Start Aktuell Brave Fontier – Fantastisches RPG aus Japan im Test

Brave Fontier – Fantastisches RPG aus Japan im Test

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So manches Videospiel aus dem asiatischen Raum scheint in der Zeit vor der Jahrtausendwende stehengeblieben zu sein. So verwundert es nicht, dass der Entwicler Gummi Inc. den Grafik-Stil des Spiels Brave Frontier als „freundliche Pixel-Art“ bezeichnet. Tatsächlich sieht das Spiel kaum anders aus als mancher Final-Fantasy-Titel, der bereits vor Jahrzehnten erschienen ist.

Doch Aussehen ist nicht alles, und so versteckt sich hinter der pixeligen Grafik von Brave Frontier ein Spiel mit großem Umfang, das für hunderte Stunden unterhalten kann. Brave Frontier erzählt die Geschichte von Groß-Gaia, einer Fantasywelt mit mehreren Kontinenten, die man durchwandert, mit dem Ziel, dem bösen Maxwell und seiner Armee das Handwerk zu legen. Als Spieler ist man, wie kann es anders sein, der Auserwählte, der allein in der Lage ist, Groß-Gaia zu retten.

Im Tutorial blitzt ein wenig Story auf, doch nicht genug für unsere Ansprüche.
Im Tutorial blitzt ein wenig Story auf, doch nicht genug für unsere Ansprüche.
Hier wird unser Anführer mit einer anderen Beschwörung fusioniert.
Hier wird unser Anführer mit einer anderen Beschwörung fusioniert.

In der Kampagne funktioniert das so: Man wählt auf der Landkarte ein Gebiet aus und sieht eine Liste mit Orten, an denen man kämpfen kann. Und dann geht es auch schon los. Brave Frontier ist ein rundenbasiertes Rollenspiel. Rundenbasiert, da man in abwechselnden Zügen gegen Gegner antritt. Ein Rollenspiel ist Brave Frontier deshalb, weil man ein Team aus Kreaturen verwaltet, deren Attribute man im Laufe des Spiels verstärken kann. Brave Frontier schleudert einen zunächst direkt ins Spiel und durch mehrere Tutorial-Sprechblasen hindurch. Wer gut aufpasst, weiß danach genau Bescheid, doch Brave Frontier ist ein komplexes Spiel, bei dem auch nach der ersten halben Stunde noch viele Fragen offen bleiben.

Diese Übersicht über die Elemente zeigt das Stein-Schere-Papier-Prinzip des Spiels.
Diese Übersicht über die Elemente zeigt das Stein-Schere-Papier-Prinzip des Spiels.

Doch zunächst ist alles ganz einfach. Man wählt aus einem Avatar aus, der dann der Anführer der Gruppe ist. Die Gruppe besteht zunächst aus runden Wackelpudding-artigen Monstern, die an eurer Seite kämpfen. Auf der linken Seite des Bildschirm tauchen die Gegner auf. Dann wählt man einen Gegner an und wählt unten in der Übersicht der eigenen Kämpfer aus, wer attackieren soll. Ist ein Gegner niedergestreckt, knöpft man sich den nächsten vor. Sind alle Gegner einer Runde platt, geht es mit neuen Gegner in die nächste Runde, bis man am Ende gegen einen Endboss und meist noch weitere Gegner antritt.

Auf dem Stadtbildschirm erscheinen nach und nach mehr Gebäude, in denen man Materialien erhält oder Upgrades ausführt.
Auf dem Stadtbildschirm erscheinen nach und nach mehr Gebäude, in denen man Materialien erhält oder Upgrades ausführt.

Während des Kampfes können eigenen Mitstreiter verletzt werden oder sogar sterben. Doch der Kampf gilt erst dann verloren, wenn keiner überlebt hat. Man muss also angeschlagene Kollegen durch die nächsten Runden bringen, heilen oder mit Zaubersprüchen schützen. Die ersten Kämpfe sind noch leicht. Der besiegte Endgegner jedes Kampfes wird zur Sammlung aller Kreaturen und Monster hinzugefügt, aus der man jederzeit das eigene Team zusammenstellen kann.

Die Kämpfe selbst sind nur wenig abwechslungsreich und kaum strategisch, sie werden hauptsächlich durch die Schadenswerte des Teams und die Lebensbalken der Gegner bestimmt. Natürlich muss man darauf achten, dass man angeschlagene Gegner zuerst niederstreckt und seine eigenen Fähigkeiten sinnvoll einsetzt. Das Spiel fußt außerdem auf einem Stein-Schere- Papier-ähnlichem Verhältnis der Elemente: Feuer, Erde, Wasser, Blitz sowie Licht und Dunkel sind die Elemente, die den Gegnern zugeordnet werden können. Einem Gegner der Kategorie Wasser zum Beispiel sollte man nicht mit einem Teammitglied der Kategorie Feuer einheizen wollen. Stattdessen haben Kreaturen der Kategorie Blitz einen Schadensbonus. Das muss man sich nicht merken, es wird bei der Auswahl der Gegner immer angezeigt, ob die eigenen Mitglieder einen Vorteil (Schwert zeigt nach oben) oder einen Nachteil (Schwert zeigt nach unten) haben.

Anfangs solltest du die Arena meiden, die Gegner sind einfach noch zu stark.
Anfangs solltest du die Arena meiden, die Gegner sind einfach noch zu stark.

