Start Magazin Custom-ROMs: Sieben alternative Firmwares im Überblick

Custom-ROMs: Sieben alternative Firmwares im Überblick

Es muss nicht immer CyanogenMod oder Paranoid Android sein! Für sehr viele Smartphones gibt es mehr als eine Handvoll Alternativen zur Original-Firmware des Herstellers. In diesem Artikel stellen wir dir sieben interessante Custom-ROMs vor, von denen die meisten bereits Lollipop-Builds besitzen.

Das Schöne an Android ist der Quellcode. Wie bei Linux kann damit jeder sein eigenes System basteln. Für die Gerätehersteller ist das nicht so toll, weil sie damit gewissermaßen Konkurrenz bekommen (auch Google muss aufpassen, das seine ,,Custom-ROM„ von Android die beste bleibt), aber für den Nutzer ist der Wettkampf unter den ROM-Köchen und mit den Herstellern in jedem Fall positiv. So fließen immer wieder neue Ideen aus Custom-ROMs ins offizielle Android mit ein.

In diesem Artikel stelle ich dir sieben Custom-ROMs vor, manche etwas ausführlicher, weil ich sie persönlich bereits getestet habe, andere etwas kürzer, weil ich nicht über ein entsprechendes Gerät verfüge und die Informationen auch ,,nur aus dem Internet„ habe. Die Reihenfolge oder die Länge eines Textes steht dabei in keinem direkten Zusammenhang mit der Qualität der ROM. Jeder Nutzer muss für sich die zu ihm passende Firmware finden. Bei vielen Android-Anwendern ist das die Firmware des Herstellers (HTC-Nutzer lieben Sense, Samsung-Nutzer Touchwiz, andere wieder MIUI oder die Emotion UI von Huawei). Es gibt dabei kein besser oder weniger gut, das meiste ist Geschmackssache! Paranoid Android und CyanogenMod haben in dieser Ausgabe von Android Power User je einen separaten Artikel spendiert bekommen, deshalb fehlen die zwei in dieser Auflistung.

Slimrom

Ursprünglich als Slimbeam, später Slimkat unterwegs hat man sich bei diesem Projekt nun entschlossen, unter dem Namen Slimrom zu arbeiten. Die aktuellen Builds für Lollipop SlimLP befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase, sodass du aktuell noch mit Kitkat Vorlieb nehmen solltest. Zu den speziellen Features von Slimrom gehört — wie es der Name schon andeutet — das schlanke System. Mit an Board sind aber auch viele Features. Dazu gehört ein leicht verändertes und an Slim angepasstest Pie-Menü (bekannt von Paranoid Android), das Real-Dark-Farbschema, das besonders für AMOLED-Displays geeignet ist, das verbesserte Multitasking (auch für Linkshänder) und der integrierte Privacy Guard.

Bei Slimrom kannst du dein Smarthpone mit nur einem Schalter so einrichten, dass alle Apps einen schwarzen Hintergrund besitzen.
Bei Slimrom kannst du dein Smarthpone mit nur einem Schalter so einrichten, dass alle Apps einen schwarzen Hintergrund besitzen.
Dank des PIE-Menüs lässt sich Slimrom besonders gut mit einer Hand bedienen.
Dank des PIE-Menüs lässt sich Slimrom besonders gut mit einer Hand bedienen.

Die Liste der von Kitkat unterstützten Geräten umfasst rund 60 Smartphones. Neben praktisch allen Nexus-Geräten und vielen Samsung-Handys sind auch LG- und Sony-Smartphones mit dabei. Auch für das Galaxy S i9000 gibt es noch KitKat. Das Slimrom-Build mit Kitkat für das Galaxy Nexus ist gerade mal 158 MByte groß.

