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Akkuverbrauch bei schlechtem Empfang drosseln

Wer viel in empfangsschwachen Gegenden unterwegs ist, hat mit besonders kurzen Akku-Laufzeiten zu kämpfen. Dieser Artikel zeigt, woran das liegt ? und wie man dem entgegenwirken kann.

Wenn ein Großstädter einmal längere Zeit in ländlichen Gebieten unterwegs ist, fällt ihm häufig auf, dass der Akku-Verbrauch seines Smartphones wesentlich höher ist. Als erfahrener Android-Anwender schaut er nun in den Akku-Statistiken unter Einstellungen | Über das Telefon | Akkuverbrauch nach, woran dies wohl liegen mag und findet unter den größten Verbrauchern den Eintrag Mobilfunk-Standby.

Abbildung 1: Mobilfunk-Standby als Hauptverbraucher: Hier war man in empfangsschwachen Gebieten unterwegs.
Abbildung 1: Mobilfunk-Standby als Hauptverbraucher: Hier war man in empfangsschwachen Gebieten unterwegs.

Mobilfunk-Standby

Die Sende-/Empfangs-Einheiten moderner Smartphones sind auch mit Blick auf Stromsparen konzipiert. Bei gutem Empfang reduzieren sie die Sendeleistung so weit wie möglich – was in Großstädten aufgrund der relativ dicht beieinanderstehenden Sendemasten auch fast überall möglich ist. Sinkt nun die Signalqualität, wird die Sendeleistung erhöht, um den schlechten Empfang zu kompensieren. Kritisch wird es, wenn praktisch kein Sendemast mehr ein genügend starkes Signal bereitstellen kann: Dann versucht das Smartphone, mit maximaler Leistung (oft vergeblich), ein brauchbares Trägersignal bereitzustellen.

Abbildung 2: Der Balken "Telefonsignal" zeigt, wie gut (hier eher schlecht) es um die Signalqualität bestellt war.
Abbildung 2: Der Balken "Telefonsignal" zeigt, wie gut (hier eher schlecht) es um die Signalqualität bestellt war.

Der Screenshot aus den Verbrauchsdetails zeigt dies recht deutlich anhand der verwendeten Farbcodes: Bei sattem Grün war ein starkes Signal vorhanden (der Verbauch also gering). Bei alarmierendem Rot ging nichts mehr. Alles andere liegt irgendwo dazwischen. Je höher die Signalstärke, desto geringer also der Stromverbrauch durch Mobilfunk-Standby.

© xda-developers.comAbbildung 3: Farbcodes der verschiedenen Signalstärken. Quelle [1]
© xda-developers.comAbbildung 3: Farbcodes der verschiedenen Signalstärken. Quelle [1]

Funklöcher meiden

Funklöcher lassen sich nicht komplett vermeiden, und da man in ihnen eh nicht erreichbar ist wäre es zumindest gut zu wissen, wo sich im eigenen Einzugsgebiet solche Löcher befinden. Eine mehr als nur nette Zusatzfunktionalität wäre darüber hinaus eine Warnung, sobald man in ein solches Funkloch fällt, besser natürlich noch etwas früher. Für beides bietet der Play Store mehr als nur eine Lösung in Form einer App an.

Abbildung 4: Die Apps No Signal Alert und OpenSignalMaps protokollieren Funklöcher und warnen bei ihrem Betreten.
Abbildung 4: Die Apps No Signal Alert und OpenSignalMaps protokollieren Funklöcher und warnen bei ihrem Betreten.

Die prominentesten Apps in diesem Umfeld sind No Signal Alert [2] und OpenSignalMaps [3]. Beide protokollieren Funklöcher (auch "Tote Zonen" genannt) und zeigen diese auf einer Karte an. Außerdem lassen sich beide Apps konfigurieren, beim Betreten einer solchen Zone einen Alarm auszulösen. Damit weiß der Anwender sofort, dass er jetzt nicht mehr erreichbar ist. Ein gutes Plus von OpenSignalMaps ist der Funkmast-Kompass: Bei Alarm schnell ein paar Schritte zurück in die Reichweite eines Funkmasten – und dann mit Hilfe dieses Kompass weiter direkt auf den Mast zu, um noch schnell bei besserem Signal ein Telefonat führen zu können.

Da Dank dieser Apps die Toten Zonen, in denen man sich bewegt hat, protokolliert werden und sich überdies auf der Karte anzeigen lassen, kann man diese Informationen für die Zukunft mit in die Planung einbeziehen und seine Kontakte entsprechend vorwarnen, wann man voraussichtlich schlechter erreichbar ist – oder den Gefahrenbereich weiträumig umfahren.

Bei schwachem Empfang

Es gibt auch Apps die bei schwachem Empfang hilfreich sind. Nach einem Test mehrerer Kandidaten haben sich insbesondere AutoPilot [4] und NoBars Battery Saver [5] als recht zuverlässing und effektiv herausgestellt. Beide arbeiten nach dem gleichen Prinzip: Wenn die Signalstärke so schwach ist, dass sie weder für Daten- noch für Sprachdienste taugt, kann man die Sendeeinheit auch gleich ganz abschalten (Flugzeug-Modus). Einen Nutzen bringt das Signal dann ohnehin nicht mehr. In konfigurierbaren Intervallen wird der Flugzeug-Modus dann verlassen, um die Signalstärke erneut zu ermitteln.

Abbildung 5: AutoPilot und NoBars schlagen in Funklöchern zu - und helfen Akku zu sparen.
Abbildung 5: AutoPilot und NoBars schlagen in Funklöchern zu – und helfen Akku zu sparen.

Dies hat sich als sehr praxistauglich erwiesen: Keine Funktionalitäts-Einbußen beim Smartphone (ob im Flugzeugmodus oder lediglich "kein Signal" bedeutet in der Praxis das das Gleiche) – aber bis zu zwanzig Prozent längere Akku-Laufzeit! Ein Blick auf die Akku-Statistiken belegt: Wo füher ohne Einsatz dieser Apps ein langer roter Streifen war, ist jetzt einfach ein Loch, das keinen Strom verbraucht.

Abbildung 6: Die Funklöcher finden sich nun im Telefonsignal-Graphen wieder - ohne Akkuverbrauch.
Abbildung 6: Die Funklöcher finden sich nun im Telefonsignal-Graphen wieder – ohne Akkuverbrauch.

Beide Apps haben ihre Vor- und Nachteile, wenn man sie miteinander vergleicht: Während NoBars dezent im Hintergrund arbeitet und abgesehen von den Konfigurations-Bildschirmen nichts Grafisches bietet, findet sich bei AutoPilot zusätzlich ein Protokoll der Aktivitäten. So kann man auch im Nachhinein schauen: Funkloch um 12:17 Uhr? Wo war ich da gerade? Leider bezahlt man dieses Feature damit, dass der Bildschirm bei jedem Check kurz aufflackert – was auf Dauer etwas nervt. So bietet sich alternativ an, für die Protokollierung eine der zuvor genannten Apps zu verwenden: Dann muss man auch nicht raten, wo man um die fragliche Uhrzeit gerade war.

Fazit

Funklöcher und gesteigerter Akkuverbrauch durch schlechten Empfang lassen sich nicht komplett vermeiden. Wer jedoch gut darauf vorbereitet ist, kann seinen Akku zusätzlich schonen. In der folgenden Ausgabe von Android User zeigen wir Ihnen, wie Sie die hier vorgestellten Apps durch Tasker [6] ersetzen und so eine maßgeschneiderte Lösung bauen.

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