Vergleichstest: Poweramp gegen PlayerPro

Musik-Duell

17.06.2013

Zwei Musik-Player stechen aus dem Google Play Store hervor: Poweramp und PlayerPro glänzen mit einem beeindruckenden Funktionsumfang und wollen Googles Standard-App weit in den Schatten stellen. Wer hat aktuell die Nase vorn?

Video killed the radio star, und das Smartphone den MP3-Player. Wer ein Android-Phone oder -Tablet sein Eigen nennt, schleppt nicht selten seine gesamte Musikbibliothek in der Hosen- oder Aktentasche mit sich herum und hält sich zudem durch die Verbindung zum Internet die Tür zu quasi allen Songs dieser Welt offen. Google trägt dieser Tatsache mit der hauseigenen und schlicht "Musik" getauften App Rechnung. Sie genügt zwar den Basiswünschen an einen Audio-Player, im Vergleich zu anderen Apps hat Google Play Music jedoch klar das Nachsehen. Kein Wunder also, dass es im Google Play Store vor Alternativen nur so wimmelt [1], wobei Poweramp und PlayerPro die audiophile Liste anführen.

Poweramp

Poweramp [2] wurde mit dem Anspruch programmiert, den besten Audioplayer für Android zu schaffen. Dieser Anspruch hängt auch von der Formatauswahl ab, und in diesem Punkt zeigt sich Poweramp erfreulich vielfältig: Neben MP3 und den recht weit verbreiteten Formaten MP4 und m4a unterstützt die App unter anderem auch die freie Alternative Ogg Vorbis sowie die verlustfreien Formate FLAC, ALAC, AIFF und das Urgestein WAV.

Poweramp gibt es bei Google Play in einer 15 Tage lauffähigen Testversion sowie als Kaufversion für 3,99 Euro, wobei letztere die Testversion nur noch freischaltet. Sie müssen also auch dann die Testversion installieren, wenn Sie Poweramp gleich kaufen möchten. Während der Probezeit bleibt der Nutzer von Werbeeinblendungen und anderen Gängeleien verschont, kurz vor Ablauf der Probezeit erscheint ein Hinweis zur Upgrade-Möglichkeit.

Der Erstkontakt nach der Installation wirkt etwas verwirrend: Poweramp empfängt seinen Benutzer mit eingeschalteter Hilfefunktion, die über eine jungfräulich schwarze Oberfläche mit weißen Bedienelementen erklärende Texte legt. Das Ergebnis ist ein etwas unübersichtliches Tohuwabohu zum Empfang, das aber durchaus ein paar gute Tipps bereithält. Die Online-Hilfe lässt sich aber recht schnell überspringen.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Poweramp mit den Icons für Equalizer und Toneinstellungen über dem Albumcover.
Abbildung 2: Poweramp-Nutzer haben die Auswahl zwischen einer Ordner- und Bibliothekdarstellung.

Ein Besuch der Einstellungen ist gerade dem Erstanwender ans Herz zu legen, denn Poweramp zeigt sich recht großzügig in der Auswahl der einzulesenden Musiksammlung und bedient sich einfach aller aufgefundenen Ordner, was selbst diverse Systemklänge in der Bibliothek auftauchen lässt. Eine Beschränkung auf Androids Standard-Musikordner und einen eventuellen Cloud-Speicher sowie ein nachfolgendes gewissenhaftes Verwalten derselben ist hier weitaus ratsamer und trägt zur Übersichtlichkeit bei. Apropos Einstellungen: Diese verbergen sich in der zweiten Ebene des doppelt aufklappbaren Optionsmenüs.

Abbildung 3: Prunkstück von Poweramp ist der grafische Equalizer inklusive Höhen- und Basskontrolle.
Abbildung 4: Doppeldecker: Das Optionsmenü von Poweramp wirkt reichlich überladen.

Der Player selbst präsentiert sich zurückhaltender: Im Mittelpunkt steht das Albumcover des aktuellen Musiktitels, wobei sich der Hintergrund an das Farbspektrum des Titelbilds anpasst. Darunter und darüber sind die wichtigsten Bedienelemente angebracht, die durch ihre großzügige Gestaltung auch auf kleinen Bildschirmen gut erreichbar sind. Anders als die Standard-App oder PlayerPro verzichtet Poweramp auf eine zusätzliche Bedienungsleiste für die Bibliothek, Wiedergabelisten sowie Künstler- und Genreangaben. Diese werden vielmehr mittels eines Piktogramms neben den Titelinformationen angesteuert: Standardmäßig landet der Benutzer hier im gerade benutzten Musikordner, die Auswahl des Menüpunkts Bibliothek lässt ihn zu den oben genannten Daten verzweigen – was je nach Gewohnheiten nicht sehr intuitiv ist.

