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Android-Handys und Tablets rooten

Wer heutzutage mit dem Gedanken spielt, sich ein aktuelles Android-Smartphone zu kaufen, wird früher oder später am Thema Root nicht vorbeikommen. Dieser Artikel erklärt, was dahinter steckt.

Aus der Apple-Gemeinde hat man vielleicht schon mal den Begriff Jailbreak gehört und seit dem Android-Geräte den Markt erobern sollte man sich ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen. Mit Root wird umgangssprachlich ein Superuser-Konto, also ein Root-Konto, in einem Computersystem bezeichnet. Superuser ist die optimale Bezeichnung, denn während am PC für Laien und Anfänger meist ein Benutzerkonto mit eingeschränkten Rechten erstellt wird, so ist dies das genaue Gegenstück von diesen Zugängen. Wer also von Root oder Root-Konto hört, kann davon ausgehen, dass man mit diesem die größtmöglichen Zugriffsrechte für ein System erlangt und selbiges grundlegend verändern kann.

Warum fehlt oftmals ein Root-Zugang?

Bei einem Computer ist der Root-Zugang gar nicht so ungewöhnlich, bei einem Smartphone hingegen von sämtlichen Herstellern unerwünscht. Dies ist nicht unverständlich, denn ein ungeschützter Zugriff auf eine grundlegende Systemebene birgt für den Einzelnen und unter Umständen unerfahrenen Nutzer Gefahren, welche die komplette Systemstabilität gefährden können.

Ein Root-Zugang und dessen Möglichkeiten sind kein Hexenwerk, aber man sollte im Vorfeld bereit sein, sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen und eine gewisse Einarbeitungszeit in Kauf nehmen. Hat man dies einmal getan, ergeben sich schier unendliche Modifikationsmöglichkeiten und man ist in der Lage, so manch altes Android-Gerät, leistungsfähiger als seine Nachfolger zu machen.

Root-Apps und Möglichkeiten

Mit einem Superuser-Zugang ist es zum Beispiel möglich, diverse Root-Apps zu nutzen, welche sich bereits im Android Market und auf einigen Community-Seiten finden.

So ermöglicht es die Root-App ShootMe [1] durch leichtes Schütteln des Android-Smartphones, Screenhsots von diesem zu erstellen. Da dies nicht von Haus aus ohne Root-Rechte möglich ist, eine praktische Angelegenheit.

Abbildung 1: Einmal Schütteln und schon erstellt die App ShootMe ein Bildschrimfoto.
Abbildung 1: Einmal Schütteln und schon erstellt die App ShootMe ein Bildschrimfoto.

Wer seine mobile Internetverbindung mit anderen Geräten teilen möchte, kann dies mit der Root App Wireless Tether [2] über die WLAN- oder Bluetooth-Verbindung des eigenen Smartphones bewerkstelligen.

Abbildung 2: Wireless Tether verwandelt Ihr Android-Handy in einen mobilen Hotspot.
Abbildung 2: Wireless Tether verwandelt Ihr Android-Handy in einen mobilen Hotspot.

Eines der beliebtesten Root-Programme ist SetCPU [3]. Dieses kleine Tool ermöglicht es, die Taktrate des Smartphone-Prozessors beliebig hoch- bzw. herunter zu regeln und so deutlich bessere Systemperformance bzw. erheblich längere Akkulaufzeiten zu erreichen.

Abbildung 3: Mit SetCPU legen Sie die Geschwindigkeit der CPU fest, nicht der Handy-Hersteller..
Abbildung 3: Mit SetCPU legen Sie die Geschwindigkeit der CPU fest, nicht der Handy-Hersteller..

Interessant für viele Nutzer dürften auch die Möglichkeiten zur optischen Anpassung sein. So ist es möglich diverse Systemelemente wie den Programmstarter oder die Benachrichtigungsleiste einfach im Design zu ändern. Wer etwas experimentierfreudiger ist, kann sich auch an das Flashen vollständiger Custom Firmwares wagen. Diese von der Community angepassten Firmwares sind meist perfekt auf die jeweiligen Geräte abgestimmt und oftmals leistungsfähiger als die ROMs der Hersteller.

Unterschiede von Gerät zu Gerät

Der wohl größte Segen und gleichzeitig das größte Manko bei Android, ist die Gerätevielflat. Der Nutzer kann nach Belieben in jeglichen Bauformen und Preisklassen sein Smartphone auswählen, kann aber in den seltensten Fällen vor dem Kauf wissen, ob das Gerät gerootet werden kann. Denn so umständlich es klingt, so wahr ist es, jedes einzelne Modell, von jedem einzelnen Hersteller muss einzeln gerootet werden. Wer zum Beispiel ein Android-Smartphone von LG erfolgreich gerooten hat, kann auf der anderen Seite an einem Gerät von HTC verzweifeln.

