CyanogenMod: Die Custom ROM für Android erklärt

Android in Blau

01.07.2013
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© CyanogenMod LLC

Android stammt von Google. Doch wer will, kann sich auch sein eigenes Android-System bauen. Das populärste alternative Android-System stammt vom CyanogenMod-Team. Wir stellen die Firmware vor.

Sicher hat schon fast jeder Leser den Begriff CyanogenMod [1] gehört. Es ist eine spezielle Version von Android, die Sie auf Ihrem Handy installieren können. Die Entwickler nenne das ROM oder Firmware. Aber was steckt dahinter? Was für Erfahrungen und Philosophien prägen diese Android-Version? Diese Fragen möchte der Autor hier beantworten – seine Eindrücke sind dabei persönlich und im Laufe der letzten drei Jahre beim Umgang mit CyanogenMod und den Menschen dahinter entstanden.

ROM, Firmware, Android

Erst einmal ist CyanogenMod eine Android-Firmware. Ein Betriebssystem, welches man auf seinem Android-Telefon installieren kann. Solche Android-Firmwares machen auch Samsung, HTC, Sony, LG, Huawei und natürlich auch Google. Diese Hersteller arbeitet aber immer nur an ihren eigenen Geräten (bei Google sind es die Nexus-Geräte) und die Firmware ist meistens nicht komplett frei verfügbar. CyanogenMod ist für alle Handys und Tablets offen.

Da die Arbeit des CyanogenMod-Projekts Open Source ist (also unter einer freien Lizenz steht), kann jedermann sein eigenes CyanogenMod erstellen, eigene Veränderungen hinzufügen, Funktionen aus anderen ROMs einfügen oder das Projekt auf exotische Geräte portieren. Diese Dinge unterliegen nicht der Kontrolle des CyanogenMod-Projekts, und werden daher als "Unofficial" – manchmal auch KANG – bezeichnet. Eine Liste der verschiedenen Versionen von CyanogenMod finden Sie am Ende dieses Artikels.

Die Macher von CyanogenMod können ihre Firmware nur deshalb anbieten, weil Google den (exzellenten) Source Code frei zur Verfügung stellt. Dieser Code wird auch als AOSP – Android Open Source Project – bezeichnet [2]. Fast alle Android-ROMs basieren auf dem Quelltext des Android Open Source Projekts – auch CyanogenMod gehört dazu. Allerdings lässt sich der von Google halbjährlich veröffentlichte Quelltext ohne Änderungen – wenn überhaupt – nur für die neueren Nexus-Geräte in eine ROM übersetzen.

Hier kommt das CyanogenMod-Team ins Spiel: Die Entwickler portieren den Code auf die von ihnen betreuten Geräte. So bieten das Projekt für Telefone, die vom Hersteller schon lange vergessen wurden, das neueste Android an. Aktuell sind das 50 Geräte, die mit der neuesten Version 10.1 RC5 basierend auf Android 4.2 arbeiten [3]. Prominentes Beispiel hierfür ist das nun schon 3 Jahre alte erste Samsung Galaxy S (i9000) – auf diesem läuft das neueste Android 4.2.2 – und das erstaunlich weich und flüssig bei Scrolling und Task Wechsel. Die neuste Samsung ROM für dieses Gerät von Ende 2012 basiert auf Android 2.3. Wie Sie Ihr Galaxy S i9000 mit CyanogenMod 10.1 wieder fit machen, zeigt unser separater Artikel in der Fokus-Strecke dieser Android-User-Ausgabe.

Die Philosophie

Das CyanogenMod Team hat aus den Erfahrungen der letzten Jahre einige Philosophien entwickelt, die es bei der Arbeit am System berücksichtigt. Zum einen benutzen die Entwickler eine gemeinsame Quellcode-Basis für alle Geräte. Das bedeutet, dass Änderungen für ein einzelnes Gerät die anderen nicht in Mitleidenschaft ziehen dürfen. Kommt dies mal wieder vor, muss ein Weg gefunden werden, der allen Geräten gerecht wird. Dies zwingt das Team, keine Kompromisse für einzelne Geräte einzugehen, sondern alle Probleme sauber zu lösen. Daraus entsteht beim CyanogenMod-Projekt am Ende ein klarer Vorteil gegenüber ROMs, die nur für ein einzelnes Gerät entwickelt werden und Probleme vielleicht schneller aber dafür unsauber lösen.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Handy mit CyanogenMod nicht von anderen Android-Geräten.

CyanogenMod nimmt auch Anpassungen am Erscheinungsbild des Systems vor, und fügt neue Funktionen ein oder erweitert existierende. Der Sperrbildschirm, die Status Leiste oder das Ein-/Aus-Tasten Menü sind populäre Beispiele. Dabei haben die Entwickler aus alten Versionen gelernt. CM7 beinhaltete noch eine Flut an Optionen, über die am Ende weder Entwickler noch Anwender den vollen Überblick hatten. Schlimmer noch: Es gab Optionen, die nur vereinzelt verwendet wurden, aber für jeder Nutzer die Options-Dialoge aufblähten.

Abbildung 2: Die seit Android 4.1 auch bei Google genutzten Schnelleinstellungen stammen von CyanogenMod.

Deshalb hat man mit CM9 einige Grundlegende Änderungen eingeführt. Zum einen gibt es nun ein UX Team (User eXperience – meint alles womit der Benutzer interagiert) innerhalb des Projekts, das auch aus Nicht-Programmiern besteht. Jeder Patch aus diesem Bereich wird darauf überprüft, ob er sinnvoll ist und von grob geschätzt 10% der CyanogenMod-Benutzer genutzt werden würde.

Da sich das Projekt streng am Quelltext von Google als Leitfaden orientiert, dürfen solche Änderungen diese Grundfunktionalität nicht in Mitleidenschaft ziehen und müssen sich nathlos einfügen – zumindest so lang es nicht gute Gegenargumente gegen den ursprünglichen Entwurf von Google gibt. Bei der Funktion der Schnelleinstellungen von 4.2 ist das CyanogenMod-Team zum Beispiel bewusst leicht andere Wege gegangen.

Abgelehnt werden Änderungen, die aus Sicht des Teams keinen Sinn machen, oder die grafische oder funktionelle Art des Google-Systems zu sehr verändern. Ein Beispiel ist die zentrierte Uhr in der Statusleiste. Dieser Patch schränkt die Anzahl der sichtbaren Benachrichtigungen stark ein – besonders auf Geräten mit geringer Auflösung. Zusätzlich erfordert es eine Option, die keinen wirklichen Funktionsgewinn mit sich bringt. Daher wird dieser --immer wieder neu eingereichte – Patch seit CM9 konsequent abgelehnt. So wird jeder Patch der Veränderungen an der Benutzerschnittstelle mit sich bringt, genauestens geprüft, damit CyanogenMod weiterhin ein schlankes, schnelles System bleibt, das sich möglichst nahe am Original orientiert.

Abbildung 3: Dieses Menü sehen Sie bei CyanogenMod, wenn Sie den Ausschalt-Knopf betätigen.

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