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AeroFS, Alternative zu ownCloud oder Dropbox

© (C) AeroFS

Viele User hegen ein Misstrauen gegenüber den allseits gelobten Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox oder Google Drive. Der Datenabgleich über die Cloud ist praktisch, doch Sie geben die Kontrolle über Ihre Daten aus der Hand. AeroFS arbeitet ohne fremde Server, verspricht aber ähnlichen Komfort wie Dropbox.

Dropbox, Box, Google Drive und Co. sind ohne Zweifel praktische Tools. Ohne großen Aufwand gleichen Sie Daten zwischen Ihren Rechnern ab, schieben Dateien vom Handy ins Netz oder arbeiten mit Freunden oder Kollegen gemeinsam an Projekten. Die Sache hat aber einen Haken: Sie geben die Kontrolle über Ihre Daten auf. Ohne eine Verschlüsselung mit einem selbst generierten Schlüsseln – dies bietet etwa nur SpiderOak [1] – könnte der Anbieter jederzeit auf die in der Cloud gespeicherten Daten zugreifen.

Abhilfe schafft da nur ein verschlüsselter Container in der Cloud oder eine selbst gehostete ownCloud-Installation [2], doch nicht jeder hat das Wissen und die Ressourcen so etwas aufzusetzen und über Dauer zuverlässig zu betreiben. Mit AeroFS [3] steht nun eine Alternative bereit, die Dropbox-Bequemlichkeit mit dem Vorteil einer "eigenen" Cloud kombinieren möchte, seit Anfang April ist der Dienst öffentlich zugänglich.

AeroFS, die Wolke für Zuhause

AeroFS ist im Gegensatz zu ownCloud keine freie Software, allerdings verzichtet der Dienst auf einen gehosteten Service. Stattdessen synchronisieren die an Ihren Account gebundenen Clients ihre Daten verschlüsselt direkt von Peer-to-Peer. Es gibt also in der Grundkonfiguration keinen zentralen Server in der allgegenwärtigen Datencloud. Das Web-Frontend auf der Homepage von AeroFS dient lediglich zum Verwalten Ihres Accounts.

Die Arbeit die Daten zwischen Ihren Rechner und mobilen Geräten abzugleichen übernimmt ein Client, den es für Windows, MacOS X und auch Linux [4] gibt. Damit Sie auch von unterwegs aus Zugriff auf Ihre Daten haben, hat AeroFS inzwischen auch eine Android-App im Angebot. Die Installation des Clients läuft dank Setups für Windows und Mac oder Paketen für gängige Linux-Systeme in wenigen Augenblicken ab.

Abbildung 1: Das Web-Frontend von AeroFS dient lediglich zur Verwaltung Ihres Accounts. Zugriff auf Ihre Daten wie bei Dropbox haben Sie dort nicht.
Abbildung 1: Das Web-Frontend von AeroFS dient lediglich zur Verwaltung Ihres Accounts. Zugriff auf Ihre Daten wie bei Dropbox haben Sie dort nicht.

Der Abgleich funktioniert im LAN auch ohne direkten Internetzugang. Wie bei Dropbox speichern Sie Ihre abzugleichende Daten in dem von AeroFS überwachten Verzeichnis. Unmittelbar darauf verteilt AeroFS die Dateien rasend schnell über Ihr heimisches LAN an alle Rechner, auf denen ebenfalls der AeroFS-Client mit Ihrem Account installiert wurde. Ist ein zusätzlicher Client nur über das Internet zu erreichen, braucht der Abgleich auf diesem natürlich ein wenig länger. Neben dem Standard-Ordner lassen sich auch zusätzliche Ordner frei zum Synchronisieren auswählen.

Abbildung 2: Der AeroFS-Client erinnert im Aufbau stark an Dropbox. Er gleicht im Hintergrund Änderungen an Ihren Daten mit weiteren Clients ab.
Abbildung 2: Der AeroFS-Client erinnert im Aufbau stark an Dropbox. Er gleicht im Hintergrund Änderungen an Ihren Daten mit weiteren Clients ab.

Wie auch bei Dropbox versioniert AeroFS Änderungen am Dateisystem. Wer also aus Versehen Dateien löscht oder Änderungen macht, die er eigentlich wieder rückgängig gemacht haben möchte, der kann alte Versionen der per AeroFS geteilten Daten wiederherstellen. Da AeroFS selber kein Hosting anbietet, gibt es auch keine Größenbeschränkungen. Wer will kann per AeroFS ganze Terrabytes zwischen seinen Rechnern abgleichen.

Team-Server für Online-Storage

Im P2P-Betrieb funktioniert der vollständige Abgleich natürlich nur, wenn alle beteiligten Rechner laufen und über das Netzwerk oder Internet verbunden sind. Arbeiten Sie mit einem Kollegen auf der anderen Seite des Erdballs zusammen, dann warten Sie eventuell vergeblich darauf, dass die letzten Änderungen des Kollegen via AeroFS auf dem eigenen Rechner landen, wenn dieser schon seinen Rechner für den Feierabend abgeschaltet hat.

