexkameras mit Android fernsteuern

Auch wenn sich mit Smartphones mittlerweile recht gute Fotos schießen lassen, nimmt mancher Hobbyfotograf dennoch seine DSR-Kamera mit in den Urlaub. Gut so, denn zusammen mit dem Androiden schießen Sie noch bessere Fotos.

Ein Android-Gerät bewältigt mithilfe entsprechender Apps eine Vielzahl von Aufgaben im Bereich der Fotografie: von der schnellen Berechnung der Schärfentiefe und der Gegenstandsweite (hyperfokale Entfernung) bis hin zum Retuschieren von Fotos und der Vorschau von RAW-Dateien. Aber als Fotograf holen Sie aus Ihrem Androiden noch viel mehr heraus, gerade in Kombination mit einer Spiegelreflexkamera.

USB-Host sei Dank

Das Android System unterstützt von der Version 3.1 an den sogenannten USB Host-Modus. Er erlaubt es Ihnen, auch USB-Peripheriegeräte mit Ihrem Android-Gerät zu bedienen. Dies bedeutet in der Praxis, dass Sie auch eine digitale Spiegelreflexkamera mit USB-Anschluss aus Ihrer gewohnten Android-Umgebung heraus ansteuern können, was wiederum ganz neue Perspektiven für die Fotografie eröffnet. Um nur einige Vorteile zu nennen: Ihr Android-Gerät hat einen deutlich besseren und größeren Bildschirm als Ihre Kamera, also eignet es sich perfekt für die Arbeit im Live-Vorschau-Modus und für die manuelle Fokussierung bei schlechteren Lichtverhältnissen. Auch Aufnahmen aus schwierigen Winkeln meistern Sie viel einfacher, wenn Sie Ihr Android-Gerät als Erweiterung für Ihre Kamera verwenden. Die Möglichkeit zur Fernsteuerung der Kamera ist ein echter Segen für Liebhaber der Tierwelt- und Makrofotografie. Noch dazu ist die Aufrüstung Ihres Androiden zur Fernbedienung einer DSLR-Kamera weder teuer noch zeitaufwendig. Am besten merken Sie sich diese Aufgabe als Foto-Projekt für den nächsten regnerischen Tag vor.

Um Ihr Android-Gerät in eine Fernbedienung für DSLR-Kameras zu verwandeln, brauchen Sie zwei Sachen: ein entsprechendes USB-Datenkabel und eine App zur DSLR-Fernsteuerung. Wenn Ihr Android-Gerät über einen Micro-USB-Anschluss verfügt, dann brauchen Sie zusätzlich noch einen Micro-USB-Adapter, ein sogenanntes OTG-Host-Kabel (OnTheGo) wie in Abbildung 1 gezeigt. Das geeignete Kabel für Ihr Gerät besorgen Sie am einfachsten im Internet, sogar ziemlich preiswert, suchen Sie einfach nach "micro usb host kabel". Benutzen Sie ein ASUS Eee Pad Transformer oder ein ähnliches Gerät mit physikalischer Tastatur, das auch über einen standardmäßigen USB-Anschluss verfügt, reicht das USB-Datenkabel der Kamera aus. Als nächstes installieren Sie eine geeignete App für die Fernsteuerung der DSLR-Kamera auf Ihrem Androiden. Es gibt dazu mehrere Apps, die der Artikel im Folgenden vorstellt.

Abbildung 1: Ein Micro-USB OTG-Host-Kabel kostet nur ein paar Euro.
Abbildung 1: Ein Micro-USB OTG-Host-Kabel kostet nur ein paar Euro.

DslrDashboard


Wenn Sie eine DSLR-Kamera von Nikon verwenden, ist DslrDashboard [1] eine gute Wahl, die Sie am besten gleich ausprobieren. Anders als viele andere Apps für DSLR-Fernsteuerung, wird DslrDashboard derzeit kostenlos zur Verfügung gestellt, Sie riskieren also nichts dabei und können die App gründlich unter die Lupe nehmen. DslrDashboard besteht aus mehreren quelloffenen Komponenten, wie zum Beispiel die LibRaw-Bibliothek zum Dekodieren von RAW-Dateien und das Exiv2-Tool zur Bearbeitung von EXIF-Daten. Auch die App selbst steht unter einer Open-Source-Lizenz.