Alternativ halten Sie einen Finger auf dem gerade gespielten Titel gedrückt, um ein Menü zu erhalten. Über diese Geste tun sich weitere Möglichkeiten auf: Berührt man zum Beispiel das Albumcover etwas länger, lässt sich dieses durch im Internet gefundene Varianten ersetzen. In der Ordner-, Alben-, Künstler- und Genreansicht lassen sich per Kontexmenü gezielt Titel in eine Wiedergabeliste übernehmen oder in eine temporäre Warteschlange einreihen. Mit so vielen versteckten Funktionen setzt Poweramp durchaus etwas Erkundungswillen voraus, Google Musik und PlayerPro sind besonders für Neueinsteiger etwas einfacher zu erfassen.

Keine Lücken

Besonders Klassikhörer kennen das Problem: Beim Abspielen von Musiktiteln, die nahtlos ineinander übergehen sollen, also beispielsweise aufeinander folgenden Sätzen einer Sinfonie, entstehen bei digitalen Formaten oft zwar kurze, aber das Vergnügen schmälernde Unterbrechungen. Diese werden durch das sogenannte Gapless- beziehungsweise Seamless-Playback vermieden, das den Anfang von Folgetiteln in einen Pufferspeicher lädt und somit weiche Übergänge ermöglicht. Neuere Audioformate wie Ogg Vorbis und WMA unterstützen diese unterbrechungsfreie Wiedergabe von Haus aus, verlustfreie Kompressionsverfahren wie FLAC sind konzeptbedingt unterbrechungsfrei. Sowohl PlayerPro als auch Poweramp haben Gapless-Playback mit an Bord und verschönern so den Musikgenuss.

Equalizer und Wischgesten

Das eigentliche Highlight von Poweramp sind jedoch die Equalizer- und Toneinstellungen, die mit eigenen Piktogrammen direkt vom Player aus erreichbar sind. Poweramp glänzt mit einem 10-Band-Equalizer inklusive Kontrolle der Vorverstärkung. Besitzer eines Smartphones oder Tablets mit ARM-Architektur können sich zudem über die Unterstützung der NEON-Medien-Engine freuen. Standardmäßig werden 16 Voreinstellungen für die wichtigsten Musikrichtungen mitgeliefert, eigene Justierungen können abhängig von der Klangausgabe (Lautsprecher, Kabel- oder Bluetooth-Headset) gespeichert und sogar auf einzelne Songs, Alben und Playlisten angewendet werden. Höhen, Bässe, Balance sowie eine Stereospreizung werden auf einer eigenen Seite komfortabel mittels virtueller Drehpotis eingestellt – allein das Herumprobieren bei laufenden Musiktiteln macht einen Riesenspaß.

Abbildung 5: Konkurrenzlos umfangreich sind die Headset- beziehungsweise Kopfhörer-Einstellungen von Poweramp.
Abbildung 6: Nachschub gesichert: Zusätzliche Skin-Designs für Poweramp finden sich im Google Play Store.

Intuitiv erfolgt auch das Wechseln der Titel per Wischgeste. Poweramp bietet zusätzlich aber auch eine vertikale Wischgeste an, um gleich zum nächsten Album zu springen und untermalt diese Auswahl noch mit einer eleganten Animation. Wie die Benutzeroberfläche aussieht, bestimmt die in den Voreinstellungen ausgewählte Skin-Datei. Standardmäßig liegen bereits vier Designs bei, zahlreiche weitere finden sich bei Google Play. Sehr erfreulich ist die Unterstützung für das Scrobbeln von Titeln zum Internetdienst Last.fm.

Konkurrenzlos gut gelöst ist die Unterstützung für Kopfhörer: Wie erwähnt lässt sich Poweramp auf verschiedene Klangausgaben optimieren und erkennt die Verbindung beziehungsweise Trennung von Kopfhörern und Bluetooth-Geräten. In der Grundeinstellung startet der Player automatisch, wenn Sie ein Headset anschließen und stoppt das Playback, wenn Sie die Hardware vom Smartphone trennen. Benutzer von Headsets und Kopfhörern mit integrierten Tasten können Poweramp zur optimierten Kooperation überreden. Last but not least lässt sich der Player auch per Widget vom Android-Desktop aus bedienen, und Poweramp integriert sich auf Wunsch auch im Entsperrbildschirm oder ersetzt diesen gleich komplett. Drei Jahre ist Poweramp mittlerweile alt – und damit eine der bewährtesten Android-Apps überhaupt. Wir können den Audioplayer uneingeschränkt empfehlen.

3,99 Euro

deutsch|Version 2.0.7|4 MByte

★★★★★


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