Im Test: Textverarbeitung für Android

Alles Word, oder was?

01.03.2012
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© Microsoft

Word-Dateien sind überall. Von der Steuererklärung bis zur Strompreisrechnung, vom Buchmanuskript bis zum Zollformular. Doch welche App eignet sich am besten, um die Dokumente mit Android zu bearbeiten?

Die Dateiendung .doc ist omnipräsent. Selbst im Bus, Flugzeug und in der U-Bahn trifft man sie an oder bekommt sie per Mail als Anhang geschickt. Wer heutzutage auf seinem Smartphone Word-Dateien nicht auch unterwegs bearbeitet, verliert Zeit – und nicht zuletzt vielleicht auch den Vorsprung vor der Konkurrenz. Erfreulicherweise gibt es im Android Market eine Vielzahl von Office Suiten, um "Word-Datei-mäßig" am Ball zu bleiben. Fragt sich nur, welche von ihnen was am besten leistet?

So testeten wir

Wer testen will, braucht bekanntlich erst einmal Testkriterien. Der Autor hat diesbezüglich zwei Dokumente aus seinem reichen Fundus von mit Office XP und Office 2003 erstellten .doc-Dateien herangezogen. Das eine ist ein Manuskript für einen Fachartikel, das zweite ein rund 140 Seiten langer Draft für ein Fachbuch. Beim Test öffnete der Autor beide Dokumente mit jeder zu prüfenden Office Suite. Danach suchte er einige markante Stellen im Dokument (Header, Footer, Änderungen, Kommentare, WordArts) und verglich die Darstellungen in den einzelnen Programmen. Das Ergebnis dieser Tests plus einige subjektive Eindrücke ergaben dann die Bewertung.

Documents To Go

Spricht man von Office auf dem Smartphone, denkt zumindest jeder Mobilcomputer-Veteran sofort an DataViz. Dieses neuerdings zu RIM gehörende Unternehmen ist seit Jahren im Mobilcomputermarkt aktiv und konzentriert sich auf Synchronisation mit dem Desktop und den Erhalt sämtlicher Dokumentelemente bei Bearbeitungen.

Unterwegs wird man kaum Visio oder AutoCad-Diagramme anpassen – eine kleine Textänderung ist hingegen immer drinnen. Bei Documents To Go von DataViz legt man großen Wert darauf, dass das eingebettete AutoCad-Objekt diese Änderung unbeschadet überlebt. Das funktionierte auch in unseren Tests hervorragend..

Die Synchronisation ist eine weitere Komfortfunktion von Documents To Go, die man schon bald nicht mehr missen möchte. Ändert der Autor oder jemand anderer ein Dokument auf dem PC, erscheint diese Mutation ohne manuelles Kopieren gleichzeitig auf dem Smartphone.

Die Benutzerschnittstelle des Programms ist traditionell konservativ gehalten. Das bedeutet: Die Steuerelemente sind sehr groß. Allerdings muss man sich beim Bearbeiten eines Dokuments manchmal durch mehrere Hierarchie-Ebenen durchklicken.

Abbildung 1: Nach einem Klick auf Format erscheinen weitere Optionen.

Leider – auch das ist gute alte Tradition – ist das Rendering von Dokumenten bei DataViz nie sonderlich gut realisiert. Elemente wie WordArts erscheinen in diesem Sinne auf dem Display des Smartphones als Fragezeichen. Das Inhaltsverzeichnis wiederum gelangt nur "zusammengestaucht" zur Darstellung. Den eigentlichen Inhalt sieht man erst, wenn man es anklickt:

Abbildung 2: Ein Inhaltsverzeichnis und einige WordArt-Einträge a la Documents To Go.
Abbildung 3: Documents To Go zeigt auch Änderungen an.

Insgesamt merkt man, dass der Fokus der Lösung auf "casual editing" liegt. So gibt es beispielsweise keine Druckansicht. Stattdessen erscheint Text immer schön groß und leicht markierbar.

Erfreulicherweise erlaubt Documents To Go das Suchen/Ersetzen von Ausdrücken, zählt Wörter, erstellt Kommentare und kann Änderungen anzeigen – wenn auch sehr unelegant. Das Fehlen der auf anderen Plattformen implementierten Rechtschreibkontrolle ist ein besonderes Ärgernis.

Bewertung: ★★★★

KingSoft Office

Das in Hongkong ansässige Unternehmen KingSoft produziert seit Jahren Office-Lösungen für den chinesischen Markt. Mehr aus Lustigkeit hat man die Lösung auf den Androiden portiert. Jetzt plant man, diese an die geschätzten Kunden zu verschenken. Wer das Produkt bereits im Market gekauft hat, soll daher – laut Aussage der Pressestelle – den bezahlten Betrag zurückerstattet bekommen. Das Unternehmen möchte anscheinend um jeden Preis weitere Marktanteile im Mobilbereich gewinnen.

Das Benutzerinterface der App beeindruckt durch die CoverFlow-artige Anzeige der zuletzt genutzten Dokumente. Auch das etwas zu klein geratene Menü folgt dem CoverFlow-Ansatz. Es ist als Ribbon aufgebaut, der alle Optionen auf einmal anbietet. Manche Stellen sind durch "Bookmarks" leichter erreichbar.

Abbildung 4: Nach dem Start der App sehen Sie eine Übersicht der Dokumente.

KingSoft gibt sich beim Anzeigen von Dokumenten keine Blöße. WordArt, eingebettete Grafiken, Kopf- und Fußzeilen erscheinen fast, wie man es vom Microsoft-Original her kennt.

Abbildung 5: Das Inhaltsverzeichnis ist perfekt, die Fußzeilen sind etwas ungenau.

Im Menü findet man eine Funktion namens Comments. Diese blendet eine Ansicht ein, die Änderungen verfolgt und Kommentare auflistet. Sie steht der vom PC bekannten in Genauigkeit um nichts nach

Abbildung 6: Die Änderungsansicht von KingSoft Office lässt kaum Wünsche offen.

Als besondere Überraschung gibt es eine – noch etwas halbherzig implementierte – Unterstützung für Formatvorlagen. Wer diese Funktion schätzt, findet sie aktuell nur bei KingSoft Office.

Abbildung 7: Die häufigsten Formatvorlagen lassen sich direkt am Smartphone zuweisen.

Leider scheinen die Editierfunktionen des Programms nicht voll implementiert zu sein. So darf man beispielsweise noch keine Bilder oder Tabellen einfügen, und eine Rechtschreibprüfung ist auch noch nicht implementiert. Es dürfte allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis KingSoft diese Funktion nachreicht.

Bewertung: ★★★★★


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