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Album der Woche: Augustines – Augustines

Vielleicht schon das Indie-Highlight des Jahres 2014. Die Augustines bringen zumindest alles notwendige dafür mit.

Damit ein Album zum Highlight des Jahres avanciert, muss es erstens, zweitens und drittens einen Haufen Hits aufweisen, zu denen die Clubs der Nation tanzen. Viertens müssen die Singles in die Studentenradios in Schleife rotieren. Die Refrains benötigen, fünftens, das Potential, um auf Konzerten laut gesungen zu werden, und die Melodien müssen, sechstens, eine Eingängigkeit aufweisen, die zum Summen in der Öffentlichkeit anregt. Im Grunde müssen die Songs, siebtens, zu Hymnen werden, die dem Hörer am Ende des Tages das Gefühl vermitteln, dass sie nur für ihn geschrieben wurden. Ein Kraftakt, der, achtens, auch noch locker leicht klingen muss. Nur wenigen Bands gelang diese schwere Aufgabe in der Vergangenheit. Coldplay, Maximo Park, Franz Ferdinand und Mumford&Sons waren die letzten Bands, die ganz groß rauskamen. Die Augustines könnte die nächste Band sein, die auf ihrem selbst betitelten Album (reinhören) alle acht Kriterien erfüllt.

 

Wie Kurzgeschichten beginnen die Songs im Irgendwo, um den Hörer auf eine Reise mitzunehmen, die mit viel Pathos versehen an Chören und gefühlten 20 Gitarren vorbei führt, bis sich scheinbar jede Melodie und jedes Instrument in einem Kanon überlagert und das Lied in höchsten Höhen, ins Überall, ins Hier und Jetzt treibt und fulminant enden lässt. Über allem thront die Stimme des Sängers, die wettergegerbt gegen jeden Sturm ansingt, bis sie jeden Schlüssel zu jedem Schloss aller Herzen zugeworfen bekommt.

Neben den beiden hier verlinkten Videos bringen alle Lieder diese Qualität mit sich. Trotzdem klingen nicht alle gleich. "Weary Eyes" scheint auf der Stelle zu treten, verbrüdert sich mit den Hörern, die sich vielleicht selbst gerade in einer Sackgasse wähnen, bis Ahs und Ohs aus dem Hintergrund heraus die Seele streicheln und sich jedes Gefühl der Einsamkeit in Wohlgefallen auflöst. Oder "Avenue", das mit dem Balsam des Klaviers startet und weitere Heilung erfährt, wenn die Streicher beginnen. Ein in sich ruhendes Lied, das neben dem Frieden eine Eigenschaft der Augustines verdeutlicht, die sie (noch) von Bands wie Coldplay und Mumford&Sons unterscheidet: Die Ecken und Kanten sind (noch) an Ort und Stelle, dort wo sie hingehören.

 

Mit diesem Album könnten die Augustines den Grundstein für eine weltweite und ruhmreiche Karriere legen. Die Stellschrauben müssen hierfür nur geringfügig angepasst werden, so wenig, wie bei kaum einer anderen Indie-Band, bevor der Erfolg kam. Coldplay zum Beispiel mussten kurz vor dem Durchbruch mehr riskieren als die Augustines jetzt. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten. Das Album hat aber unendliches Potential.

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