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Album der Woche: Bruce Springsteen – High Hopes

Beginnen wir 2014 mit Bruce Springsteen und der Frage, ob sein neues Album "High Hopes" die hohen Erwartungen erfüllen kann.

Eines gleich vorweg: Bruce Springsteen spielt mit den Erwartungen der Fans und Kritiker und schreckt im Alter von 64 Jahre nicht vor dem Risiko zurück, ein – für ihn – radikales Album zu veröffentlichen. Denn nichts anderes ist "High Hopes".

Die größte Überraschung ist, dass im Zentrum des Albums nicht The Boss himself steht, sondern ein Gitarrist, der eigentlich nur auf der Tour ausgeholfen hat. Dieser Gitarrist ist aber niemand Geringeres als Tom Morello (Rage Against The Machine, Audioslave, The Nightwatchman), der Effekt-Virtuose, der besonders beim jüngeren Publikum höchste Wertschätzung genießt. Daher ist der Schachzug, Tom Morello viel Raum auf dem Album zu gewähren, aus zweierlei Hinsicht eine kluge Entscheidung. Erstens bringt er musikalische Neuerung in den Sound der E-Street Band und zweitens die Möglichkeit einer neuen Hörerschaft.

 

 

 

Die erste Single und gleichzeitig der Titelsong "High Hopes" zeigt sich deutlich geprägt von dem Gitarrenspiel Tom Morellos, das auch nach mehrmaligem Hören etwas fremd im Bruce-Springsteen-Kontext wirkt, aber schließlich zu einer Bereicherung des Sounds wird. Ähnliches gilt für den Springsteen-Klassiker "The Ghost Of Tom Joad", der in der überarbeiten Version explosiver aus den Boxen knallt als zuvor. Morello liefert zwei mächtige Soli, die sich mit der Band zu einem Crescendo vermählen und das Lied zu einem unbändigen Raubtier machen.

Auf insgesamt acht der zwölf Lieder ist Tom Morello zu hören. Auf Coverversionen, auf alten wie auf neuen Songs. Er bereichert den Sound und erfrischt diesen mehr, als das einer erfahrenen Legende wie Bruce Springsteen allein möglich gewesen wäre. Dennoch darf Bruce hier nicht zu kurz kommen, denn auch wenn er nicht mehr die kreative Energie vergangener Jahre besitzt, ist und bleibt er mit seiner Art und Weise, Songs Wendungen zu schenken,eine Institution. Lieder wie "Just Like Fire Would" bringen den positiven Spirit des Amerikana-Springsteen-Blues samt Orgelsound und Trompetensolo auf den Punkt. "Down In The Hole" hingegen zeigt The Boss von der ruhigen wie mutigen Seite. Aus dem Nichts taucht, über Sphären schwebend, seine Stimme auf, ehe ein treibendes Schlagzeug der Ruhe dennoch kein Feind ist und im Verlauf eine irische Melodie, gespielt von Orgel und Streichern, zum zentralen Motive wird. Andere Lieder (wie "American Skin") irren ein wenig ziellos durch das Album und dienen auf "High Hopes" eher als Füller denn als Killer.

Fans alter Stunde, die gern ein in perfekter E-Street-Harmonie schwingendes Album hören wollen, müssen sich an den Sound auf "High Hopes" gewöhnen. Die Stimme und die Melodien, die Bruce Springsteen intoniert, machen diesen Vorgang aber zu einem leichten. So wird aus "High Hopes" kein Meisterwerk, aber ein mehr als beachtliches Spätwerk einer lebenden Legende.

 

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