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Android-Handys und Tablets rooten

In der Regel reglementieren die Hersteller ihre Kunden darin, was sie mit ihren Android-Smartphones anstellen dürfen, und was nicht. Mit einigen Kniffen erlangen Sie die volle Kontrolle über Ihr Android-System zurück.

Aus der Apple-Gemeinde kennen Sie vielleicht schon den Begriff Jailbreak. Er beschreibt treffend, auf dem iPhone/iPad Root-Rechte zu erlangen und damit Apples Einschränkungen abzustreifen. Mit Root wird umgangssprachlich ein Superuser-Konto auf einem Computersystem bezeichnet, das per Definition sämtliche Rechte darauf inne hat.

Das Erlangen von Root-Rechten auf Android-Smartphones stellt den Anwender jedoch vor andere Hürden als Apple-Geräte. Zum einen unterscheiden sich die Methoden häufig von Gerät zu Gerät, zum anderen ist es mit einem gewissen Aufwand und dem potentiellen Risiko verbunden, danach den berühmten Backstein in Händen zu halten.

Neue Ansätze

Kurz vor Redaktionsschluss Mitte November machten zwei neue Root-Methoden aus dem Forum MoDaCo auf sich reden. Die erste Methode nennt sich Superboot. Dabei handelt es sich um ein Boot-Image, das beim Start automatisch die Root- und sudo-APK installiert. Damit erübrigt sich ein kompliziertes Partitionieren und wiederherstellen des Geräts, sämtliche Einstellungen bleiben erhalten. Superboot gibt es als passendes Script für Windows, Mac und Linux bei android.modaco.com zum Download [6]. Das Tool soll laut Entwickler Paul O’Brien auch mit dem Galaxy Nexus klarkommen.

Die zweite Methode stammt vom Entwickler DooMLoRD und ist im XDA-Developer-Forum aufgetaucht. Sie nützt eine Schwachstelle in Android aus (zergRush Exploit) und soll die Smartphones und Tablets praktisch sämtlicher Hersteller unterstützen. Der Root-Exploit wird über ein entsprechendes Windows-Programm gestartet. Als Vorbereitung muss lediglich der Entwicklermodus auf dem Android-Gerät eingeschaltet werden. Zudem darf das Handy/Smartphone nicht per USB-Massenspeicher mit dem PC verbunden sein. Die komplette Anleitung zum DooMLoRD’s Easy Rooting Toolkit finden Sie bei xda-developers.com [7]. Hier gibt es inzwischen auch angepasste Skripte für Linux und Mac OS X.

Kein Root?

Bei einem Computer ist der Root-Zugang eher der Normalfall, bei einem Smartphone hingegen von sämtlichen Herstellern unerwünscht. Dies ist nicht unverständlich, denn ein ungeschützter Zugriff auf eine grundlegende Systemebene birgt vor allem für unerfahrene Nutzer unkalkulierbare Gefahren, welche die komplette Systemstabilität gefährden können.

Ein Root-Zugang und dessen Möglichkeiten sind kein Hexenwerk, allerdings setzt er voraus, dass Sie sich im Vorfeld mit dem Thema auseinandersetzen und eine gewisse Einarbeitungszeit in Kauf nehmen. Wer sich die Zeit nimmt, wird dafür reichlich entlohnt. Es ergeben sich schier unendliche Modifikationsmöglichkeiten und manch altes Android-Gerät erstrahlt in neuem Glanz und macht den Kauf eines Nachfolgemodells womöglich überflüssig.

Unterschiede von Gerät zu Gerät

Der wohl größte Segen und gleichzeitig der größte Fluch bei Android ist die Gerätevielfalt. Sie wählen nach Belieben zwischen verschiedenen Bauformen und Preisklassen Ihr Smartphone aus. Was Sie beim Kauf allerdings meist nicht wissen ist, ob es sich rooten lässt. Denn so umständlich es klingt, so wahr ist es: Jedes einzelne Modell von jedem einzelnen Hersteller erfordert eine eigene Prozedur, um es zu rooten. Wer zum Beispiel ein Android-Smartphone von LG erfolgreich gerootet hat, kann auf der anderen Seite an einem Gerät von HTC verzweifeln.

Es gilt jeweils, die entscheidende Lücke zu finden, welche den Zugriff zum System gewährt. Eine Lücke, welche die Hersteller mit Ihrer meist modifizierten Android-Variante nicht bedacht haben. Wem ein Root-Zugriff, Systemmodifikationen und Community-Support wichtig ist, der sollte sich auf jeden Fall vor dem Kauf in einschlägigen Foren und Blogs darüber kundig machen, ob das ausgewählte Gerät auch rootbar ist.

Root ist nicht gleich Root

Wie erwähnt sehen es die Hersteller nicht gerne, wenn Nutzer Ihre Geräte rooten und Modifikationen vornehmen. Es ist schwer, Support für etwas zu leisten, was der Nutzer in Eigenregie verändert hat. Google hat es mit seinem unter eigener Flagge vertriebenem Nexus One zwar vorgemacht, wie man dem Nutzer auch offiziell die Möglichkeit für einen Root-Zugang einräumen kann, bisher ist aber noch kein Hersteller nachgezogen.