Die ersten Versionen der App funktionierten lediglich mit Nikon D5000, aber sie wurde während der Zeit mit der Unterstützung für andere DSLR-Kameras von Nikon aufgerüstet, darunter für die weit verbreiteten Modelle D90, D5100 und D7000. Es gibt keine offizielle Liste der unterstützten Kameramodelle. Möchten Sie wissen, mit welchen DSLR-Kameras von Nikon die App bereits erfolgreich verwendet wurde, dann lesen Sie den Thread zu DslrDashboard im XDA-Entwicklerforum [2].

Abbildung 2: Die grafische Bedienfläche von DslrDashboard ist gut geeignet auch für kleinere Bildschirme.
Abbildung 2: Die grafische Bedienfläche von DslrDashboard ist gut geeignet auch für kleinere Bildschirme.

Die ersten Schritte mit DslrDashboard (oder einer anderen App für die Fernsteuerung von Kameras) sind nicht besonders kompliziert: installieren Sie die App, schließen Sie die DSLR-Kamera an Ihrem Android-Gerät an und schalten Sie die Kamera ein. Das Android-System fordert Sie dann auf, die gewünschte App für die Bedienung der angeschlossenen Kamera auszuwählen. Wählen Sie DslrDashboard aus und tippen Sie auf OK, um die Anwendung zu starten. Möchten Sie, dass in Zukunft DslrDashboard beim Anschließen der Kamera automatisch startet, aktivieren Sie auch das Kontrollkästchen neben Standardmäßig für dieses USB-Gerät verwenden, bevor Sie auf OK tippen.

Auf der grafischen Bedienfläche von DslrDashboard sehen Sie mehrere Schaltflächen an den Seitenrändern des Bildschirms verteilt, die unter anderem zur Kontrolle von Blendeneinstellung, Belichtungskorrektur, Blitzmodus, Dynamikumfang (D-Lighting) dienen. Mit dem AF-Button stellen Sie den Fokus für die Kamera schnell ein, und mit der entsprechenden Taste bestimmen Sie, wo die neuen Aufnahmen gespeichert werden. In der Grundeinstellung legt die App die Bilder auf der Speicherkarte der Kamera ab, wenn Sie aber Ihre Fotos lieber automatisch auf Ihr Android-Gerät übertragen und dort speichern wollen, wählen Sie die Option SDRAM aus. Darüber hinaus hat DslrDashboard zwei verschiedene Auslösertasten: die eine speichert die Aufnahme nach dem Auslösen direkt auf der Speicherkarte in der Kamera, die andere aber auf dem Android-Gerät.

Mithilfe der Buttons auf der rechten Bildschirmseite ändern Sie die Grundeinstellungen für Bildqualität und Bildgröße, Weißabgleich, ISO-Wert, Schärfe- und Belichtungsmessung, Fokus-Modus, Autofokus für Live-Vorschau, sowie den Aufnahme-Modus. DslrDashboard unterstützt auch den Live-Vorschau-Modus, möchten Sie diesen verwenden, dann wählen Sie zuerst SDRAM als Speicherort für die neuen Aufnahmen aus. Anschließend tippen Sie auf den Button Lv, um in den Live-Vorschau-Modus zu wechseln. Während der Live-Vorschau-Modus aktiv ist, ändern Sie das Fokusfeld einfach durch Berührung des Bildschirms und Drücken des AF Buttons. Mit den entsprechenden Buttons können Sie auch das gewünschte Objekt anzoomen oder aus dem Bild herauszoomen.

Abbildung 3: Mit DslrDashboard haben Sie praktisch alle Funktionen Ihrer DSLR-Kamera unter Kontrolle.
Abbildung 3: Mit DslrDashboard haben Sie praktisch alle Funktionen Ihrer DSLR-Kamera unter Kontrolle.

Abbildung 4: DslrDashboard unterstützt auch den Live-Vorschau-Modus.
Abbildung 4: DslrDashboard unterstützt auch den Live-Vorschau-Modus.

