Root und CyanogenMod für das LG Optimus Speed P990

Root und CyanogenMod für das LG Optimus Speed P990

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© (C) LG

Das Optimus Speed war einmal das schnellste Android-Pferdchen im Stall. Doch arbeitet es deutlich träger, als es die Dual-Core-CPU eigentlich verspricht. Mit Root und Custom-ROM verleihen Sie dem P990 neue Flügel!

Das LG P990 trägt den offiziellen Beinamen Optimus Speed. Was Ende März 2011 noch angebracht war – das P990 war das erste Smartphone mit Dual-Core-CPU – ist heute eher ein Treppenwitz. Auch mit dem im Dezember 2012 veröffentlichten Update auf Android 4.0.4 ist das Speed träge wie ein Klotz, zudem plagen unser Testgerät andauernde Abstürze.

Custom-ROMs wie CyanogenMod oder auch nur ein Custom-Kernel versprechen hier Besserung, doch dafür muss erst einmal die Basis in Form eines Custom-Recoverys gelegt werden. In diesem Zuge lässt sich die Original-Firmware des Optimus Speed auch gleich rooten, so lässt sich das Speed modden, ohne gleich ein komplettes Custom-ROM einzuspielen.

Rooten per Toolkit

Im Forum der XDA-Developers finden Sie dazu ein "All-In-One Toolkit" [1], über das sich das Einspielen eines Custom-Recoverys und des Root-Patches relativ einfach bewerkstelligen lässt. Das Toolkit eignet sich für Geräte, bei denen schon das offizielle ICS-Update von LG eingespielt wurden, aber auch für P990, die noch mit der ursprünglichen Firmware laufen.

Abbildung 1: Das All-In-One Toolkit zum Flashen und Rooten des LG Optimus Speed P990.
Abbildung 1: Das All-In-One Toolkit zum Flashen und Rooten des LG Optimus Speed P990.

Im verlinkten Forum-Beitrag finden Sie Verweise zu mehreren Spiegel-Servern ("Mirror") des Toolkits, laden Sie von einem die Datei AIO-P990-ToolKit_v5.0.exe herunter und entpacken Sie das Archiv über die integrierte Packroutine auf Ihrem Windows-System.

APX-Treiber installieren

Für den direkten Zugriff auf den internen Speicher des LG-Handys benötigt das Toolkit einen so genannten APX-Treiber. Sie finden ihn im Unterverzeichnis ToolKitFiles
vflashdriver
des Installations-Ordners, führen Sie zur Installation das Skript Install-APX-Drivers.cmd im selben Verzeichnis aus.

Abbildung 2: Den APX-Treiber benötigen Sie für den direkten Zugriff auf das Handy.
Abbildung 2: Den APX-Treiber benötigen Sie für den direkten Zugriff auf das Handy.

Der Treiber lässt sich unter allen Windows-Versionen direkt installieren. Unter Windows 8 müssen Sie jedoch die Installation von unsignierten Treibern erlauben, bevor sie das Treiber-Setup ausführen können. Hinweise zur Installation des Treibers unter dem aktuellen Windows entnehmen Sie bitte dem Kasten "Windows 8".

Windows 8

  • Fahren Sie mit der Maus in die untere rechte Ecke
  • Aus der Seitenleiste die Einstellungen aufrufen
  • Ganz unten den Eintrag PC-Einstellungen ändern anklicken
Abbildung 3: Die PC-Einstellungen verstecken sich in der Seitenleiste von Windows 8.
Abbildung 3: Die PC-Einstellungen verstecken sich in der Seitenleiste von Windows 8.

  • Starten Sie den PC über Allgemein | Erweiterter Start neu
Abbildung 4: Booten Sie Ihr aktuelles Windows-8-System in den erweiterten Modus.
Abbildung 4: Booten Sie Ihr aktuelles Windows-8-System in den erweiterten Modus.

  • Problembehandlung | Erweiterte Optionen | Starteinstellungen | Neu starten
  • Über [F7] den Punkt Erzwingen der Treibersignaturen deaktivieren auswählen
  • Abschließend nochmals neu starten
  • Führen Sie die Install-APX-Drivers.cmd aus und akzeptieren die Installation trotz fehlender Signatur
Abbildung 5: Nun lassen sich auch unsignierte Treiber unter Windows 8 installieren.
Abbildung 5: Nun lassen sich auch unsignierte Treiber unter Windows 8 installieren.

