Start Magazin Auerswald COMfortel 3500 im Test

Auerswald COMfortel 3500 im Test

© Auerswald

Ein Android-Telefon muss nicht immer in die Hosentasche passen, es kann auch auf dem Schreibtisch stehen. Das COMfortel 3500 von Auerswald ist ein richtiges Tischtelefon für Voice over IP mit integriertem Android-System. Wir haben das etwas andere Android-Telefon getestet.

Die analoge Telefonie ist tot. Heute werden praktisch sämtliche Gespräche – egal ob auf dem Handy oder einem gewöhnlichen Tischtelefon über digitale Techniken übertragen. Dennoch gibt es immer noch viele alte Telefon, die auch weiterhin funktionieren. Der Ton wird aber auch hier vom Provider über das Internet übertragen. Voice over IP nennt sich diese Technik.

VoIP und SIP

So wie es noch viele Telefone gibt, die nur analog arbeiten, gibt es neuerdings auch Telefone, die nur digital funktionieren. Diese nennt man VoIP- oder SIP-Telefon. Die Abkürzung VoIP steht für Voice over IP und bezeichnet die Technik, SIP ist ein bestimmtes VoIP-Protokoll und gilt als Standard für diese Technologie. Um ein solches Gerät handelt es sich auch beim COMfortel 3500 von Auerswald. Das Gerät lässt sich nicht an eine gewöhnliche Telefonbuchse anschließen, sondern benötigt einen Internetzugang. Alternativ können Sie es per Ethernet-Schnittstelle an eine Telefonanlage anschließen. Das COMfortel 3500 ist also kein gewöhnliches Telefon.

Die große Besonderheit beim COMfortel 3500 besteht darin, dass als Betriebssystem nicht irgendein Embedded-System zum Einsatz kommt, sondern Android 2.3.4 mit Kernel 2.6.32. Das Telefon verfügt zudem über einen 5 Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 480×800 Pixeln. Es lässt sich also auch als "Android-Tablet" nutzen.

Erster Eindruck

Das COMfortel 3500 macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Es ist sauber verarbeitet und sieht auch sehr schön aus. Für den Anschluss ans Internet oder eine TK-Anlage liegen sämtliche Kabel bei. Falls Sie einen Switch mit Power-over-Ethernet-Fähigkeiten einsetzen, müssen Sie lediglich das Ethernet-Kabel mit dem Telefon verbinden. Der Strom fließt dann darüber. Unterstützt Ihr Switch PoE nicht, dann benutzen Sie das beiliegende Netzteil. Das ist auch dann empfohlen, wenn sie mehrere USB-Geräte am Telefon nutzen möchten.

Das Setup ist nicht trivial, aber für jemanden mit halbwegs sicheren IT-Kenntnissen kein Problem. Bei unserer TK-Anlage genügte die Angabe des Registrar und das Setup des eigenen Accounts inklusive Passwort, um das Telefon zur Mitarbeit zu überreden. Benutzen Sie zu Hause eine Fritz!Box oder haben Sie einen SIP-Account von Ihrem Provider, dann wählen Sie einfach den Provider aus der sehr umfangreichen Liste aus. Danach lässt sich das Telefon ganz normal benutzen. Die Details zum Setup würden diesen Testbericht sprengen. Dem Telefon liegt aber auch ein Handbuch bei.

Abbildung 1: Ein spezielles Widget zeigt die eingehenden und die verpassten Anrufe an.
Abbildung 1: Ein spezielles Widget zeigt die eingehenden und die verpassten Anrufe an.

Beim ersten Start begrüßt Sie ein gewöhnliches Android-Sytem in Version 2.3.4. Auerswald hat daran aber sehr viele Änderungen vorgenommen, um die VoIP-Funktionen und sämtliche Hardware-Funktionen des Telefons nutzen zu können. Die eingehenden Anrufe sind als Widget realisiert, rechts und links gibt es frei belegbare Schnelltasten. Darüber hinaus befinden sich auf dem Telefon auch noch 15 Hardware-Schnelltasten, die sich über das Android-System sehr einfach belegen lassen. Für den Einsatz im Firmenumfeld gibt es passende Erweiterungen mit 30 Funktionstasten oder mehr.

Abbildung 2: Die 15 Funktionstasten einzurichten, ist wirklich sehr einfach.
Abbildung 2: Die 15 Funktionstasten einzurichten, ist wirklich sehr einfach.

Sieben Homescreens sind vorgegeben, die sich mit Widgets und Apps füllen lassen. Das von einem 600 Mhz schnelle TI-Prozessor angetriebene System reagiert etwas träge, aber nicht wirklich langsam. Das Multitouch-fähige Display ist hell und genügend scharf, aber es fühlt sich wie ein druckempfindliches Display an, obwohl es ein kapazitiver Touchscreen ist.

