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Album der Woche: John Newman – Tribute

Kann jemand erklären, warum John Newman Hits aus dem Ärmel schüttelt wie andere Asse beim Pockern? Mit Schummeln hat das wenig zu tun, aber vielleicht damit: John Newman schließt die Lücke zwischen James Brown und Rudimental und lässt den Northern Soul in neuem Glanz erstrahlen.

Das Musikgeschäft ist manchmal wie ein Poker-Runde. Ein großer Bluff mit vielen ausdrucksloses Gesichtern, deren Ziel die Gewinnmaximierung allein ist. Und während alle auf ihr Glück setzen, die Charts zu rocken, hat John Newman in jeder Runde zwei Pärchen Asse auf der Hand und ein verschmitztes Lächeln unter seiner stilsicheren Haartolle.

 

Bei dem Versuch, das Phänomen John Newman zu beschreiben, gerät der Superlativ-Generator dann aber doch ins Stocken. Welche Redewendungen sollen noch erfunden werden, um diesem Ausnahmetalent gerecht zu werden, das alles, wirklich alles im Alleingang schreibt, aufnimmt, produziert, schneidert und entwirft. Das allein reicht aber noch nicht, denn John Newman hat für alles, wirklich alles ein goldenes Händchen. Fast zur Randnotiz werden da die beiden Hitsingles die bereits vor seinem Debütalbum "Tribute" die Charts rockten, die aber nicht aus dem Album herausragen, wie das bei anderen Künstlern manchmal der Fall ist. Nein, John Newman ist keine Single-Maschinerie. Er ist ein Albumkünstler, vom ersten bis zum letzten Song.

 

"Tribute" (reinhören) steckt voller Soul, der zwischen hyperaktiver Lebensfreude und nachdenklicher Melancholie schwingt. Alle Songs eint die bedingungslose Ehrlichkeit, mit der John Newman seine Musik schreibt. Kein gekünsteltes Taktieren und Jonglieren mit Genres, um möglichst viele Menschen von seiner Musik zu überzeugen. "Tribute" ist daher ganz bei sich. Lässt mit seinen Uptempo-Hits  Discokugeln in muffigen Büros erscheinen und setzt, mit viel Gefühl, Klavier und Streicherbombast dem Soul in bester Pulp-Fiction-Manier eine Adrenalinspritze direkt ins Herz. Aber nicht nur Vincent Vega hätte seine Freude daran. Großbritannien, Deutschland, Europa und dann die Welt wird gefallen daran finden und die Schuhe beim Tanz zum Glühen bringen. Aber selbst das ist noch nicht genug für John Newman, denn er stemmt das alles und lässt es auch noch locker aussehen. Wo bleibt nur der Superlativ-Generator, wenn man ihn am dringendsten braucht?

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