Liquidsmooth

Rund neun Entwickler befinden sich im Team von Liquidsmooth, das sich ebenfalls dadurch von anderen ROMs abheben möchte, dass es besonders schlank ist. Liquidsmooth basiert auf dem Quellcode von CyanogenMod aber mit einigen Zusätzen von Paranoid Android (eingefärbter Statusbar) und einigen Einstellungen von Slimrom. Es gibt drei Arten von Custom-ROM: Die offiziell von den Entwicklern unterstützten Firmware-Versionen beschränken sich üblicherweise auf eine Handvoll Geräte, aber selten mehr als 20 bis 30. Die Legacy-ROMs bezeichnen Firmware-Dateien, die von den Entwickler nicht direkt unterstützt werden (oder nicht mehr), aber eng mit dem Projekt verbunden sind. Dann gibt es noch ROMs von Drittanbietern, die mit dem eigentlichen Projekt nichts zu tun haben, aber den gleichen Quellcode benutzen, um daraus eigene ROMs zu bauen.

 Das PIE-Menü mal anders umgesetzt. Bei Liquidsmooth startest du Apps über die Drehscheibe.
Das PIE-Menü mal anders umgesetzt. Bei Liquidsmooth startest du Apps über die Drehscheibe.
Auch Liquidsmooth verfügt über einen Privacy Guard, um Apps Rechte zu entziehen.
Auch Liquidsmooth verfügt über einen Privacy Guard, um Apps Rechte zu entziehen.

Die Entwickler arbeiten schon fleißig an Android 5.0 und es gibt schon für einige Geräte Nightly Builds. Für Lollipop hat man sich entschieden, die Theme-Engine von Cyanogen nicht mehr weiter zu benutzen. Stattdessen kommt die RRO Engine für die Themes zum Einsatz [1].

Bei den Downloads finden sich neben den üblichen Nexus-Builds auch Versionen für das HTC One M7 und M8, für diverse Galaxy-Tablets von Samsung und für das Xperia M, Z und Z1. Deutlich mehr Geräte finden sich im Milestone-Zweig. Die KitKat-Version von Liquidsmooth für das Nexus 5 ist 185 MByte groß, also etwas größer als bei Slimrom. Mehr zu Liquidsmooth findest du auf der Android-User-Homepage [2].

Google Apps: In den Anfängen der Android Custom-ROMs brachte CyanogenMod jeweils auch den Play Store, Gmail, Google Maps und die restlichen Google-Anwendungen mit. Google hat jedoch bei CyanogenMod insistiert, dass die Google Apps nicht teil des Betriebssystems sein dürfen. Seither werden die APK-Dateien der Google-Anwendungen separat gepflegt. Auch hier gibt es diverse Ableger mit mal besserer und mal weniger guter Qualität. Aktuell können wir die Google Apps von Paranoid Android empfehlen [3], lies aber immer zuerst auf der Homepage deines Lieblings-ROMs durch, welches Paket die Entwickler empfehlen.

Beim ersten Mal solltest du immer ein möglichst kleines Paket wählen und unbedingt darauf achten, dass die Versionsnummer so gut wie möglich passt. Wenn du auf die Google Apps verzichten möchtest, was deinem Handy oder Tablet geschätzt mindestens eine um 10 Prozent bessere Akkulaufzeit beschert, dann kannst du als Alternative den Amazon App Store installieren. Fans freier Software finden bei F-Droid einen App-Store, der nur Open-Source-Apps enthält.

OmniROM

Die Entwickler von OmniROM haben sich eine möglichst breite Geräteunterstützung auf die Fahnen geschrieben. Die ROM gibt es seit rund einem Jahr, den Einstieg machte Android 4.4. OmniROM gehörte zu den ersten Custom-ROMs mit Lollipop-Build, aktuell ist es aber wieder etwas stiller geworden um das Projekt und um Android 5.0.