DslrDashboard hat aber auch noch einige anderen schlauen Tricks auf Lager. Mit dem Timer-Button zum Beispiel bestimmen Sie die Anzahl der Aufnahmen und das Zeitintervall dazwischen. Diese automatische Funktion ist besonders nützlich für Zeitrafferaufnahmen. Die Belichtungsreihe ist eine verbreitete Technik für einen besseren Dynamikbereich, indem man Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen miteinander kombiniert, und mithilfe des BKT-Buttons erstellen Sie sogar automatische Belichtungsreihen. Dazu tippen Sie auf den Button, bestimmen Sie dann die Anzahl der Aufnahmen und die Belichtungsschritte, anschließend tippen Sie auf den Auslöser-Button und den Rest erledigt DslrDashboard. Die App eignet sich auch für den Vorschau und die Verwaltung von Fotos hervorragend, die Sie auf Ihrem Android-Gerät oder auf der Speicherkarte in der Kamera abgelegt haben. Sie können die Fotos nicht nur im Vollbild-Modus anschauen, sondern diese auch einzeln oder über Mehrfachauswahl löschen.

Abbildung 5: Die Timer-Funktion ist sehr nützlich für Zeitraffer-Fotografie.
Abbildung 5: Die Timer-Funktion ist sehr nützlich für Zeitraffer-Fotografie.

Abbildung 6: Mit DslrDashboard speichern Sie Fotos auf der Speicherkarte der Kamera oder auf Ihrem Android-Gerät.
Abbildung 6: Mit DslrDashboard speichern Sie Fotos auf der Speicherkarte der Kamera oder auf Ihrem Android-Gerät.

DslrDashboard gewährt somit die volle Kontrolle für Sie über Ihre Nikon DSLR-Kamera und bietet viele zusätzliche Funktionen, die das Leben eines Fotografen erleichtern. Noch wichtiger: der Entwickler von DslrDashboard arbeitet stets daran, die App von Version zu Version noch besser zu machen, und er erweitert die Hardware-Unterstützung und die Funktionen.

DSLR Controller


Verwenden Sie eine Canon DSLR-Kamera? Dann ist DSLR Controller [3] vielleicht die passende Anwendung für Sie. Die App unterstützt eine gewisse Anzahl von Android-Geräten und DSLR-Kameramodellen von Canon. Am besten überprüfen Sie deshalb zuerst die Hardware-Kompatibilität auf der Website des Projekts [4], bevor Sie die App kaufen. Wenn Sie ein relativ neues Android-Gerät und eine digitale Spiegelreflexkamera von Canon besitzen, dann stehen die Chancen gut, dass diese auch von der App unterstützt werden.

DSLR Controller bietet eine sehr übersichtliche Bedienoberfläche, stellt alle wesentlichen Kontrollfunktionen zur Verfügung, die Sie von hier aus schnell erreichen. Mithilfe der entsprechenden Buttons haben Sie Zugriff auf grundlegende Einstellungen, wie Belichtungsmessmodus, Blendenöffnung, Weißabgleich, Belichtungskorrektur, ISO-Werte und vieles mehr. DSLR Controller stellt auch einige Funktionen bereit, die eine noch einfachere und bequemere Bedienung der Kamera ermöglichen. Sie ändern zum Beispiel die aktuellen Einstellungen auch über die Lautstärketasten des Gerätes. Die App unterstützt auch Wischgesten, die eine natürlichere Art und Weise für die Steuerung von Belichtungskorrektur, Belichtungsreihen und Blitzbelichtungskorrektur ermöglichen. In dem Live-Vorschau-Modus wählen Sie die Fokuspunkte und das Fokusfeld aus, sehen Histogramme für Helligkeit und RGB und blenden zusätzliche Gitternetzlinien und Seitenverhältnis-Overlays, sowie verschieden Filter ein.

Abbildung 7: DSLR Controller bietet eine bequeme und benutzerfreundliche Bedienfläche.
Abbildung 7: DSLR Controller bietet eine bequeme und benutzerfreundliche Bedienfläche.