Daraus ergeben sich unterschiedlich schwierige Kämpfe, je nachdem, welche Teammitglieder man ausgewählt hat. Das ist ein wenig schade: Das Elementar-System hat im Kampf weniger Auswirkungen als im Management der eigenen Truppe. Wenn man im späteren Verlauf des Spiels Schwierigkeiten mit manchen Gegnern bekommt, kann man durch geschicktes Auswechseln der Einheiten den Kampf für sich entscheiden.
Wenn das Spiel nicht von seinen Kämpfen lebt, dann jedoch von allem anderen. Als Beschwörer ist man in der Lage, Einheiten miteinander zu verschmelzen, auch Fusionieren genannt. Dadurch kann man mehrere eher schwache Einheiten zu einer starken zusammenfügen. Man sucht sich ein Basis-Element und verschmelzt es mit bis zu fünf anderen Einheiten. Das Ergebnis ist eine Einheit mit mehr Lebenspunkten und höherem Schadensoutput. Hier kann man sich ganz austoben, die Zahl der verschiedenen Einheiten liegt bei über 200.

Das Verschmelzen der Einheiten wirkt anfangs noch undurchsichtig, doch nach einer Weile hat man den Dreh raus.
Das Verschmelzen der Einheiten wirkt anfangs noch undurchsichtig, doch nach einer Weile hat man den Dreh raus.

Ressourcen verwalten

Das Spiel bekommt noch durch eine andere Sache mehr Tiefe: Ein ausgeklügeltes Ressourcen- Management sorgt dafür, dass man mit den Einheiten noch mehr anstellen kann als ohnehin schon. Einheiten lassen sich entwickeln, Sphären – am besten als Juwelen oder Schmuck zu verstehen – herstellen und anlegen und allerlei Upgrades der Gebäude (dazu gleich mehr) und Einheiten vornehmen.
Die Gebäude befinden sich auf einem Stadt-Bildschirm und sorgen dafür, dass man Materialien erhält. Außerdem lassen sie sich selbstverständlich verbessern. All das sorgt für eine Menge Mikromanagement, das einen viel größeren Spielanteil besitzt als die eigentlichen Kämpfe, die lediglich das Ergebnis des Verwaltungsaufwandes widerspiegeln.

Das ist aber noch nicht alles, und das war bei einem Free-to-Play-Spiel auch nicht anders zu erwarten. Im Spiel erhält man Karma, Zel und Juwelen. Karma benötigt man für die Upgrades der Gebäude, Zel für das Fusionieren der Einheiten. Von beidem erhält man im Spiel reichlich, wenn man die Quests erledigt und sich von Dungeon zu Dungeon kämpft.

Die Juwelen hingegen sind deutlich seltener und die einzige Währung, die man sich per Ingame- Kauf beschaffen kann. Mit den Juwelen kann man dann im Spiel die anderen beiden Währungen „kaufen“ oder besonders starke Kreaturen beschwören, die einem im Spiel einen großen Vorteil gewähren. Insgesamt geht Brave Frontier sehr großzügig mit den drei Währungen um, man hat anfangs überhaupt nicht das Gefühl, dass einem die Ressourcenknappheit drohen könnte.

So sehen die Kämpfe aus. Hier kriegt eine Gegner von mehreren Mitgliedern was auf die Mütze.
So sehen die Kämpfe aus. Hier kriegt eine Gegner von mehreren Mitgliedern was auf die
Mütze.

Die Quests sind nur ein Teil des Spiels. In Brave Frontier kann man auch gegen andere Spieler in der Arena antreten und Dungeons betreten, die je nach Wochentag wechseln. Es gibt regelmäßige Updates, neue Karten, Quests und Dungeons, so dass sich keine Langeweile einstellen sollte.
Ähnlich großzügig gehen die Entwickler auch mit einer Ressource um, die man zum Spielen benötigt, nämlich Energie. Das Antreten zum Kampf kostet nämlich Energiepunkte, die sich zumindest am Anfang nach wenigen Minuten selbständig wieder auffüllen. Im späteren Verlauf sollen die Zeitabstände größer werden, bestätigen können wir das jedoch nicht. Auch hier scheinen die Entwickler den Spielern keine nervigen Zwangspausen oder Käufe aufzuzwängen, wobei man sich aber schon fragen sollte, was das Ganze soll. Ein Blick in den Shop verrät es dann doch: Mit Juwelen kann man den Energiebalken wieder auffüllen. Nun ja, das sind die mittlerweile wohl bekannten Mitbringsel des Free-to-Play-Modells, mit denen man leben muss.

Das Spiel glänzt zwar nicht mit tollen Animationen, die vielen Zauberarten können sich aber sehen lassen.
Das Spiel glänzt zwar nicht mit tollen Animationen, die vielen Zauberarten können sich aber sehen lassen.

Fazit

Brave Frontier ist ein Management-Spiel, dass sich hinter einem pixeligen Retro-Adventure-Look versteckt. Es braucht anfangs ein wenig Eingewöhnungszeit, doch wenn man erst einmal in der „Ich-muss-mich-verbessern“-Spirale gefangen ist, gibt es kein Entrinnen mehr. Das Spiel macht genau dann richtig viel Spaß, und es gibt immer etwas zu tun. Brave Frontier ist darauf ausgelegt, in kleinen Dosen auf lange Zeit gespielt zu werden. Wer damit kein Problem hat, für den ist es genau richtig! Achtung: Das Spiel erfordert eine permanente Online- Verbindung!

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