Zu den speziellen Features von OmniROM gehört zum Beispiel das Einschalten der BenachrichtigungsLED bei eingeschaltetem Display, Informationen zum Netzwerkverkehr in der Statusleiste oder ein frei wählbares Hotword, um eine beliebige App zu starten. Die ZIP-Datei mit dem ROM für das Nexus 5 ist bei OmniROM 195 MByte groß. Wenn du für dein Gerät noch keine Custom-ROM gefunden hast, dann schau mal bei OmniROM vorbei, da die Entwicklung recht aktiv von sich geht. Eine ausführliche Installationsanleitung zu praktisch allen Geräten gibt es im OmniROM-Wiki.

OmniROM gehörte zu den ersten Custom-ROMs mit Android 5.0. Screenshot: xda-developers.com
OmniROM gehörte zu den ersten Custom-ROMs mit Android 5.0. Screenshot: xda-developers.com

Android Open Kang Projekt

Die Custom-ROM mit dem Einhorn entstand irgendwann zwischen 2011 und 2012 und hat seither ihren Zenith etwas überschritten, aber man soll die Custom-ROM ja bekanntlich nicht vor Lollipop loben, das ziemlich sicher schon bald erscheinen wird. Wie der Zusamtz ,,Kang„ im ROM-Namen unschwer übersehen lässt, basiert AOKP nicht auf CyanogenMod, sondern die Entwickler bedienen sich direkt beim Android Open Source Projekt. Das gilt inzwischen allerdings nicht mehr für alle Geräte, einige Builds basieren auch auf CyanogenMod als Grundlage.

Bei Android Open Kang lässt sich wirklich alles einstellen, sogar die Farbe der LED.
Bei Android Open Kang lässt sich wirklich alles einstellen, sogar die Farbe der LED.
Praktisch, um den richtigen Spürsinn zu entwickeln: Individuelle Muster für den Vibramotor.
Praktisch, um den richtigen Spürsinn zu entwickeln: Individuelle Muster für den Vibramotor.

Zu den besonderen Features gehören die integrierte Funktion für das Farbensetup der BenachrichtigungsLED, komplett anpassbare Statusleiste und Navigationsleiste, individuelle Muster für den Vibrationsalarm und viele weitere. Wenn du auf der Suche nach der Custom-ROM mit den meisten Einstellungen bist, dann kannst du bei AOKP aufhören und dich an den Download machen. Die jüngsten Nightly-Builds für das Nexus 5 haben bei AOKP eine Größe von 212 MByte.

MultiROM

Keine Custom-ROM aber eine tolle Erweiterung für alle ROM-Fans bietet MultiROM. Der Mod erlaubt es, mehrere Custom-ROMs auf einem Android-Gerät parallel zu verwalten. Üblicherweise musst du eine Custom-ROM löschen bzw. überschreiben, wenn du eine zweite testen möchtest. Mit MultiROM kannst du mehrere parallel installieren, so lange der Speicherplatz reicht. MultiROM ist ein riesiger Hack, wie der Entwickler auf XDA schreibt, und deshalb nur für erfahrene Android-Anwender gedacht. Download und Nutzung auf eigene Gefahr! Für den Einstieg einfach im Play Store nach MultiROM Manager suchen.

Mit dem MultiROM Manager kannst du mehrere Android- und/oder Linux-Systeme auf einem Smartphone installiert haben.
Mit dem MultiROM Manager kannst du mehrere Android- und/oder Linux-Systeme auf einem Smartphone installiert haben.
  • Homepage: Je nach Gerät
  • Unterstütze Geräte: 15

SimpleAOSP

Das reine Android ohne jegliche Zusätze verspricht SimpleAOSP. Daran hält man sich natürlich nicht, sondern baut jede Menge praktischer Änderungen ein, angefangen bei einer komplett neuen Design Engine bis zu komplett eigenen ROMs auf SimpleAOSP-Basis, wobei die Themes klar im Vordergund stehen. Die Entwickler können zudem auf die schon fast legendäre SaberMod Toolchain von Paul Beeler zurückgreifen, um ihre ROMs zu bauen.