Es gilt die entscheidende Lücke zu finden, welche Zugriff zum System gewährt. Eine Lücke, welche die Hersteller mit Ihrer meist modifizierten Android-Variante nicht bedacht haben. Wem ein Root-Zugriff, Systemmodifikationen und Community-Support wichtig ist, der sollte sich auf jeden Fall vor dem Kauf in einschlägigen Foren und Blogs darüber kundig machen, ob das ausgewählte Gerät auch rootbar ist.

Root ist nicht gleich Root

Wie bereits erwähnt, sehen es die Hersteller nicht gerne, wenn Nutzer Ihre Geräte rooten und Modifikationen vornehmen. Es ist schwer, Support für etwas zu leisten, was der Nutzer in Eigenregie verändert hat. Google hat es mit seinem unter eigener Flagge vertriebenem Nexus One zwar vorgemacht, wie man dem Nutzer auch offiziell die Möglichkeit für einen Root.-Zugang einräumen kann, bisher ist aber noch kein Hersteller nachgezogen.

Ein besonders hartnäckiger Hersteller ist Motorola. Ein Paradebeispiel dafür, dass Root nicht gleich Root ist. Denn während man mit der typischen Root-Lücke bei diversen Herstellern frei in seiner persönlichen Gestaltung ist, hat Motorola zusätzlich die Bootloader verschlüsselt. Das heißt, man kann zwar die bereits erwähnen Root-Apps nutzen, aber mit dem vorhanden Bootloader keine andere Firmware hochfahren.

Zum Glück gibt es auch hier fleißige Entwickler in der Android-Community, welche es fast als eine Art Wettkampf betreiben, einen Weg zu finden, um auch diese Hürde zu umgehen.

Als Lösung wurde für Motorola-Geräte ein alternativer Kernel neben dem normalen Kernel gebootet. Mit diesem sollte es theoretisch möglich sein, auch angepasste Android-Versionen zu starten. Allerdings ist auch dies wieder nur eine Detaillösung und verspricht nicht automatisch Erfolg bei weiteren Geräten. Bisher gibt es zumindest keine stabile Firmware auf der Basis dieser Methode. Die Offenheit, die einige bei einem auf Linux basierenden System erwarten hätten, reicht also nur bis zur Haustür der jeweiligen Hersteller.

One-Click-Root

In den Anfängen der Root-Entwicklung für Android hat man mit Dateien auf einer SD-Karte oder Entwickler-Konsolen am Computer rooten müssen. Das hat sich aktuell etwas geändert, denn eine kleine Gruppe der bekannten XDA-Entwickler haben sich daran gemacht, für diverse gängige Android-Smartphones und deren Firmware einen One-Click-Root zu programmieren [4]. Ein großer Teil der Anwendung ist bereits fertig und wird stetig verbessert. Dieser verschafft dem Anwender die Möglichkeit, mit nur einem Klick sein Gerät zu rooten oder aber den Root rückgängig zu machen. Die Gefahr sein Gerät dabei unbrauchbar zu machen ist laut den Entwicklern zwar da, aber nahezu verschwindend gering. Diverse Anwendungen, auch durch unerfahrene Nutzer, haben dies bestätigt.

Die Software wird direkt auf das Android-Geräte geladen und muss anschließend auf diesem ausgeführt werden. Nach einem Neustart ist das entsprechende Gerät gerooten und kann diverse bereits erwähnte Vorzüge nutzen.

Abbildung 4: Mit einem Klick auf
Abbildung 4: Mit einem Klick auf

Wird mein Gerät unterstützt?

Derzeit steht der One-Click-Root für folgende Geräte zur Verfügung:

  • Google Nexus One
  • Google G1
  • HTC Hero
  • HTC Magic
  • HTC Tattoo
  • Dell Streak
  • Motorola Milestone
  • Motorola XT701
  • Motorola XT800
  • Motorola Droid/Milestone
  • Sony Ericsson X10
  • Sony Ericsson X10 Mini
  • Sony Ericsson X10 Mini Pro
  • Acer Liquid
  • Acer beTouch E400
  • Samsung Galaxy Beam
  • LG GT540

Laut den Entwicklern laufen die Anpassungen für weitere Smartphones bereits auf Hochtouren. Für das derzeit recht beliebte Samsung Galaxy S gibt es ein separates One-Click-Root-Projekt [5].

Manueller Root

Wer gerne etwas tiefer in die Materie einsteigen will, der rootet sein Smartphone auf alt hergebrachte Weise, nämlich manuell. Auch hier gilt wieder, man benötigt für jedes Gerät entsprechend kompatible Daten bzw. Root-Lösungen.