Komplettes Backup erstellen

Mit der Datei AIO-ToolKit.cmd aus dem Stammverzeichnis des Toolkit-Archivs rufen Sie nun das All-In-One Toolkit auf. Da Sie am offenen Herzen Ihres Handys arbeiten, erstellen Sie bitte zunächst ein vollständiges Backup des aktuellen Firmware-Stands ihres Optimus Speed. Dadurch machen Sie sich auch gleichzeitig mit NVFlash – der Flash-Routine zum Einspielen eines Recoverys – vertraut.

Abbildung 6: Über NVFlash können Sie ein komplettes Backup Ihres P990 erstellen.
Abbildung 6: Über NVFlash können Sie ein komplettes Backup Ihres P990 erstellen.

Abbildung 7: Die Option "1" kopiert vom System über Ihre Daten Alles vom Handy.
Abbildung 7: Die Option "1" kopiert vom System über Ihre Daten Alles vom Handy.

Abbildung 8: Der Assistent erklärt Ihnen bei jedem Schritt was zu tun ist.
Abbildung 8: Der Assistent erklärt Ihnen bei jedem Schritt was zu tun ist.

Zum Sichern des kompletten Systems starten Sie die Option 1 – Backup/Restore Options aus dem Hauptschirm und gehen dann über Backup partitions (with NVFlash) und Full Backup ROM and Data (Kernel, System, Data) zur Backup-Routine. Schalten Sie nun Ihr P990 ab, entnehmen die Batterie, drücken gleichzeitig die Lauter- und Leisertasten und stecken es wieder an das USB-Kabel an. Lassen sie dann die Tasten los – das Display des Handys bleibt schwarz. Führen nun mit [C] das Update aus. Das Toolkit erstellt für das Backup ein Unterverzeichnis im eigenen Programmordner.

Custom-Recovery installieren

Bevor Sie Ihr Speed rooten können, müssen Sie als Vorbereitung einen Root-Patch auf die interne Speicherkarte des Handys kopieren. Die entsprechende Dateien finden Sie im Unterverzeichnis SU des Toolkits. Für das Optimus Speed P990 eignen sich die Dateien SU313-BIN3032_4GB.zip oder SuperSU-v1.04.zip, das Toolkit empfiehlt SuperUser in Form der ersten Datei. SuperSU eignet sich nur für User, die ihr Speed bereits auf Android 4.0 aktualisiert haben.

Abbildung 9: Über ein Custom-Recovery verankern Sie eigene Software in den Tiefen des Systems.
Abbildung 9: Über ein Custom-Recovery verankern Sie eigene Software in den Tiefen des Systems.

Zum Rooten rufen Sie den Punkt 3 - Root a Stock ROM (with NVFlash method) auf. Wie schon beim Backup erhalten Sie Informationen, wie Sie weiter vorgehen müssen. Schalten Sie wieder Ihr Handy ab, entnehmen die Batterie und stecken es bei gehaltenen Leiser-/Lauter-Tasten per USB-Kabel an den PC an, auch hier bleibt das Display wieder schwarz.

Abbildung 10: Das Toolkit bringt ClockWorkMod oder als Neuling TWRP als Recovery-Image mit.
Abbildung 10: Das Toolkit bringt ClockWorkMod oder als Neuling TWRP als Recovery-Image mit.

Per Tastendruck auf [C] kommen Sie zum nächsten Punkt, der Frage nach der Art des Recoverys. Das Toolkit bietet Ihnen mit dem ClockWorkMod-Recovery und TWRP des TeamWin [2] zwei Alternativen an. CWM ist der Klassiker unter den Custom-Recoverys, gut getestet und oft bewährt. TWRP ist dagegen neuer und bringt eine Touch-Oberfläche mit. Sie können beides benutzen, der Artikel geht im Folgenden auf das CWM in der Version 6.0.x ein.

Abbildung 11: Nach dem Flashen des Custom-Recoverys rufen Sie dieses per Leiser- und Power-Taste auf.
Abbildung 11: Nach dem Flashen des Custom-Recoverys rufen Sie dieses per Leiser- und Power-Taste auf.

