Apps auf die SD-Karte verschieben unter Android 4

07.02.2013 21:49
Apps-auf-die-SD-Karte-verschieben-unter-Android-4

© Konstantinos Kokkinis,123rf.com

Bis Android 2.3 war alles so einfach: war im internen Speicher nicht mehr genügend Platz vorhanden, hat man Apps einfach auf die SD-Karte verschoben. Doch was tun, wenn man Android 4.0 einsetzt oder wenn der interne Speicher mit Android 2.3 voll ist?

Die gute Meldung vorweg: in beiden Fällen gibt es Möglichkeiten, das interne Speicher-Limit von Android zu überlisten. Aber dazu braucht man in der Regel Root-Rechte. Zudem ändern sich die Einstellungen und Möglichkeiten je nach Hersteller, Gerät und Android-Version. Eine allgemein gültige Lösung wie unter Android 2.3 gibt es deshalb nicht mehr. Der folgende Artikel beschreibt zunächst relativ ausführlich, was sich mit Android 4.0 am internen Speicher geändert hat und zeigt dann einige Möglichkeiten auf, um für mehr Platz zu sorgen. Die hier beschriebenen Lösung eignet sich auch wunderbar für Android-Geräte mit Android 2.3.

Auf SD-Karte verschieben 

Sind Sie hier gelandet, weil Sie einfach Apps auf die SD-Karte verschieben möchten und benutzen Sie ein Gerät mit Android 2.3 und MicroSD-Karte, dann lesen Sie am besten unseren Grundlagenartikel zum Thema Apps auf SD-Karte verschieben aus Android User 01/2011.

MTP statt Massenspeicher

Während man früher ein Android-Smartphone einfach an den Computer anschließen konnte, um die darauf befindlichen Dateien zu betrachten, ist dies seit Android 4.0 nicht mehr ohne weiteres möglich. Google hat die USB-Massenspeicher-Funktion durch das ursprünglich von Microsoft für den Zune-Player entwickelte Media Transfer Protocol ersetzt, sodass aktuell nur MTP und PTP (Picture Transfer Protocol) zur Auswahl stehen, wenn Sie in die Einstellungen schauen. HTC hatte auch unter Android 4.0 noch den Support für USB Massenspeicher. Mit dem Update auf Android 4.1 ist dieser aber auch bei HTC verschwunden.

Spätestens mit Android 4.1 bieten sämtliche Hersteller für den Datentransfer nur noch MTP und PTP an.

MTP und PTP sind verwandt. Während PTP nur für die Übertragung von Bildern gedacht ist und bei dieser Option deshalb auch nur die Fotos auf dem Smartphone erscheinen, können Sie vie MTP theoretisch auf den kompletten Inhalt des internen Speichers zugreifen. Aber das klappt in den wenigsten Fällen reibungslos und hängt zudem auch vom Support durch das Betriebssystem und von der Implementierung von MTP ab. Unter Windows funktioniert MTP am besten, Linux- und Mac-Nutzer können es nur eingeschränkt benutzen. Für Linux-Systeme gab es jedoch vor Kurzem enorme Verbesserungen, wie dieser Artikel von Christoph Langner zeigt.

Gründe für den Wechsel zu MTP gibt es viele. Die zwei wichtigsten sind das darunterliegende Dateisystem und das Nutzungsszenario: Während Google für den USB-Massenspeicher stets eine FAT-Partition benötigte, damit Windows den entsprechenden Speicher erkannte, arbeitet MTP unabhängig vom Dateisystem. So kann man sich in Mountain View die Lizenzkosten an Microsoft für FAT32 ersparen (MTP selbst lässt sich ohne Lizenzkosten nutzen). Zudem arbeitet MTP transparent. Sie können also auch dann auf dem Handy auf die Dateien zugreifen, wenn es über ein USB-Kabel mit einem PC verbunden ist. Beim USB-Massenspeichermodus war das nicht möglich. Der entsprechende Datenbereich war nach dem Anschluss an einen Rechner dann für das Telefon nicht sichtbar. Die Partition für den Telefonspeicher nannte man /data, der als Massenspeicher nutzbare Bereich war unter /sdcard zu erreichen.

Zwei zentrale Partitionen

Auch unter Android 4.0 gibt es diese Zweiteilung noch. Hier sind die zentralen Partitionen üblicherweise mit dem Linux-Dateisystem Ext4 formatiert. Auf der ehemaligen /data-Partition befindet sich das System (Telefonspeicher, /system), auf der zweiten die Daten (App Speicher oder Interner Speicher genannt, /userdata). Das frühere /sdcard ist nun nur noch ein Verzeichnis innerhalb von /userdata. Besitzt Ihr Smartphone also 8 GByte Speicher, dann sind davon rund 2-3 GByte für das System reserviert, die restlichen 5-6 GByte gehören den Apps und Ihren Daten. Das komplette Layout ist etwas komplizierter, die meisten Geräte besitzen rund 10 Partitionen, aber relevant für die Apps und den benutzbaren Platz sind lediglich /system und /userdata.

