Sprachen lernen mit Duolingo

Die Gratis-Sprachschule

30.08.2013

Eine Sprachlern-App, die nichts kostet, sieht man im Play Store nicht alle Tage. Doch genau das ist Duolingo: Sprachen lernen für lau. Die App mit der grünen Eule führt Schritt für Schritt zu neuem Sprachwissen – und hat doch Mängel, wie sie im folgenden Text lesen.

Waren Sie in der Schule ein Sprachgenie und gehen regelmäßig in einen fremdsprachigen Konversationsclub? Dann brauchen Sie Duolingo gar nicht erst herunterladen. Für alle anderen gilt: Wollen Sie ihr Spanisch, Portugiesisch, Italienisch oder Französisch aufbessern, ist der Download im App Store sehr zu empfehlen – wenn, ja wenn Sie des Englischen mächtig sind. Die Ausgangssprache der Sprachkurse ist nämlich in jedem Fall "English".

Abbildung 1: Welches Sprachwissen wollen Sie auffrischen? Auf Duolingo hat man die Qual der Wahl.
Abbildung 2: Die einzelnen Level bauen logisch aufeinander auf und machen Lust auf mehr.

Der Autor dieser Zeilen nahm mit Duolingo sein leicht angestaubtes Schul-Französisch ins Visier, dass ihm zwar in der Schule viel Spaß bereitet hatte, seitdem aber viel zu wenig gepflegt wurde. Öffnet man die App das erste Mal, wird man von den mehr als 70 Kurseinheiten erst einmal erschlagen. Doch nicht verzagen, denn der Anfang ist – zumindest wenn man über ein kleines Basiswissen verfügt – schnell gemacht. Zudem ist die App linear aufgebaut und gibt einen eindeutigen "Weg durch die Wörter" vor. Zwar kann man ab und an zwischen zwei Verwzeigungen wählen – weiter kommt man jedoch nur, wenn man die angebrochenen Lektionen auch absolviert.

Deutsch nur als Fremdsprache

Für das Lernen mit Duolingo ist eine umfassende Kenntnis der englischen Sprache obligatorisch, die als Ausgangssprache dient. Zwar taucht in der App auch Deutsch auf – allerdings nur als Fremdsprache für Englisch sprechende User.

Im Falle des Französisch-Kurses wird erst einmal Basis-Wissen abgefragt. Einer der ersten Sätze, den man vom Französischen ins Englische übersetzen muss, ist beispielsweise "Le pain, s'il te plait". Der Schwierigkeitsgrad zu Beginn sollte jedenfalls jedem, der während des Französisch-Unterrichts nicht ausschließlich geschlafen hat, nicht allzu schwer fallen. Wenn doch, kann man jedes abgefragte Wort durch einfaches Antippen auch übersetzen lassen – was wir aus didaktischen Gründen natürlich nicht empfehlen. Zum "Lernstart" muss man sich zudem nicht jeden Buchstaben jedes einzelnen Wortes separat aus den Fingern saugen. Die Lösungssätze werden anhand weniger, vorgegebener Wörter, die man nur in die richtige Reihenfolge bringen muss, erstellt.

Werden Sie zum Duolingo-Profi!

Doch Duolingo hat deutlich mehr in petto als nur tumbes Aneinanderreihen von vorgegebenen Wörtern. So muss man bereits bei den schwierigeren Aufgaben in den Basislektionen vorgesprochene Sätze nachschreiben, Sätze Buchstabe für Buchstabe übersetzen und aus einer Liste von Begriffen den richtigen in Lückensätze eintragen. Die nächste Stufe umfasst im Falle des Französisch-Kurses die eingehendere Beschäftigung mit Phrasen, Tieren und Nahrungsmitteln, ehe man sich einem gerüttelt Maß an Adjektiven stellen muss. Was sich hier nach trockener Paukerei anhört, macht in der Duolingo-Praxis durchaus Spaß! Es besteht stets der Anreiz, sich mit dem nächsten Pokal, den es nach jeder Lektion gibt, zu belohnen, zudem sieht man den "goldenen Fortschrittsbalken" in der App Aufgabe für Aufgabe in die Länge wachsen. Hat einen der Ehrgeiz (wie uns) einmal so richtig gepackt, versucht man als Sprachschüler nach einer Weile alles, um nicht durch zu viele Fehler (maximal drei sind erlaubt) den gesamten, mühsam erarbeiteten Fortschritt in einer Lektion wieder aufs Spiel zu setzen.

Abbildung 3: Hat man eine Lektion erfolgreich durchlaufen, gibt es eine Belohnung in Form eines Pokals.
Abbildung 4: Die "Bild-Frage" ist die einfachste Kategorie, Übersetzungen die schwerste.

In unserem Test beschäftigten wir uns ungefähr sechs Stunden mit Duolingo. In dieser Zeit erreichten wir mit unserem Schul-Französisch immerhin die zwölfte Lektion von insgesamt rund 70. Besonders zielstrebige Schüler mit viel Zeit haben Duolingo in einer Woche "durchexerziert", für Otto-Durchschnittslerner wie uns bietet die App für mehrere Wochen Unterichtsmaterial. Zwar können Profis gleich mehrere Level anhand von "Schlüssel-Lektionen" überspringen, diese haben es jedoch in sich und man sollte es sich gut überlegen, ob man seine Ziele gleich zu Beginn derart hoch steckt.

Bei all der Freude ob des Fortschritts gibt es jedoch auch ein wenig Kritik. Einige Frage-Formulierungen muten seltsam an, so gehören Sätze, die zwar grammatikalisch korrekt sind aber inhaltlich keinen Sinn ergeben, zum Programm. Beispiel: "The green elephant has pockets and lives in trees". Ob das ein didaktischer Winkelzug, ein Versehen oder ein tatsächlicher Mangel der Sprachlern-App ist, lässt sich natürlich nicht eindeutig klären.

Abbildung 5: Ist ein Wort zu schwierig, kann man es durch Anklicken einfach übersetzen lassen.
Abbildung 6: Je Lektion gibt es mindestens zwei, meist drei bis vier Kapitel.

Fazit

Duolingo macht Spaß – daran bestand für uns nach dem Test kein Zweifel. Will man sein Sprachwissen auffrischen, fällt der Griff zur gänzlich kostenlosen App leicht. Da wir weder im Bildungssektor aktiv sind noch Lehramt studiert haben, fiel es jedoch schwer, uns ein eindeutiges Bild von der Effizienz der App zu machen. Die Kombination aus gesprochenen Inhalten, Lückentexten und Satzbau-Übungen erscheint sinnvoll, trotzdem schleicht sich nach ein paar Stunden Beschäftigung eine Routine ein, die viele Aufgabenstellungen vorhersehbar macht. Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass man als Sprachschüler ein wenig zu schnell mit Erfolgserlebnissen abgefertigt wird, um bei der Stange gehalten zu werden. Trotzdem: Die App ist gratis und macht Lust auf mehr, warum also nicht einfach mal ausprobieren!

Abbildung 7: Macht man mehr als drei Fehler, liegen drei gebrochene Herzen am Boden.
Abbildung 8: In etwa sechs bis sieben Stunden konnten wir ungefähr 12 Lektionen absolvieren.

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