Nach der Auswahl des Recoverys geht das Toolkit unmittelbar dazu über, das Handy zu flashen. Nach Abschluss des Prozesses wird der Bildschirm wieder schwarz und Sie werden gebeten das USB-Kabel abzustecken, die Batterie einzulegen und das Handy per Leiser- und Power-Taste in den Recovery-Modus zu starten.

Root-Patch einspielen (optional)

Das Vorgehen kennen Sie nun von anderen Root-Anleitungen: Im Menü navigieren Sie über die Lauter/Leiser-Tasten des Handys, die Power-Taste dient als "OK"-Button. Sollten Sie umgehend ein Custom-ROM installieren wollen, dann können Sie den folgenden Abschnitt überspringen. Er ist nur von Relevanz, wenn Sie Root-Rechte auf der Original-Firmware benötigen, ohne gleich ein anderes ROM einzuspielen.

Im ClockWorkMod-Recovery wählen Sie Install ZIP from sdcard, dann Choose ZIP from sdcard und schließlich die vorhin auf das Handy kopierte Datei SU313-BIN3032_4GB.zip (bzw. das von Ihnen bevorzugte Alternative-Recovery). Klicken Sie sich bis zum Yes durch und lassen sie die Installation durchlaufen, anschließend fehlt nur noch ein Neustart ins jetzt gerootete Android-System.

Abbildung 12: Im ClockWorkMod-Recovery navigieren Sie über die Lautstärke-Tasten des Handys.
Abbildung 12: Im ClockWorkMod-Recovery navigieren Sie über die Lautstärke-Tasten des Handys.

Unter Ihren installierten Apps finden Sie nun mit "Superuser" einen weiteren Eintrag. Diese App erscheint nun automatisch, sobald eine Anwendung meint Root-Rechte zu benötigen. Ist die Anfrage glaubhaft, dann können Sie über Superuser die erweiterten Rechte zuteilen.

Abbildung 13: Nach Einspielen des Root-Patch finden Sie die Superuser-App und Ihren Programmen.
Abbildung 13: Nach Einspielen des Root-Patch finden Sie die Superuser-App und Ihren Programmen.

Abbildung 14: Die Superuser-App regelt den Zugriff auf die nun erweiterten Rechte des Handys.
Abbildung 14: Die Superuser-App regelt den Zugriff auf die nun erweiterten Rechte des Handys.

Mit dem Custom-Recovery steht es Ihnen nun auch offen alternative Firmwares wie CyanogenMod auf dem Optimus Speed zu installieren. Die letzte offizielle "stable" Version ist mit CM 7.2.0 auf Basis von Android 2.3.7 schon ein bisschen älter, doch über Nighty-Builds steht Ihnen sogar die noch in Entwicklung befindliche Version 10.1 auf Basis von Android 4.2 zur Verfügung.

Handy-Partitionen aufbereiten (nur ICS)

Mit dem offiziellen Update auf Android "Ice Cream Sandwich" 4.0 hat LG die Aufteilung der Partitionen geändert. Dazu formatiert das Update-Tool den Speicher des Handys komplett neu. Diese Umpartitionierung macht nun den ROM-Köchen die Arbeit schwer. Sie müssten Ihre ROMs für zwei verschiedene Paritionierungen aufbereiten. Einmal für Geräte, auf denen bereits ICS installiert wurde und einmal für P990-Modelle, die noch unter der ursprünglich ausgelieferten Firmware auf Basis von Android 2.3.x laufen.

Abbildung 15: Je nach Bedarf ändern Sie mit dem Toolkit die Aufteilung der Partitionen.
Abbildung 15: Je nach Bedarf ändern Sie mit dem Toolkit die Aufteilung der Partitionen.

Eigentlich gibt es von der neuen Partitionsaufteilung keinen Weg zurück, doch auch hierfür bietet das Toolkit unter 4 – Change Partitions from OLD to NEW layout and vice versa eine Lösung. Je nach ROM, das sie installieren möchten, können Sie den Speicher über diesen Punkt ins das alte bzw. das neue Format überführen. Beachten Sie dabei, dass sämtliche Daten im Speicher des Handys – bis auf eine externe microSD-Speicherkarte – unwiderruflich verloren gehen.