Für diesen Fall bietet AeroFS einen eigenen AeroFS Team Server (ebenfalls für Windows, MacOS X und Linux) an [5]. Diesen können Sie auf Ihrem eigenen Rechner Zuhause oder aber auch auf einem Root-Server im Internet installieren und so praktisch Ihr eigenes Dropbox schaffen. Unter Linux unterstützt der Server offiziell Ubuntu 8.04+ mit Paketen, für andere Distributionen werden Archive mit direkt lauffähigen Binaries angeboten.

Brauchen Sie mehr Rechenpower oder Redundanz für den Fall, dass ein Server ausfällt, dann lassen sich mehrere Aero-FS Team Server einfach durch die Installation des Serverdienstes auf weiteren Rechnern unter dem selben Account-Namen zusammenschalten. Alle Daten werden dann umgehend zwischen den Servern synchronisiert und aktuell gehalten.

Verschlüsselte Übertragung

Generell läuft die Kommunikation von AeroFS-Client zu -Client bzw. zwischen AeroFS-Server und -Client mit einem 2048-bit starken RSA-Schlüssel verschlüsselt ab. Im LAN kommunizieren Ihre Client direkt. Nur bei der Nutzung eines auf einem Root-Server im Internet installierten Team-Servers verlassen ihre Daten Ihr heimisches Netz, sie bleiben aber jederzeit komplett unter Ihrer Kontrolle, die Server von AeroFS sind im Normallfall nicht an der Datenübertragung beteiligt.

Eine Ausnahme bildet die Kommunikation zweier hinter Firewalls liegender und über das Internet abgeglichener Clients da. Hier dient der Server http://zephyr.aerofs.com als Relay [6], da eine direkte Kommunikation unter Umständen nicht möglich ist. Da der Datentransfer jedoch von Ende zu Ende verschlüsselt abläuft, kann AeroFS die übertragenen Daten nicht einsehen.

Android-App mit Schwächen

Damit Sie auch von unterwegs und ohne großen Computer Zugriff auf Ihre Daten haben, bietet AeroFS auch eine App für Android an [7]. Sie finden Sie im Google Play Store zum kostenlosen Download. Nach der Installation reicht die Eingabe Ihres AeroFS-Accounts, schon sehen Sie Ihre in der eigenen Cloud gespeicherten Daten.

Abbildung 4: Die AeroFS-App für Android ist in Ihrer Funktion noch sehr eingeschränkt. Sie erlaubt lediglich den Download Ihrer Online-Daten.
Abbildung 4: Die AeroFS-App für Android ist in Ihrer Funktion noch sehr eingeschränkt. Sie erlaubt lediglich den Download Ihrer Online-Daten.

Abbildung 5: All zu oft endet aber selbst der Download kleiner Textdateien vom eigenen Team Server mit nicht weiter ausgeführten Fehlermeldungen.
Abbildung 5: All zu oft endet aber selbst der Download kleiner Textdateien vom eigenen Team Server mit nicht weiter ausgeführten Fehlermeldungen.

Abbildung 6: Wer in den Einstellung der AeroFS-App nach Einstellungsmöglichkeiten sucht, der wird bisher noch enttäuscht werden.
Abbildung 6: Wer in den Einstellung der AeroFS-App nach Einstellungsmöglichkeiten sucht, der wird bisher noch enttäuscht werden.

Die App ist in Ihrer Funktion jedoch noch sehr in ihrer Funktionalität eingeschränkt. Bisher erlaubt sie es Ihnen lediglich durch Ihre AeroFS-Uploads zu stöbern und Dateien herunterzuladen – Oft quitiert sie das gar mit einem Fehler. Doch damit ist AeroFS für Android schon vollständig beschrieben. Sie können weder Ihre Daten verwalten, noch neue Dateien hochladen.

Desktop hui, Mobile pfui

AeroFS gibt sich das Motto "Private file sync & share, made easy". Daran gemessen, erfüllt der Dienst seine Vorgabe – auf dem Desktop. Die Installation eines Clients ist für unter allen gängigen Betriebssystemen ein Kinderspiel und auch das Einrichten beschränkt sich auf das Eintragen einer E-Mail-Adresse und einem Passwort. Selbst das Aufsetzen des Team Servers ist für Laien ohne großen Aufwand möglich.

Allerdings müssen Sie im Vergleich zu Dropbox oder anderen Cloud-Speicherlösungen durchaus mit Einschränkungen leben. Ein Web-Frontend – über das Sie Ihre Daten einsehen können – gibt es etwa auch mit einem eigenem Team Server nicht. Und auch die Android-Anwendung zeigt im Vergleich zu Dropbox und Co. noch erhebliche Schwächen.

AeroFS ist zudem keine freie Software wie etwa ownCloud. Auch wenn Sie die Server-Struktur selber hosten können, oder auch gar nicht erst eine zentrale Server-Instanz benötigen, bleibt der Dienst an sich kommerziell und bei größeren Setups auch kostenpflichtig [8]. Möchten Sie sich gänzlich von proprietären Lösungen befreien, dann führt nach wie vor kein Weg an einem eigenen ownCloud-Setup vorbei.

Kostenlos nutzbar ist AeroFS für Gruppen von bis zu drei Mitgliedern und einem externen Mitarbeiter (der auch Daten abgleichen kann, aber nicht auf die Benutzerverwaltung zugreifen darf). Für Gruppen von bis zum 50 Mitgliedern werden 10 US-Dollar pro Monat fällig. Wer noch mehr User braucht, kann sich mit AeroFS direkt in Kontakt setzen.


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