Abbildung 2: Die 15 Funktionstasten einzurichten, ist wirklich sehr einfach.
Abbildung 2: Die 15 Funktionstasten einzurichten, ist wirklich sehr einfach.

Gut zu wissen

Als IP-Telefon verfügt das COMfortel 3500 über ein paar spezielle Funktionen. Das Gerät besitzt einen SD-Kartenslot und zwei USB-Ports. Im SD-Slot steckt bereits eine 2-GByte-Karte von Samsung, in einem der USB-Ports ein Bluetooth-Dongle. Damit lassen sich recht coole Spielereien anstellen. Zum Beispiel die Displaysperre aktivieren, wenn ein festgelegtes Bluetooth-Gerät außer Reichweite ist oder die Anrufumleitung einschalten. Aber auch ein Headset oder eine Bluetooth-Tastatur funktionieren auf diese Art. Am zweiten USB-Port schließen Sie zum Beispiel eine Tastatur an, um Mails zu beantworten oder schneller/einfacher zu browsen. Oder Sie laden darüber das Handy auf.

Abbildung 4: Das COMfortel 3500 verfügt über recht viele Erweiterungsmöglichkeiten.
Abbildung 4: Das COMfortel 3500 verfügt über recht viele Erweiterungsmöglichkeiten.

Trotz Android ist das COMfortel 3500 kein von Google zertifiziertes Gerät. Das bedeutet, dass es auf dem Telefon keinen Play Store, kein Google Maps, kein Gmail etc. gibt. Auerswald hat dem IP-Telefon eine E-Mail-App spendiert und als App Store ist das App Center von Androidpit vorinstalliert. Die App-Funktionalität ist ein praktischer Zusatznutzen aber kein wirklich zentrales Feature. Einen Google-Account einzurichten und die persönlichen Daten mit dem COMfortel 3500 zu synchronisieren, ist nur via Exchange-Konto (Active Sync) bzw. kostenpflichtigem Google-Business-Konto möglich. Das ist schade und schränkt den Funktionsumfang für Heimanwender doch stark ein.

Kritikpunkte

Auf unserem Gerät war der Druckpunkt der OK-Taste nicht in Ordnung. Diese mussten wir recht stark drücken, deutlich stärker als die vier Pfeiltasten darum herum. Wir dachten deshalb zuerst, dass die Taste kaputt ist. Manche Dinge lassen sich per Touchscreen weniger effizient erledigen, als mit echten Hardwaretasten. Dazu gehört zum Beispiel das Löschen verpasster Anrufe, das via Touchscreen nicht besonders schnell funktioniert. Man kann das COMfortel 3500 aber auch recht gut mit der Tastatur bedienen. Beim Setup ist uns aufgefallen, dass bei einigen Eingabefeldern, die nur für Zahlen gedacht sind, die komplette Tastatur aktiv war. Das ist recht ärgerlich, da man dann zum Beispiel eine Telefonnummer nicht über den Nummernblock eingeben kann, sondern das Telefon umständlich über die Android-Tastatur auf dem Display bedienen muss. In der täglichen Benutzung spielt das aber keine Rolle. Der Touchscreen reagierte in den Tests recht träge.

Das System könnte etwas schneller sein, bei den üblichen Aufgaben, die man so per Telefon erledigt, spielt das aber keine Rolle. Störend empfanden wir beim Display, dass es sehr stark spiegelt. Es ist zwar genügend hell, um bei üblichem Bürolicht keine Probleme zu verursachen, scheint aber mal die Sonne drauf, dann sieht man wirklich fast gar nichts mehr. Der Neigungswinkel des Displays lässt sich zudem nicht verstellen. Seit dem Firmware-Update auf Version 1.6 lassen sich zwar IP-Kameras ins System einbinden, aber keine einfachen Webcams. Auch hier zeigt sich klar, dass das COMfortel 3500 in erster Linie für den Firmeneinsatz konzipiert wurde.

Fazit

Android 2.3.4 mag nach uralt klingen aber für die Nutzung als IP-Telefon tut es das System alleweil. Die fehlenden Google-Apps und die Synchronisationsmöglichkeit schmerzen allerdings. Das Wichtigste bei einem stationären Telefon ist die Sprachqualität. Hier liegt das COMfortel 3500 klar vor allen anderen IP-Telefonen, die wir getestet hatten. Wer den aktuellen Internetpreis von 400 Euro nicht scheut und mit dem Setup eines IP-Telefons klarkommt, wird am COMfortel 3500 seine Freude haben.

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