Zum Glück gibt es fleißige Entwickler in der Android-Community, welche mit sportlichem Ehrgeiz nach den Lücken suchen, die das Rooten des jeweiligen Geräts erlaubt.

Als Lösung für Motorolas verschlüsselten Boot-Loader ersannen sie beispielsweise das Nutzen eines alternativen Kernels neben dem normalen. Das ermöglicht es auch, auch angepasste Android-Versionen zu starten. Allerdings ist auch das wieder nur eine Detaillösung und verspricht nicht automatisch Erfolg bei weiteren Geräten. Bisher gibt es zumindest keine stabile Firmware auf der Basis dieser Methode. Die Offenheit, die einige bei einem auf Linux basierenden System erwarten hätten, reicht also nur bis zur Haustür der jeweiligen Hersteller.

One-Click-Root

Galt das Rooten in den Anfangszeiten von Android noch als Aufgabe für ausgewiesene Spezialisten, hat sich das inzwischen geändert. Eine ganze Schar an Hackern macht es sich inzweischen zur Aufgabe, Android-Systeme möglichst effizient und anwendungsfreundlich zu öffnen. Dazu zählt eine kleine Gruppe von XDA-Entwicklern, die sich daran gemacht haben, für diverse Android-Smartphones und deren Firmware einen One-Click-Root zu programmieren [1]. Es handelt sich dabei um eine App, die es Ihnen nach der Installation ermöglicht, mit nur einem Klick Ihr Gerät zu rooten oder aber den Rootmodus rückgängig zu machen.

Abbildung 1: Praktisch aber veraltet: Mit einem Klick auf "Root :-)" entsperren Sie Ihr Android-Smartphone.
Abbildung 1: Praktisch aber veraltet: Mit einem Klick auf "Root :-)" entsperren Sie Ihr Android-Smartphone.

Die Gefahr, das Gerät dabei unbrauchbar zu machen, ist laut den Entwicklern verschwindend gering. Es gilt, zu beachten, dass nicht nur das Modell, sondern auch die darauf verwendete Firmware eine essentielle Rolle spielt, ob das Rooten funktioniert oder nicht. Da die Schwachstelle, der sich die App bedient, laut Entwicklerangaben zwischenzeitlich in den meisten Firmware-Versionen behoben wurde, haben die Entwickler von einer Weiterentwicklung der App abgesehen, und verweisen stattdessen auf das Projekt Superoneklick.

Superoneklick

Hier scheinen die Programmierer in der Tat ein Projekt auf die Beine gestellt zu haben, das in der Lage ist, die meisten bekannten Smartphones ohne großen Aufwand zu rooten. Eine Aufstellung aller unterstützten Geräte gibt es derzeit nicht, die Entwickler sprechen jedoch von einer Erfolgsquote von 99 Prozent. Als Gund dafür gibt das Projekt eine Schwachstelle in ADB an, die auf allen Geräte gleich sei. Um das Programm unter Windows zu starten, muss darauf mindestens das .NET-Framework 2.0 installiert sein. Des weiteren muss auf dem Rechner der USB-Treiber des jeweiligen Smartphones installiert sein, den der Hersteller normalerweise im Rahme seiner PC-Software mitliefert oder zum Download anbietet.

Einige Geräte bieten nach dem Anstecken auch die direkte Installation der Treiber an, die sie in einem extra Speicherbereich vorhalten. Nach dem Abschluss der Vorbereitungen laden Sie die aktuellste Version 2.1.1 der Software herunter, und entpacken sie in einem extra Verzeichnis. Eine Installation ist nicht notwendig.

Vor dem Verbinden des Smartphones mit dem PC aktivieren Sie unter Einstellungen | Apps | Entwicklung die Option USB-Debugging. Als Verbindungsart wählen Sie Portal & Tools. Starten Sie danach aus dem Superoneklick-Verzeichnis das Programmm SuperOneClick.exe

Abbildung 2: Zwar gestaltet sich das Rooten von Smartphones nicht ganz so trivial wie beispielsweise mit Z4root, dafür unterstützt Superoneklick aber deutlich mehr Geräte.
Abbildung 2: Zwar gestaltet sich das Rooten von Smartphones nicht ganz so trivial wie beispielsweise mit Z4root, dafür unterstützt Superoneklick aber deutlich mehr Geräte.

Damit die jeweils aktuellsten Treiber und Tools zum Einsatz kommen, klicken Sie in der Menüleiste zunächst auf Update Check. Um das angeschlossene Gerät zu rooten, genügt danach ein Klick auf den Button Root. Die Software vollzieht dabei gleich mehrere Schritte. Als erstes verschafft sie sich Zugang zum System, danach lädt es die Tools busybox, sqlite und su hoch. Zusammen mit der App SuperUser, die sie ebenfalls direkt mit installiert, gewährt diese zukünftig anfragenden Apps Superuser-Rechte auf dem System, sofern Sie es zulassen. Als Mono-Anwendung arbeitet Superoneclick auch unter Linux und Mac OS X.