Der Assistent weist Sie zudem darauf hin, dass beim Umstellen der Partitionen die interne Speicherkarte nicht mehr korrekt eingebunden wird. Sie bemerken das zum Beispiel nach der Installation eines ROMs, dass die Kamera-App nach einer externen Speicherkarte fragt und unter Einstellungen | Speicher kein Internen Speicher von etwa 5,5 GByte aufgeführt wird.

Abbildung 16: Ohne MountFix wird nach dem Partitionieren der interne Speicher nicht eingebunden.
Abbildung 16: Ohne MountFix wird nach dem Partitionieren der interne Speicher nicht eingebunden.

Die Lösung für dieses Problem finden Sie im Patch IntSD-MountFix.zip, den Sie im Verzeichnis CWM des Toolkits finden. Kopieren Sie diese Datei am besten zusammen mit System-ReFormat_ext4.zip vor dem Umpartitionieren auf die externe microSD-Speicherkarte des Geräts und installieren sie nach dem Partitionieren wie ein Custom-ROM über den Recovery-Modus. Nach dem nächsten Start sollte der interne Speicher nun wieder in den Speicher-Einstellungen aufgeführt werden.

CyanogenMod Nightly installieren

Damit sich der ganze Aufwand lohnt, sollten Sie letztendlich ein Custom-ROM installieren. Warum? Die Original-Firmware ist schlecht, wirklich schlecht! Sie ist langsam und stürzt auf unserem Testgerät regelmäßig ab. Sollten Sie mit Ihrem Optimus Speed eigentlich von der Hardware her noch zufrieden sein, dann tun Sie ihm etwas Gutes und installieren ein Custom-ROM. CyanogenMod wird zum Beispiel ganz offiziell für das P990 angeboten [3]. Sie werden es nicht bereuen.

CM10.1 auf Basis von Android 4.2.2 wird bislang nur in Form von Nightly Builds [4] für das P990 zum Download angeboten, in unserem Test funktionierte die Nightly vom 3.5.2013 jedoch ohne Probleme. Vielleicht noch besser ist das gerade veröffentlichte CM10.1 T-Build [5], es basiert ebenfalls auf der aktuellen CyanogenMod-Version, allerdings das P990 betreffende Fehler behoben und Optimierungen eingebaut. Das ROM setzt auf die "alte" Partitionierung. Wenn Sie Ihr LG bereits auf Android 4.0 aktualisiert hatten, dann folgen Sie bitte dem Abschnitt zur Umstellung der Partitionierung. Laden Sie sich danach das zur Installation von CM10.1 das aktuelle Build herunter und sichern Sie auch gleich die dazugehörigen Google Apps für CyanogenMod 10.1.x [6] (im T-Build sind diese schon enthalten).

Abbildung 17: CyanogenMod 10.1 auf Basis von Android 4.2.2 auf dem Optimus Speed P990.
Abbildung 17: CyanogenMod 10.1 auf Basis von Android 4.2.2 auf dem Optimus Speed P990.

Abbildung 18: Das Custom-ROM arbeitet spürbar schneller als die von LG vorgesehene Firmware.
Abbildung 18: Das Custom-ROM arbeitet spürbar schneller als die von LG vorgesehene Firmware.

Abbildung 19: Google Now rufen Sie über den Lupen-Button am unteren Rand des Displays auf.
Abbildung 19: Google Now rufen Sie über den Lupen-Button am unteren Rand des Displays auf.

Kopieren Sie anschließend die Dateien cm-10.1-DATUM-NIGHTLY-p990.zip und gapps-jb-DATUM-signed.zip auf die Speicherkarte Ihres P990 und schalten Sie das Handy ab. Über gleichzeitiges Drücken der Leiser- und Power-Taste rufen Sie erneut den Recovery-Modus auf, dort installieren Sie dann wieder über Install ZIP from sdcard die gerade kopierten Dateien. Zuerst das Custom-ROM, dann die Google Apps. Beim nächsten Neustart empfängt Sie ein schnelles und stabileres (ein paar wenige Abstürze konnten wir dennoch beobachten) Android 4.2. Aus dem Play Store laden Sie abschließend Gmail, die Google Suche und die anderen Google-Apps aufs Handy.


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