Die App unterstützt auch Belichtungsreihen. So erstellen Sie mehrere Aufnahmen hintereinander mit unterschiedlicher Belichtung. Wenn Sie Makrofotografie betreiben, werden Sie die Fokusreihe-Funktion vom DSLR Controller ziemlich nützlich finden. Mithilfe der Fokusreihe erstellt die App mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokusentfernungen hintereinander. Anschließend vereinen Sie diese Aufnahmen in einem einzigen Foto, wodurch eine größere Fokustiefe für dieses erreicht wird (die Methode wird auch Fokus-Stapeln bezeichnet). Die Verwendung dieses Features ist nicht besonders kompliziert: tippen Sie auf den Options-Button in der unteren rechten Ecke des Bildschirms und wählen Sie den Eintrag Focus Bracketing. Im neuen Focus Bracketing-Fenster nehmen Sie die gewünschten Einstellungen vor und tippen danach auf Go. Wenn Sie sich für Fotos mit langer Belichtungszeit interessieren, dann kommt Ihnen erfreulicherweise der Bulb-Modus von DSLR Controller zugute, mit dem Sie den Verschluss für eine bestimmte Zeit geöffnet halten können.

Abbildung 8: DSLR Controller unterstützt sowohl die Belichtungsreihe?
Abbildung 8: DSLR Controller unterstützt sowohl die Belichtungsreihe?

Abbildung 9: ?als auch Fokusreihen.
Abbildung 9: ?als auch Fokusreihen.

Wenn Sie also eine DSLR-Kamera von Canon benutzen, ist DSLR Controller ein unentbehrliches Werkzeug für Sie, mit dessen Hilfe Sie die Kamera problemlos fernsteuern. Obwohl die App noch als Beta-Version bezeichnet wird, ist sie trotzdem stabil genug für den alltäglichen Bedarf und bietet all die Funktionen, die Sie benötigen.

Remote Your Cam USB Pro


Remote Your Cam USB Pro [5] ist zwar nicht die fortschrittlichste App für die Fernsteuerung von DSLR-Kameras, aber sie hat auch ihre Vorteile. So unterstützt diese App sowohl Nikon als auch Canon DSLR-Kameras, ist also besonders empfehlenswert für Fotografen, die mit beiden Systemen arbeiten. Die Bedienfläche von Remote Your Cam USB Pro ist klar, überschaubar und sehr benutzerfreundlich. Von hier aus haben Sie Zugriff auf die wesentlichen Einstellungen der Kamera, wie Blendenöffnung, ISO-Wert, Weißabgleich, Belichtungsmessmodus, Belichtungskorrektur und andere. Die App unterstützt auch den Live-Vorschau-Modus, aber erlaubt kein Zoomen und keine Änderung des Fokusfeldes. In der Gallery von Remote Your Cam USB Pro sehen Sie sich schließlich die gerade aufgenommenen Fotos an. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen, aber die App befindet sich noch in der Beta-Version und wird wahrscheinlich während der Entwicklung noch weitere Funktionen und Verbesserungen erhalten, bevor die endgültige Version veröffentlicht wird. Remote Your Cam USB Pro ist nicht kostenlos, aber Sie können die Lite-Version der App [6] ausprobieren, um zu erfahren, ob das Werkzeug Ihren Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht.

Abbildung 10: Remote Your Cam USB Pro bietet grundlegende Funktionen zur Kamera-Fernsteuerung.
Abbildung 10: Remote Your Cam USB Pro bietet grundlegende Funktionen zur Kamera-Fernsteuerung.

Fazit

Eine App für die Fernsteuerung einer DSLR-Kamera macht Sie zwar nicht automatisch zu einem besseren Fotografen, aber sie gibt Ihnen ein nützliches Tool für Ihren fotografischen Werkzeugkasten in die Hand. Egal ob Landschaftsbilder, Nachtszenen oder für Nahaufnahmen von Pflanzen und Tieren: Sie werden die Vorteile einer benutzerfreundlichen App zur Fernsteuerung Ihrer DSLR-Kamera schätzen lernen.

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here