Eine mögliche Aufteilung des internen Speichers, hier am Beispiel des ZTE Grand X IN mit 4 GByte internem Speicher.
Und so sieht die Speichereinteilung beim Nexus 4 in der 8-GByte-Version aus

Von dieser Zweiteilung machen auch Apps regen Gebrauch. Entwickler, die größere Apps bei Google Play einstellen, müssen Ihre Anwendungen aufteilen: In eine ausführbare Datei und ein zusätzliches Datenpaket. Am besten lässt sich das nachvollziehen, wenn Sie ein großes Spiel installieren. Klicken Sie in Google Play auf den Button Installieren, dann landet zunächst die eigentliche App in der Systempartition, danach lädt Google die Spieldateien nach /userdata. Diese Trennung geschieht automatisch.

Haben Sie viele Apps installiert, kann es so auch bei einem recht großen internen Speicher vorkommen, dass nicht mehr genügend Platz vorhanden ist. Denn der Hersteller muss sich beim Aufsetzen des Betriebssystems überlegen, wie viel Platz er dem System einräumt und wie viel den Daten. Ein schlechtes Beispiel wäre ein Smartphone mit 32 GByte Speicher, bei dem die System-Partition (der Telefonspeicher) nur 2 GByte belegt (und davon nur 200 MByte frei). Hier würden Sie schon nach der Installation von drei bis vier größeren Apps die Meldung erhalten, dass der Telefonspeicher voll ist.


Android User Shop

Einzelne Ausgabe
 
 
 

Ähnliche Artikel

  • KitKatastrophe: Probleme mit MicroSD-Karten unter Android 4.4

    Für viele Android-Nutzer ist es der Android-Bug schlechthin: Seit dem Update auf Android 4.4 dürfen die meisten Apps nicht mehr auf die externe MicroSD-Karte schreiben. Doch stammt der Bug überhaupt von Android 4.4 und ist es überhaupt ein Fehler? Android User klärt auf.

  • Apps und RAM unter Android 4 auslagern

    Wer sein Handy rege nutzt, hat früher oder später den für Programme reservierten Teil des internen Speichers aufgebraucht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Link2SD wieder freien Platz schaffen und zudem auch für genügend RAM sorgen.

  • Apps und RAM unter Android 4 auslagern

    Wer sein Handy rege nutzt, hat früher oder später den für Programme reservierten Teil des internen Speichers aufgebraucht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Link2SD wieder freien Platz schaffen und zudem auch für genügend RAM sorgen.

  • So verschieben Sie Apps auf die SD-Karte

    Seit Android 2.1 lassen sich Apps auf die SD-Karte verschieben, um den Telefonspeicher frei zu halten. Wir haben fünf Apps getestet, die das angeblich besser machen, als Androids Bordmittel.

  • Samsung Galaxy S4 lässt nur wenig Speicher für Daten frei

    Dass auf einem Android-Smartphone mit 16 GByte Speicher nicht 16 GByte freier Speicherplatz für Daten sind, sollte Android-Usern klar sein. Irgendwo muss das Android-System ja ein Plätzchen finden. Doch wenn wie bei Samsungs neuem Galaxy S4 von 16 GByte Speicher nur noch etwas mehr als 8 GByte nach dem Auspacken frei sind, läuft etwas schief.

comments powered by Disqus

Aktuelle Ausgabe

Neueste Artikel

MyRoll - die schlaue Fotogalerie bringt Ordnung in Deine Bilder

29.07.2014

Bessere Kameras in Smartphones führen zu mehr Bildern, die alle sortiert und organisiert werden möchten. Wäre es da nicht toll, eine Galerie zu haben, die eine gewisse Vorarbeit leistet und Dich bei der Organisation unterstützt?

Mit Floatify alle Benachrichtigungen im Blick

28.07.2014

Siehst Du gerne mit dem ersten Blick auf Dein Handy, wer dich angemailt hat ? Oder wer versucht hat Dich anzurufen ? Dann probiere es mal mit Floatify.

Mit der FSK-App den Überblick über Filmfreigaben behalten

25.07.2014

Wir alle kennen diese farbigen Bildchen mit Zahlen von DVDs und Computerspielen. In Deutschland werden Filme und Spiele von der freiwilligen Selbstkontrolle (der Filmwirtschaft) auf ihre Eignung für bestimmte Altersgruppen geprüft und bewertet. Aber wie geht das überhaupt und warum wird etwas bewertet? Die App FSK Jugendschutz Filme Trailer erklärt dies und noch viel mehr.

Sonderausgabe