Möglichst nahe am Android Open Source Projekt zu sein, bringt den großen Vorteil, dass man praktisch ohne Änderung eine Custom-ROM fertig machen kann. So gehören denn auch zu den unterstützten Geräten in erster Linie die Nexus-Reihe Die ZIP-Datei für das Nexus 5 mit Android 5.0 Lollipop ist rund 185 MByte groß.

Das SimpleAOSP-Team hat es einfach, da man kaum Änderungen in die Firmware einbaut.
Das SimpleAOSP-Team hat es einfach, da man kaum Änderungen in die Firmware einbaut.
Ein paar optische Anpassungen müssen dann aber doch mit rein, zum Beispiel für die Slider.
Ein paar optische Anpassungen müssen dann aber doch mit rein, zum Beispiel für die Slider.

CarbonROM

Diese Custom-Firmware lehnt sich beim Look&Feel eng an das Original-Android an, bringt aber jede Menge Mods und Anpassungsmöglichkeiten mit. CarbonROM basiert weitgehend auf CyanogenMod, hat aber sehr viele Mods der bereits beschriebenen ROMs eingebaut, angefangen beim PIE-Menü über die Netzwerkverkehrinfos in der Benachrichtigungsleiste bis hin zum Active Display mit den Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm.

Die KitKat-ROM für das Nexus 5 ist rund 196 MByte groß, Lollipop-Builds gibt es aktuell (Stand erste Februarwoche 2015) noch keine.

Wo bei anderen Geräten der Ring von Google Now auftaucht, kannst du bei Carbon zwischen bis zu 8 Apps wählen.
Wo bei anderen Geräten der Ring von Google Now auftaucht, kannst du bei Carbon zwischen bis zu 8 Apps wählen.
Deine Lieblingsfarbe ziert auf Wunsch stets die Benachrichtigungsleiste von CarbonROM.
Deine Lieblingsfarbe ziert auf Wunsch stets die Benachrichtigungsleiste von CarbonROM.

Fazit

Am Schluss stellt sich natürlich die Frage, welche ROM du am ehesten wählen solltest. Bei einigen Geräten hast du keine Wahl, wenn es nur eine Custom-ROM für dein Handy oder Tablet gibt. Stehst du aber vor der Wahl, dann solltest du dich zunächst für CyanogenMod oder Paranoid Android entscheiden. Viele der hier aufgeführten Custom-ROMs basieren auf CyanogenMod und bauen anschließend ihre Änderungen ein. Deshalb verwundert es nicht, dass CyanogenMod üblicherweise zu den ersten Custom-ROMs gehört, die mit einer neuen stabilen Version aufwarten können. Es gibt aber auch einige ROMs, die sich direkt beim Android Open Source Projekt bedienen. Meistens berufen sich die ROM-Macher dann darauf auch im Namen, wie bei AOKP. Wenn du zum ersten Mal eine Custom-ROM ausprobierst und noch keine Erfahrung mit dem Flashen etc hast, dann solltest du in jedem Fall zuerst einmal CyanogenMod ausprobieren. Die Custom-ROM ist nicht nur am besten dokumentiert, sondern verfügt auch über die mit Abstand größte Community, so dass sich Fragen üblicherweise schnell klären lassen.

Das ,,drüberbügeln„ einer der hier vorgestellten alternativen Firmwares bereitet im Anschluss daran kein Problem mehr. Last but not least sei noch erwähnt, dass es noch mindestens ein Dutzend toller Android-ROMs im Netz gibt. Wenn wir deine Lieblings-ROM hier nicht erwähnt haben, schreib uns einfach eine E-Mail an redaktion@android-user.de.

Infos:
[1] RRO Theme Engine: https://plus.google.com/communities/102261717366580091389
[2] Liquidsmooth auf dem Galaxy Nexus: http://www.android-user.de/erster-eindruck-galaxy-nexus-mit-android-5-0-2-lollipop-liquidsmooth/
[3] Google Apps Minimal: https://www.androidfilehost.com/?fid=95897840722648444 und http://forum.xda-developers.com/android/software/gapps-google-apps-minimal-edition-t2943330

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