Im Vorfeld muss man die Suchmaschine seines Vertrauens bemühen und auch die Suche nach den passenden Dateien gehen. Dabei kommt es nicht nur auf das Modell an, sondern auch auf die aktuelle Firmwareversion. Meist wird die Signatur eines legitimen Updates genutzt, um eine modifizierte Variante zu erstellen.

Schauen wir uns einen manuellen Root-Vorgang am Beispiel vom Motorola Milestone einmal genauer. Sollten Sie diesen Vorgang selbst einmal ausprobieren, bedenken Sie bitte, dass die Redaktion keine Gewährleistung auf generelle Funktionstüchtigkeit übernimmt.

Abbildung 5: Auch das Milestone alias Droid lässt sich mit wenigen Handgriffen rooten.
Abbildung 5: Auch das Milestone alias Droid lässt sich mit wenigen Handgriffen rooten.

  • Schritt 1: Wir benötigen eine passende update.zip für unser Milestone. Diese findet sich in diversen Foren und Blogs. Wir haben die Datei von [6] heruntergeladen. Diese laden wir herunter und und kopieren sie auf die SD-Karte unseres Smartphones direkt in den Stammordner.
  • Schritt 2: Wir schalten das Telefon aus und schalten es anschließend mit gedrückter Kamerataste wieder ein. Diese halten wir so lange gedrückt, bis auf dem Display ein dreieckiges Symbol mit einem Ausrufezeichen erscheint.
  • Schritt3: Nun drücken wir die Lauter-Taste der Lautstärkewippe und die Kamerataste gleichzeigt, bis wir in den Recovery-Bildschirm kommen.
  • Schritt 4: Im Recovery-Bildschirm wählt Ihr nun den Punkt apply sdcard: update.zip aus. Damit flasht Ihr den Inhalt der Datei update.zip auf euer Gerät.

Die Prozedur wirkt sich nicht auf die OS-Version aus, sondern nur auf den Root-Vorgang. Das heißt, in diesem Fall ist ein mögliches offizielles Update weiterhin möglich. Die Hersteller verwehren allerdings nach solch einem Vorgang die Gewährleistungsansprüche.

Sonderfall Tablets

Ein weiteres durchaus lohnenswertes Einsatzgebiet für den Root-Zugang sind Android-Tablets. Durch die strengen Google-Auflagen, werden die meisten preisgünstigen Tablets ohne die Google Apps ausgeliefert. Denn auch wenn Android ein freies und kostenloses System ist, so besteht auf die integrierten Google Apps natürlich ein Copyright, auf das Google auch auf Biegen und Brechen besteht. Einfach gesagt, gefällt Google die Hardware nicht, gibt es eben keine Google Apps. Die Hersteller scheuen aus diesem Grund bereits im Vorfeld die Lizenzierungsprozedur, so dass die meisten aktuell am Markt befindlichen Android-Tablets keine Apps wie den Android Market oder Google Mail vorinstalliert haben. Hier kommt wieder der Root in’s Spiel.

Bekannt für seine technisch recht ausgereiften Tablets ist der französische Hersteller Archos. Dieser verzichtet aber generell auf die Lizenzierung der Google Apps. Durch die Entwickler-Gemeinde ist es allerdings mittlerweile möglich, Archos-Geräte zu rooten, weitreichend zu modifizieren und auch nachträglich und leider auch illegal die Google Apps darauf zu flashen.

Abbildung 6: Über die Root-Rechte kommt man auch beim Archos-Tablet an den Android-Store heran.
Abbildung 6: Über die Root-Rechte kommt man auch beim Archos-Tablet an den Android-Store heran.

Fazit

Wie aus der Anleitung unschwer zu erkennen ist, ist das Thema Android und Offenheit mehr Werbeaussage, als Garantie für die Endkunden. Geräte, die direkt von Google vertrieben werden, bieten zwar von Haus aus, die maximal möglichen Konfigurationsmöglichkeiten, der Großteil kommt allerdings von anderen Herstellern und bei denen sind Einschränkungen an der Tagesordnung.

Es liegt ja eigentlich auf der Hand: Wer mit einem freien System Umsätze generieren möchte, muss sich von der Masse abheben. Darum kocht jeder sein eigenes Firmware-Süppchen aus dem freien Android und sperrt dieses so gut weg, dass der Verbraucher es schwer hat, es nachträglich zu ändern.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, etwas Zeit und Geduld mitbringt und wenig Wert auf die Gewährleitung seines Smartphones legt, der kann mit einem Root-Zugang viel aus seinem Gerät heraus holen. Leider sind die Grenzen oft fließend und auch ein erfahrener Nutzer lebt immer mit dem Risiko, sein Gerät komplett außer Gefecht zu setzen. Daher ist das oberste Gebot, genau lesen und Schritt für Schritt die vorhanden Anleitungen befolgen.

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