Abbildung 3: Nach dem erfolgreichen Rooten des Smartphones erscheint bei jedem Root-Zugriff einer App die SuperUser-Abfrage.
Abbildung 3: Nach dem erfolgreichen Rooten des Smartphones erscheint bei jedem Root-Zugriff einer App die SuperUser-Abfrage.

Z4root

Eine weitere Möglichkeit, auf bequeme Weise Androiden Root-Rechte geben bietet die App Z4root, die ebenfalls von den Entwicklern aus dem XDA-Forum stammt [3]. Derzeit unterstützt die App zwar nur etwa 25 Geräte, allerdings zählen dazu einige sehr weit verbreitete wie das Motorola Defy und das Samsung Galaxy S in allen Varianten.

Um die App zu nutzen genügt es, sie herunterzuladen und auf die SD-Karte des Smartphones zu kopieren von wo aus Sie das Tool installieren. Hier gilt es, zu beachten, dass dafür die Option Unbekannte Herkunft unter Einstellungen | Anwendungen aktivieren eingeschaltet sein muss, da Android sich andernfalls weigert, sie zu installieren.

Beim anschließenden Start der App genügt es, auf den Button Root zu tippen, um das Smartphone zu entsperren. Wie bei den anderen Root-Tools auch installiert die App unter anderem die App SuperUser, die zukünftig die Rechte verwaltet.

Rufen Sie die App nach dem Rooten erneut auf, bietet sie Ihnen an, das Gerät zu rerooten oder den Root-Zugriff rückgängig zu machen.

Abbildung 4: Die App Z4root erlaubt das Rooten von Smartphones mit nur einem Klick. Sie unterstützt wesentlich mehr und vor allem auch aktuellere Geräte als das Tool One-Click-Root.
Abbildung 4: Die App Z4root erlaubt das Rooten von Smartphones mit nur einem Klick. Sie unterstützt wesentlich mehr und vor allem auch aktuellere Geräte als das Tool One-Click-Root.

Root-Apps und Möglichkeiten

Der Superuser-Zugang bietet Ihnen vielfältige Möglichkeiten. Mit ihm ist es beispielsweise möglich, diverse Root-Apps zu nutzen, welche Sie im Android Market und auf einigen Community-Seiten finden. So ermöglicht es die Root-App ShootMe [4] durch leichtes Schütteln des Android-Smartphones, Screenhsots von diesem zu erstellen.

Eines der beliebtesten Root-Programme ist SetCPU [5]. Es ermöglicht Ihnen, die Taktrate des Smartphone-Prozessors beliebig hoch- bzw. herunter zu regeln und so deutlich bessere Systemperformance bzw. erheblich längere Akkulaufzeiten zu erreichen.

Abbildung 5: Mit SetCPU legen Sie die Geschwindigkeit der CPU fest, nicht der Handy-Hersteller.
Abbildung 5: Mit SetCPU legen Sie die Geschwindigkeit der CPU fest, nicht der Handy-Hersteller.

Interessant für viele Nutzer dürften auch die Möglichkeiten zur optischen Anpassung sein. So ist es möglich, diverse Systemelemente wie den Programmstarter oder die Benachrichtigungsleiste einfach im Design zu ändern. Wer etwas experimentierfreudiger ist, kann sich auch an das Flashen vollständiger Custom-Firmwares wagen. Diese von der Community angepassten Varianten sind meist perfekt auf die jeweiligen Geräte abgestimmt, und oftmals leistungsfähiger als die ROMs der Hersteller.

Fazit

Wie aus der Anleitung unschwer zu erkennen ist, ist das Thema Android und Offenheit mehr Werbeaussage denn eine Garantie für die Endkunden. Geräte, die Google selbst vertreibt oder vertrieben hat, beispielsweise das Nexus, bieten zwar von Haus aus die maximal möglichen Konfigurationsmöglichkeiten. Dafür sind teils drastische Einschränkungen bei den Geräten anderer Hersteller immer noch an der Tagesordnung.

Es liegt ja eigentlich auf der Hand: Wer mit einem freien System Umsätze generieren möchte, muss sich von der Masse abheben. Darum kocht jeder sein eigenes Firmware-Süppchen aus dem freien Android und sperrt dieses so gut weg, dass der Verbraucher es schwer hat, es nachträglich zu ändern. Ob sich das mit Ice Cream Sandwich nun grundlegend ändern wird, muss sich erst zeigen.

Wer der englischen Sprache mächtig ist, etwas Zeit und Geduld mitbringt und wenig Wert auf die Gewährleitung seines Smartphones legt, der kann mit einem Root-Zugang viel aus seinem Gerät heraus holen. Allerdings gestalten sich die Grenzen oft fließend und auch ein erfahrener Nutzer lebt immer mit dem Risiko, mit einem falschen Handgriff beim Rooten sein Gerät komplett außer Gefecht zu setzen. Daher ist das oberste Gebot: Genau die jeweilige Anleitung lesen und sie Schritt für Schritt befolgen.

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