Im Test: Max Payne Mobile von Rockstar Games

14.06.2012 19:24

Max Payne ist kein Held. Er ist eine gebrochene, brutale Figur, die sich von einer tragischen Situation zur nächsten schießt. Wo er auftaucht, hinterlässt er Leichen. Er rettet keine Frauen und er arbeitet mit niemandem zusammen. Seit heute gibt es Max Payne auch auf Android, wir haben uns das Spiel angeschaut.

Die Welt von Max Payne ist rau und schonungslos, also alles andere, als ein buntes lustiges Abenteuer, von denen man unzählige auf Android Geräten erleben kann. Ist das ein Grund, das Spiel zu umgehen? Wer das tut, verpasst eines der Meilensteine der Videospielgeschichte, dessen Erzählweise und Action Sequenzen bis heute die Spielwelt beeinflussen.

Vor dem Spielstart gilt es zunächst 1,3 GByte Daten herunterzuladen.

Max Payne Mobile ist die Umsetzung des ersten Teils der Max Payne Reihe, die im Jahr 2001 erschien und mit Max Payne 2: The Fall of Max Payne und dem jüngst erschienenen Max Payne 3 fortgesetzt wurde. 2001 - das ist ganze 11 Jahre her, in Videospieljahren ist das eine Ewigkeit. Doch erstaunlicherweise merkt man dem Spiel das Alter kaum an. Rockstar hat die Texturen für die Umsetzung auf die mobilen Geräte aufgemotzt. Die 11 Jahre sieht man dem Spiel am ehesten in den spärlich ausgestatteten Levels an - manche Räume sehen aus wie mit einer billigen Architektur-Software hergestellt. Nichtsdestotrotz: Für Geräte mit mobilen NVIDIA Tegra 3 Quad-Core-Prozessoren hat Rockstar die Darstellung zusätzlich optimiert und unterstützt Vollbild-Kantenglättung, zusätzliche anisotrope Texturfilterung und bietet verbesserte Beleuchtungseffekte.

Die Grafik ist nicht umwerfend, aber funktional, wie hier auf dem Galaxy S II zu sehen.

Max Payne ist ein Third-Person-Shooter, was bedeutet, dass Sie die Figur mit zwei virtuellen Steuerkreuzen kontrollieren: Mit dem linken Steuerkreuz bewegen Sie Max Payne, und mit dem rechten sehen Sie sich um und zielen. Und hier taucht auch schon das Problem auf, dass all solche Spiele plagt: Mit der rechten Hand können Sie nicht gleichzeitig zielen und schießen, sondern müssen immer den Finger vom Steuerkreuz nehmen und die Schießen-Taste drücken, dann wieder zielen, wieder schießen und so weiter. Das macht das Gameplay etwas störrisch. Die Lösung ist bereits voreingestellt: unter Optionen/Steuerung gibt es den Eintrag Zielhilfe. Dort ist die sanfte Zielhilfe voreingestellt, die bewirkt, dass das Fadenkreuz in der Nähe von Feinden zu selbigen springt. Sie können hier also einstellen, wie leicht das Fadenkreuz auf das Ziel hüpft, was das manuelle Zielen etwas überflüssig macht. Überhaupt sind die Steuerungsoptionen hier vorbildlich umfangreich: Vom Hüpfen über das Schießen bis zur genauen Position der Steuerungselemente lässt sich hier alles konfigurieren. Ein Urteil der Form "Lässt sich nicht gut steuern" lassen wir also nicht gelten.

Die Steuerung ist vielleicht gewöhnungsbedürftig aber in keinem Fall schlecht.

Gewöhnt man sich an die Steuerung, kann der Spaß losgehen. Als Undercover Cop schlägt man sich mit russischen Verbrecher und Gangsterbossen rum und wird dabei ebenfalls von der Polizei gejagt. Obwohl Max Payne für gewöhnlich immer gegen mehrere Gegner kämpft, hat er die Bullet Time - eine Art Zeitlupe, die man aktivieren kann, die sich nach erledigten Gegnern wie ein Sandglas auffüllt - auf seiner Seite. In diesem verlangsamten Modus funktioniert das Zielen dennoch unverzögert, so dass man die Gegner einfacher erledigen kann. Dieses Feature war bei der Veröffentlichung bereits spektakulär, denn die Zeit vergeht so langsam, dass man die Kugeln durch die Luft sausen sehen kann. Wenn Max Payne dann noch in Zeitlupe durch die Luft hechtet ("Shoot Dodge") oder der letzte Gegner einer Gruppe in einer speziellen Kameraeinstellung das Zeitliche segnet, vergisst man endgültig, dass das Spiel 11 Jahre alt ist.

Max Payne, wie man ihn kennt und liebt.

Umgewöhnen muss man sich jedoch schon, gerade wenn man das Spiel vom PC her kennt. Springen und Interaktionen erhalten einen Extra-Button auf dem Display. Wer die Waffe wechseln möchte, der muss oben das kleine Dreieck antippen, um die Waffenauswahl zu sehen. Das Nachladen erledigen Sie, indem Sie über die Munitionsanzeige nach rechts streichen. Glücklicherweise sind diese Elemente in wenigen Spielminuten erlernt, so dass man sich darüber keine Gedanken machen muss.

Stirb schnell III

Die Story selbst ist gealtert wie ein guter Wein. Die Geschichte, von der man besser nicht allzuviel verrät, ist spannend und wendungsreich wie eh und je. Hier werden keine Klischees á la Stirb Langsam oder Dirty Harry bedient. Alles, was Max Payne anfasst, stirbt. Ständig dabei: Max' Stimme im Hintergrund, eine der ganz großen Stärken des Spiels. Sein lakonischer, zynischer Ton, voller Pessimismus, wird im englischen Original von James McCaffrey brillant gesprochen, und Sie sollten sich diese Stimme nicht entgehen lassen. Glücklicherweise können Sie das Spiel, das auf Deutsch installiert wird, in den Optionen auf Englisch umstellen. Die Stimme ist eines der Markenzeichens des Spiels. Nicht umsonst hat man bei den PC Versionen auf eine Übersetzung verzichtet.

Die Story macht den besonderen Reiz des Spiels aus.

Ein weiteres Markenzeichen ist die Erzählweise in Form von Comicsequenzen. Diese sind mit  Max' Erzählstimme oder Dialogen unterlegt und werden nacheinander eingeblendet, ganz so, als würde man sich das Storyboard eines Films anschauen. Das war damals ein Novum und ist heute noch eine angenehme Abwechslung zu langatmigen Zwischensequenzen.

Fazit

Die Umsetzung von Max Payne für Android ist absolut gelungen. Selbst bei einer miesen Steuerung wäre das Spiel allein aufgrund der Geschichte und der Erzählweise eine Empfehlung, aber mit den unzähligen Steuerungsoptionen gibt es keine Ausrede mehr, sich das Spiel nicht herunterzuladen. Max Payne Fans der ersten Stunden bekommen ein Stück Nostalgie, während Neulinge eine tolle Story mit vielen Spielstunden für den Preis von drei Tüten Milch bekommen.

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